Kann man sich jemals an den bestialischen Gestank, an die Ratten, an den dauernden Brechreiz gewöhnen? Für Amana und Kajal stellt sich diese Frage nicht. Die beiden Mädchen sind zwei von mehreren Tausend Kindern, die hier in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi im und vom Müll leben – am Fuße einer der größten Mülldeponien der Welt. Ob Plastikflaschen, Papier, Alufolie oder sogar Haare: für alles gibt es ein paar Rupien. Dafür bezahlen die meisten von ihnen früh mit ihrem Leben. Müllsammler wie Amana und Kajal werden nicht alt. Sie atmen giftige Dämpfe ein, schneiden sich an scharfen Gegenständen und leiden an entzündeten Wunden. Viele sind unterernährt und anfällig für Krankheiten. An einen Schulbesuch ist nicht zu denken, zu hart ist der tägliche Kampf ums Überleben. Ohne Bildung aber bleibt nichts als die gesundheitsschädliche Tätigkeit auf dem Müllberg.

Die Corona-Pandemie hat ihre Not noch zusätzlich verschärft. Viele Familien können wegen der Ausgangsbeschränkungen kein Geld verdienen. Neben der medizinischen Katastrophe durch Corona droht nun eine Hungersnot. „Wenn wir nicht arbeiten dürfen, können wir nur essen, was wir auf der Müllhalde finden. Und im schlimmsten Fall essen wir gar nicht", erzählen die Müllsammler. Sie wohnen rund um die Bhalswa-Deponie – unter prekären Bedingungen.

„Die Müllhalde ist genau vor unserem Haus und es ist das erste, was ich sehe, wenn ich in der Früh aufwache“, sagt Amana, während sie auf die notdürftige Unterkunft ihrer Familie am Fuße der Deponie zeigt. Diebstähle, Vergewaltigungen und Alkohol stehen in den Slums hier an der Tagesordnung. „Wenn ich nur die geringste Chance bekäme wegzugehen, würde ich rennen!“, betont das junge Mädchen. Diese Chance hat Amana nun endlich. Seit der Kindernothilfe-Projektpartner Deepti Foundation ein Nachbarschaftszentrum nahe der Deponie errichtet hat, finden Kinder wie sie dort Schutz und Zuflucht, medizinische wie psychologische Betreuung, schulische Förderung – und Hoffnung auf ein Leben jenseits der Müllberge.

Derzeit verteilt die Kindernothilfe rund um das Förderzentrum Lebensmittelpakete an die rund 1.900 Familien der Bhalswa-Slums – um über den landesweiten Lockdown hinwegzuhelfen. „Eine fünfköpfige Familie zum Beispiel erhält für rund zehn Tage 10 kg Reis, 5 kg Weizenmehl, Hülsenfrüchte, Speiseöl, 1 kg Zucker und 1 kg Salz“, rechnet Pater Santosh, Direktor des Kindernothilfe-Partners Deepti Foundation in Bhalswa, nach.

Im Kindernothilfe-Förderzentrum erhalten Kinder wie Amana und Kajal auch medizinische Versorgung und Hygieneschulungen, um sich vor dem Coronavirus bestmöglich schützen zu können. Und sie lernen gemeinsam, holen versäumten Schulstoff nach. Ihr Traum ist schnell formuliert: „Wir wollen Lehrerinnen werden. Und unser Geld anders verdienen als unsere Eltern, die täglich nur im Müll wühlen.“

Durch eine Spende oder eine Patenschaft für eines der Projekte der Kindernothilfe kann jeder mithelfen, notleidenden Kindern wie Amana und Kajal die Chance auf eine bessere Zukunft zu eröffnen.

Spendenkonto: IBAN: AT142011131002803031, BIC: GIBAATWW

Mehr Informationen: https://www.kindernothilfe.at/SchutzvorausbeuterischerKinderarbeit.html