Wie geht es einer Bank in Zeiten einer wirtschaftlich turbulenten Großwetterlager und einer stürmischen Zinsentwicklung?

MARTIN SCHALLER: Wir sind ein stabiler Anker für die Unternehmer und die Bevölkerung. Wir stehen vor Herausforderungen, die man als Einzelner nicht bewältigen wird. Umso wichtiger ist ein starkes „Wir“.

Aber wie passt das zu einer Gesellschaft, die sich zunehmend segmentiert, bis aus dem „Wir“ nur noch ein „Ich“ übrig bleibt?

MARTIN SCHALLER: Tatsächlich erodiert die sogenannte Mitte der Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, gemeinsam und nicht gegeneinander zu handeln. Einer allein wird es nicht packen. Es braucht den Mut, Neues zu denken, zu entwickeln und zu tun.

Wo folgt die Bank selbst dieser Aufforderung?

ARIANE PFLEGER: Wir haben ein modernes Crowdsourcing-Programm, mit dem wir Ideen und Innovationen von Mitarbeitern einholen und sie fragen, wie sie sich die Zukunft vorstellen. Daraus haben wir ein gemeinsames Zielbild entwickelt. Dieses Einsammeln von Ideen allein ist zwar einfach, aber nicht genug. Derartige Programme stehen und fallen mit der Umsetzung.

RAINER STELZER: Gemeinsam haben wir in unserer Bank Workshops entwickelt, wie Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen können oder wie Privatkunden zu unkomplizierten Lösungen für den Umstieg auf grüne Energie kommen. Das entspricht nicht zuletzt unserem Leitspruch „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Wie riskant ist es, als Bank mutlos zu sein?

FLORIAN STRYECK: Man muss immer die Rahmenbedingungen im Auge haben und muss sich fragen, was zu einem Unternehmen oder Privatkunden passt. Das klingt nach verhindern, aber wir sehen das anders, nämlich als proaktive Maßnahme für alle Partner. Wir wollen als Bank ein solider und verlässlicher Partner sein. Wir setzen auf nachhaltige Produkte, nicht auf kurzfristiges Zocken.

Wie mutig kann und darf man als Bank sein?

MARTIN SCHALLER: Man soll mutig sein, aber nicht übermütig. Für uns bedeutet es, dass wir auch neue Konzepte umsetzen, die über das klassische Bankgeschäft hinaus gehen. Ein Beispiel sind regionale Energiegenossenschaften, die gemeinsam mit Gemeinden und Bürgern gegründet werden. Aber auch in der heimischen Start-up-Szene engagieren wir uns zusammen mit Partnern in einem Accelerator-Programm.

Ist die steirische Unternehmerlandschaft mutig genug?

RAINER STELZER: Das Umfeld ist optimal und die steirische Mentalität sehr innovativ und ideenreich. Gerade junge Unternehmer und Start-ups könnten teilweise mutiger sein, um ein wertschöpfendes Unternehmen zu formen. Da gibt es enormes Potenzial, für das wir auch in schwierigen Zeiten ein verlässlicher Partner und Mutgeber sein wollen.

FLORIAN STRYECK: Diesen Unternehmergeist finden wir als Bank spannend. Es braucht aber ökonomisches Kalkül, um mit der Risikobereitschaft richtig umzugehen.

Das klingt nach viel Veränderung. Was bedeutet eine „mutige Bank“ für die eigenen Mitarbeiter?

ARIANE PFLEGER: Dazu haben wir in der Raiffeisen-Landesbank Steiermark – als erste Bank in Österreich – einen eigenen Vorstandsbereich „Transformation“ eingerichtet. So managen wir gesamthaft die vielfältigen Weiterentwicklungen. Wichtig dafür ist das „Wir“ als starker Unternehmenswert. Diese Teamkultur ermöglicht Vielfalt und gibt Mut auch für neue Wege. Zusammen mit modernen Arbeitswelten und Zeitmodellen wollen wir einer der attraktivsten Arbeitgeber im Land sein.

RAINER STELZER: Auch unsere Kundenberater orientieren sich an den neuen Gegebenheiten. Ermutigend wirkt, wenn wir das finanzielle Leben unserer Kunden gemeinsam so ordnen, dass die Kunden beruhigt schlafen können und ihre Vorhaben, Projekte und Unternehmensziele bestmöglich erreichen.

Diese Serie soll der Schwerkraft der Krisen entgegenwirken. Sie erscheint als Medienkooperation der Kleinen Zeitung und wird von den teilnehmenden Unternehmen finanziell unterstützt.