Für den wievielten Eurovision Song Contest er die Bühne entworfen hat, weiß Florian Wieder selbst nicht so genau. „Ich glaube, es ist meine Zehnte, aber auf Anhieb garantieren kann ich das nicht“, lacht der 58-jährige Deutsche, der gerne auch von Popstars wie Robbie Williams oder Adele für das Design ihrer Shows engagiert wird. „Seine“ ESC-Bühne 2026 mit einer Fläche von 2000 Quadratmetern ist nun offiziell eröffnet worden – von Bundespräsident Alexander van der Bellen, der mit dem symbolischen Drücken eines Buzzers das Licht-Spektakel und die LED-Effekte in Gang brachte. Die Scheinwerfer können geometrische Formen oder Wellen erzeugen. Oder wie es Stage-Designer Wieder gemeinsam mit Lichtdesigner Tim Routledge aus Großbritannien ausdrückt: „Sie formen kinetische Skulpturen.“

Schon 2015 war Florian Wieder der kreative Kopf hinter der ESC-Bühne in Wien, diesmal ließ er sich „von Theater und Oper inspirieren“ – um die Bühne herum verläuft etwa ein geschwungener Bogen gleich einem Notenschlüssel. Für ihn, Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz und Executive Producer Michael Krön war es aber von Anfang an wichtig, dass für die 10.000 Zuschauer in der Wiener Stadthalle „die Teilnehmer von allen Seiten gut sichtbar, erlebbar und spürbar“ sind. Und somit eine Mega-TV-Show mit Live-Feeling und emotionaler Atmosphäre auf den Bildschirm kommt.

Stage-Designer Florian Wieder entwarf u. a. den ESC in Düsseldorf, Baku, Wien und Basel
Stage-Designer Florian Wieder entwarf u. a. den ESC in Düsseldorf, Baku, Wien und Basel © APA/Hochmuth

Moderator Michael Ostrowski zeigte sich von den Dimensionen und langen Stegen der Bühne beeindruckt: „Das legen wir zum Teil weite Wege zurück. So mache ich wenigstens auch etwas Sport, denn fürs Fitnesstraining habe ich sonst ohnehin keine Zeit“, scherzte der 53-jährige Steirer. „Echt crazy, wie groß das alles ist“, sagt seine Partnerin Victoria Swarovski.

Victoria Swarovski, ESC-Executive-Producer Michael Krön, ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher, Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz und Michael Ostrowski
Victoria Swarovski, ESC-Executive-Producer Michael Krön, ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher, Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz und Michael Ostrowski © ORF/Roman Zach-Kiesling

Gab es eigentlich eine Idee für diese beeindruckende Bühne, die sich nicht verwirklichen ließ? „Durch die großartige Unterstützung des ORF konnten wir alle Visionen umsetzen“, streut Wieder den österreichischen Gastgebern Rosen. Noch gut in Erinnerung ist den Zuschauern seine imposante Gestaltung des ESC in Basel 2025. „Basel hatte einen komplett anderen kreativen Ansatz. Die Inspiration waren die Schweizer Berge und das Schweizer Sackmesser als grafische Inspiration. Hier in Wien haben wir uns, wie gesagt, von der Kunst und der Wiener Secession beflügeln lassen. Die Wiener Secession war eine Bewegung, in der Kunst neu definiert wurde. Es war damals wie ein Reset, ein mutiger, künstlerischer Neuanfang. Das hat uns zutiefst inspiriert“, konkretisiert er.

Und resümiert: „Wichtig ist, dass sich die Show – egal welche Idee die Richtung definiert – nach Eurovision anfühlt und die komplexen Bedürfnisse für so eine Show abgedeckt sind!“

Von der Hauptbühne ausgehend teilt ein Laufsteg, der zum Green Room führt, den Stehplatzbereich
Von der Hauptbühne ausgehend teilt ein Laufsteg, der zum Green Room führt, den Stehplatzbereich © AFP/Joe Klamar

Derzeit werden noch mit Doubles (im Fachjargon: Stand-In-Artists) der 35 Song Contest-Acts die Abläufe auf der Bühne geübt, Kameraeinstellungen und Licht-Performances programmiert, ab 2. Mai proben dort die „echten“ Künstler. Sänger und Rapper Satoshi aus Moldau hat die Ehre, den Reigen 2026 bzw. das erste Halbfinale zu eröffnen – mit einer durchaus lauten Nummer: „Viva, Moldova!“ Ob ihm in der ESC-Woche Van der Bellen live in der Stadthalle zujubeln wird, ist noch fraglich: „Ich weiß meinen Kalender nicht auswendig, der verändert sich ja auch dauernd“, lachte das Staatsoberhaupt.