„Die geopolitischen Rahmenbedingungen bleiben volatil und ein Risiko“, betont Christian Knill. Der Obmann des mit rund 130.000 Beschäftigten und 1100 Unternehmen größten Fachverbands der Metallindustrie, der metalltechnischen Industrie (FMTI), kann für das abgelaufene Jahr zumindest auf ein kleines Produktionsplus verweisen. Der Zuwachs lag bei 2,7 Prozent – auf ein Volumen von rund 47 Milliarden Euro. Dennoch präsentiert sich die Stimmung gedämpft. Das hat mit den genannten geopolitischen Verwerfungen ebenso zu tun, wie mit dem Blick zurück. Denn man dürfe nicht vergessen, dass es in den beiden Rezessionsjahren 2023 und 2024 einen Rückgang von knapp 16 Prozent bei der Produktionsleistung gab. Knill: „Die leichte Erholung aus dem Vorjahr kann den Einbruch in den Jahren zuvor bei Weitem nicht wettmachen.“ Man erwarte auch für 2026 „keinen nennenswerten Zuwachs“.
Besonders negativ sticht die Entwicklung der Personalzahlen seit 2024 hervor. FMTI-Geschäftsführerin Sabine Hesse erinnert daran, dass die Branche davor „kontinuierlich Beschäftigung aufgebaut hat“. Aktuell sei das Thema „aber das größte Sorgenkind“. Im Vorjahr sei die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um 4,2 Prozent gesunken, inklusive des Abbaus 2024 sind 10.000 Stellen aus dem Eigenpersonal verloren gegangen, so Knill. Hinzu kommen fast 4000 Leiharbeitskräfte. Knill spricht von einem „dramatischen Jobverlust“. Auch perspektivisch zeichnet sich keine Trendwende ab: Laut Umfrage gehen 41 Prozent der Betriebe, viele davon Weltmarktführer in speziellen Nischen, davon aus, dass die Beschäftigung in den nächsten fünf Jahren abnehmen wird, nur 15 Prozent rechnen demnach mit steigender Beschäftigung an ihrem Standort. Gleichzeitig gehen langfristig aber 60 Prozent der Befragten davon aus, dass die Beschäftigung an ihren Auslandsstandorten zunehmen wird. Der Trend zu Verlagerungen habe schon eingesetzt, so Knill. Hier gelte es gegenzusteuern.
Dazu tragen, neben den Unsicherheiten und dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, laut Knill auch die Exportentwicklungen bei. 79 Prozent der von den österreichischen Unternehmen der metalltechnischen Industrie erzeugten Produkte werden exportiert. Preisbereinigt sind die Ausfuhren im Vorjahr um zwei Prozent zurückgegangen. Besonders schmerzhaft sei der Einbruch bei den Exporten in die USA mit knapp 23 Prozent. Das entspreche einem Volumen von 700 Millionen Euro. Hauptgrund sei eine Kombination aus den Importzöllen und den Währungseffekten zwischen Dollar und Euro.
„Erwartungen für 2026 sind eher bescheiden“
Die Exporte nach Deutschland, dem mit einem Anteil von 27 Prozent an den Gesamtexporten wichtigsten Markt der Branche, sanken um 1,3 Prozent. Anstiege gab es bei den Ausfuhren nach China (plus 13 Prozent), aber auch bei Exporten nach Tschechien und Italien.
Als größte Herausforderungen werden von Unternehmen derzeit die konjunkturellen Unsicherheiten, die wieder steigenden Energiepreise, aber zuletzt auch Lieferkettenprobleme genannt. Laut einer aktuellen Umfrage rechnen 52 Prozent der Mitgliedsbetriebe der Branche mit einem Rückgang der Produktion in ihrem Betrieb. „Zwei Drittel halten einen Aufschwung in den kommenden sechs Monaten für unrealistisch“, so Knill. „Die Erwartungen für 2026 sind eher bescheiden.“ Auch die Lohnkosten seien nach wie vor eine große Herausforderung, „auch wenn die nun angekündigte Lohnnebenkostensenkung ein sehr guter erster Schritt ist“. Die Bundesregierung habe „mit der Industriestrategie einen guten ersten Schritt gesetzt, wir müssen aber rascher und dynamischer in die Umsetzung kommen“.
Es sei entscheidend – für alle Bereiche der Wirtschaft – dass ein Wiederaufflammen der Inflation verhindert wird, so Knills Appell. Er erinnert daran, dass „unsere Unternehmen und Beschäftigten“ mit dem zweijährigen Lohnabschluss unter der Inflationsrate „bereits einen wichtigen Schritt zur Dämpfung der Teuerung gesetzt haben“. Nun sei „vor allem der Staat gefragt, seine Ausgaben zu dämpfen“.