Im Wikipedischen Klartext beschreibt der Begriff „Corporate Wording“ oder „Corporate Language“ den „individuellen und charakterisierenden Sprachstil und -gebrauch eines Unternehmens“. So wie ein Logo, eine firmeninterne Typografie oder eine Farbe einem Unternehmen zusätzliches Profil verleihen können, trägt logischerweise auch eine halbwegs einheitliche Sprache zur Firmenidentität bei. Da kann man einiges richtig, aber auch vieles falsch machen, und bevor man hunderttausende von Euros für eine Consultingfirma ausgibt, sollte man zuerst einmal auf den Hausverstand setzen. Hier ein paar Tipps, wie Sie für Ihr Unternehmen eine Sprache finden:

1. Warum wir Sie jetzt duzen?

In den letzten Jahren machen Firmen vermehrt auf gute Freunde, indem sie ihre KundInnen duzen. Dieser Trend schwappt von Social-Media-Kanälen in die allgemeine Firmenkommunikation über. Achtung, das „Du“ schafft natürlich Nähe und klingt cooler, passt aber nicht zu jedem Unternehmen. Das klassische „Sie“ wirkt seriöser, manchmal auch professioneller.

2. Wiederkennbare Werte und wiederkennbare Worte

Firmen, die auch einen markanten TV-Werbungs-Auftritt haben, übernehmen etwaige dort verwendete Slogans oder Stile mitunter auch in die geschriebene Sprache. So schafft‘s Hornbachs "Yippiejaja-yippie-yippie-yeah" auch in Printwerbungen, Website und Twitter. Und beim Lutz lässt das große X (von XXXLutz) auch im geschriebenen Wort „eXtra“ grüßen. Auch das ist „Corporate Wording“.

3. Entwickeln Sie Sprachwelten!

Um für das eigene Unternehmen eine eigene Sprachwelt zu entwickeln, sollte man sich im Team überlegen, welche Art von Worten und welche Tonalität zu den Firmenwerten passt. Ein Geschäft, das Motorräder verkauft, wird eine „lautere“, stärkere Sprache verwenden als ein Yoga-Studio. Der deutsche Autor und Experte für Unternehmenssprache Hans-Peter Förster hat vier Grundfunktionen der Sprache definiert:

Informationsfunktion (Zahlen, Daten, Fakten)
Garantiefunktion (Garantie, Tradition, Ordnung)
Erlebnisfunktion (Vision, Idee, Begeisterung)
Kontaktfunktion (Sympathie, Herz, Gefühl)

Aus diesen Gruppen lassen sich zum Beispiel markentypische Wortschätze fürs eigene Unternehmen entwickeln.

4. No comprendo!

Beim Finden der richtigen Worte ergibt es Sinn, darauf zu achten, dass das Gegenüber die Worte auch versteht. Bei aller sprachlicher Individualität, mit der man das Unternehmensprofil aufwerten will, sollte also die Verständlichkeit das oberste Kriterium bleiben. Lassen Sie sich vom eingedeutschten Pseudo-Business-Englisch nicht verblöden und verwenden Sie also den Begriff „Corporate Wording“ niemals in einer direkten Kunden-Kommunikation!

5. Ziehen Sie es durch!

Wenn Sie Ihre Sprache konsequent durchziehen, werden Sie sowohl als Person als auch als Unternehmen auf Social Media, in Blog Posts, in diversen Angeboten und individuellen Mails so erlebbar, wie Sie sich das wünschen! Im Zweifelsfalle und wenn Sie es selbst entscheiden können: Schreiben Sie so, wie Sie sind: Natürlich und authentisch!