Das Fußballstadion von Grado gehört zu den Orten mit der schönsten Aussicht – da kommt kaum eine andere Sportstätte mit. Von der Tribüne blickt man über die Lagune bis nach Barbana. Ab und zu landet ein Befreiungsschlag im Wasser.
Und viele Jahre lang war der Blick auf die Lagune auch interessanter als der Blick aufs Spielfeld. Aber in diesem Jahr spielt Gradese Calcio, übrigens in den Farben rot-weiß wie Österreich, richtig gut. Fans und Spieler träumen vom Aufstieg. Vor zwei Wochen gab es gar einen 10:0-Sieg, in dieser Woche allerdings mit einem Unentschieden gegen ein Mittelfeldteam einen kleinen Dämpfer. Und dass man im letzten Monat eines der schnellsten Tore überhaupt kassierte (nach fünf Sekunden senkte sich der Ball direkt nach dem Anstoß hinter dem verdutzten Torwart ins Netz) und wegen dieses einen Tors auch noch verlor, schmerzt nach wie vor.
Egal, Sportler müssen immer nach vorn blicken. Denn man hat große Pläne, nicht nur den Aufstieg in die nächsthöhere Liga: Auch das Stadion soll schöner werden. Die Tribüne und auch die Umkleideräume sind in einem miesen Zustand, und lange stand die Idee im Raum, ein komplett neues Stadion zwischen Città Giardino und Grado Pineta zu errichten.
Freundschaftsspiel abgesagt
Doch nun bleibt man beim alten Standort. Gut so. Und man nimmt ordentlich Geld für die Verschönerung in die Hand. Gleich nach Saisonende hat die Gemeinde, der das Stadion gehört, grünes Licht gegeben – so spontan, dass ein lange geplantes Freundschaftsspiel gegen eine österreichische Auswahl, das um Pfingsten steigen sollte, abgesagt wurde. Dabei waren die Hotelzimmer schon gebucht – etwas ärgerlich für die Organisatoren. Aber so ist Italien: Seit 2012 war die Stadionrenovierung geplant, dann passierte lange nichts – und auf einmal geht es dann doch ganz schnell
Immerhin 3,5 Millionen Euro fließen in die Restaurierung, teilweise übrigens aus EU-Mitteln. Also können wir alle uns ein wenig als Bauherren fühlen. Die Tribüne soll komplett erneuert und überdacht werden, auch die Umkleideräume werden erneuert, möglicherweise wird es auch einen Kraftraum geben. Und das Spielfeld bekommt eine Bewässerungsanlage.
Was bleibt, ist der Lagunenblick. Und weil der Autor dieser Kolumne oft gefragt wird, wo man denn in Grado das authentische Italien erleben kann – das Fußballstadion ist ein guter Anfang, hierhin verirren sich selten Touristen.
Die Stadionbratwurst
Über die Qualität der Stadionbratwurst schweigen wir höflich. Aber manchmal ist es auch in Italien nicht wichtig, was man isst, sondern wo und mit wem.