1,5 Milliarden 1-Liter-Flaschen Wasser bräuchte es, um allein alle steirischen Pools zu befüllen. Das könnte man wohl als echte Sisyphusaufgabe bezeichnen. Ein Glück gibt es Gartenschläuche, durch die sich das private Nass beinahe von alleine füllt. 65.838 private Pools gibt es in der Steiermark. So der Stand aus dem Jahr 2024. Neuere Zahlen gibt es nicht. Denn diese werden durch Überflüge gezählt – und das braucht Zeit.

Fest steht jedenfalls: Die Zahl der Pools ist in den letzten Jahren schlichtweg explodiert. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl um mehr als 15.000 Becken in die Höhe geschnellt. Eine Herausforderung für die Wasserversorgung.

Pools: Verbote und höhere Wassergebühren vorerst vom Tisch

Verbale Reaktionen gab es von der Politik in der Vergangenheit viele. Von einem Bauverbot für neue Pools über höhere Wassergebühren. Geblieben ist davon nur das Plätschern, wenn das Wasser Jahr für Jahr aus dem Gartenschlauch in den Privatpool rinnt. Denn vonseiten der zuständigen Landesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP) hieß es vor wenigen Wochen: Man möchte auf eine vermehrte Bewusstseinsbildung setzen. Also Eigenverantwortung statt Verbote.

Zumindest in Hönigtal funktioniert das aber alles andere als gut. „Von den 250 Pools in unserem Versorgungsgebiet wird die Befüllung von 20 gemeldet“, sagt Christine Fischer, Geschäftsleiterin der Wassergesellschaft Hönigtal. Deshalb gilt hier für das kommende lange Wochenende ein Verbot, Pools zu befüllen.

Pools dürfen in Hönigtal am Wochenende nicht befüllt werden

Das hat die Gemeinde per App ausgesandt. Bereits am letzten Wochenende ist das Wasser knapp geworden, denn durch die Trockenheit wird auch mehr gegossen. Einen wirklichen Hebel, das Verbot durchzusetzen, gibt es aber nicht. Daher appelliert man an den Hausverstand der Bevölkerung, die Pools lieber unter der Woche zu befüllen.

Dass der Hochbehälter im schlimmsten Fall wirklich leer sein kann, liegt meist nicht daran, dass der Grundwasserspeicher leer ist, sondern vielmehr daran, dass die Pumpsysteme nicht in der gleichen Geschwindigkeit Wasser nachliefern können, wie es durch die Poolbefüllungen verloren geht.

Gemeinde Oberzeiring muss Wasser zuliefern lassen

Aber auch der Grundwasserspiegel ist vielerorts deutlich zu niedrig. Laut Sebastian Wiesmair, Fachteamkoordinator Grundwasser der Abteilung 14 des Landes Steiermark, allen voran im Ennstal und im Murtal. Hier kratzt man am Minimum, das bisher zu dieser Jahreszeit gemessen wurde. Das Problem ist der ausbleibende Niederschlag. In manchen Gebieten liegt man bei unter 50 Prozent des Niederschlags, der normalerweise zu erwarten ist.

In Oberzeiring muss aktuell sogar Wasser zugeliefert werden, um die Trinkwasserversorgung aufrecht zu erhalten. Ebenfalls knapp wird das Wasser in Seckau. Hier soll etwa auf Rasensprenkeln oder Autowaschen verzichtet werden.

Entwicklung des Grundwasserspiegels hängt vom Wetter ab

Etwas entspannter ist die Lage in der Südweststeiermark und im Grazer Raum, allerdings liegt man auch hier unter dem langjährigen Schnitt. Positivausreißer ist heuer die Oststeiermark. Hier liegt man an manchen Orten sogar etwas über dem Schnitt.

Wie sich die Poolbefüllungen der nächsten Wochen auf den Grundwasserspiegel auswirken, lässt sich laut Wiesmair nicht allgemein beantworten, denn es kommt immer darauf an, woher die Gemeinden ihr Wasser beziehen. Zudem würden ein paar Tage gleichmäßige Regenfälle das Problem lösen und den Grundwasserspiegel zurück in den Normbereich heben. Laut Prognosen der Geosphere Austria wird das in den nächsten Tagen aber nicht passieren.

Das Bild zeigt Erwin Dirnberger
Erwin Dirnberger ist Präsident des Gemeindebunds Steiermark
| Erwin Dirnberger ist Präsident des Gemeindebunds Steiermark © LTD/Erwin Scheriau

Wasser als Lebensmittel hat Priorität

Einen tatsächlich leeren Hochbehälter wie im Vorjahr in Gleinstätten gibt es heuer zumindest noch nicht. Dennoch sieht man laut Erwin Dirnberger, Präsident des Gemeindebundes, bereits Anzeichen einer Wasserknappheit. Daher appelliert er, Poolbefüllungen unbedingt beim Wasserversorger anzumelden. „In erster Linie ist Wasser ein wichtiges Lebensmittel. Danach folgen Hygienezwecke und erst dann das private Plantschvergnügen“, sagt Dirnberger.