Die 17-jährige Julia hat gerade ihr erstes Lehrjahr als Kfz-Technikerin begonnen. Die erste Gehaltsabrechnung ist da. Stolz schaut Julia auf ihren ersten Lohn. Doch die Freude währt nur kurz. Kaum ist das Geld auf dem Konto, werden die ersten Fixkosten, zum Beispiel für den Handyvertrag und Streamingdienste, abgezogen. Und dann war da noch der kleine Shoppingausflug. Am Ende des Monats bleibt Julia somit mehr Monat als Geld übrig.

Erstes Gehalt, viele Fragen

So oder so ähnlich ergeht es vielen jungen Menschen, die gerade ins Berufsleben starten. Seit Jahren zeigen Studien, dass die Finanzkompetenz von Jugendlichen in Österreich sinkt und vielen der Überblick über ihre Einnahmen und Ausgaben fehlt.

Im März dieses Jahres hat die Bank99 das Marktforschungsinstitut Marketmind beauftragt, 1022 Personen ab 16 Jahren zu ihrem Wissen rund um das Thema Geld zu befragen. Die Ergebnisse der Studie zeichnen ein klares Bild: So geben zwar 74 Prozent an, ihren persönlichen Umgang mit Geld als gut einzuschätzen, doch nur 39 Prozent bewerten ihr tatsächliches Finanzwissen positiv. Auffällig ist dabei der Unterschied in der Selbsteinschätzung: Männer neigen eher dazu, ihre Fähigkeiten zu überschätzen, während Frauen sie eher unterschätzen. In einem eigens dafür entwickelten Wissenstest zum Basiswissen rund um Finanzen erzielten beide Geschlechter ähnliche Ergebnisse – allerdings mit viel Luft nach oben. Zwar schnitten Männer geringfügig besser ab, doch mehr als ein Drittel der Befragten (36 Prozent) konnte höchstens die Hälfte der Fragen korrekt beantworten.

Lehrlinge verdienen früh ihr eigenes Geld

Aber nur wenige Lehrlinge erhalten das Rüstzeug, um verantwortungsvoll mit ihrem Geld umzugehen. Gerade auch in Schulen wird das Thema Geld bislang kaum behandelt. Fehlendes Finanzwissen macht es jungen Menschen schwer, ihre Rolle in der Wirtschaft selbstbestimmt und sicher wahrzunehmen. Dabei beginnt Finanzbildung nicht mit Aktien und großen Investitionen, sondern mit den Grundlagen: bewusstem Konsum, der Planung von Ausgaben und dem richtigen Einteilen des eigenen Budgets.

Diese Lücke schließt nun die digitale Aus- und Weiterbildungsplattform wîse up. Seit Anfang 2025 haben alle Lehrlinge, die in einem Mitgliedsbetrieb der WKO beschäftigt sind, kostenlosen Zugang zur Plattform. Neben über 25.000 digitalen Kursen steht seit Frühjahr dieses Jahres auch ein neues Lernmodul zum Thema Finanzbildung bereit.

Das neue Modul wurde gemeinsam mit der Wirtschaftsuniversität Wien entwickelt und deckt finanzielle Alltagsthemen ab, die insbesondere für junge Menschen relevant sind. In sieben Lernstrecken werden Themen wie der Umgang mit dem ersten Einkommen, der erste Steuerausgleich, Sparmöglichkeiten im Alltag, der Weg zur eigenen Wohnung und sicheres Bezahlen im Internet behandelt.

Mariana Kühnel, die seit Juli 2025 neue Vorständin der Finanzmarktaufsicht (FMA) ist und zuvor stellvertretende Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich war, bringt die Bedeutung von Finanzbildung und digitalen Kompetenzen auf den Punkt: „Finanzbildung und digitale Kompetenzen sind essenzielle Zukunfts-Skills – gerade für junge Menschen.“ Mit wîse up wird Lehrlingen erstmals ein digitales Lernangebot präsentiert, das an der richtigen Stelle ansetzt und sie als Digital Natives im digitalen Raum abholt. „Mit eigenen Lernstrecken lernen sie smart und praxisnah – so macht wîse up sie fit für finanzielle Entscheidungen und stärkt sowohl ihre Eigenverantwortung als auch ihre Selbstbestimmtheit“, so Kühnel.

wîse up bietet Zugriff auf diverse E-Learning-Kurse.
wîse up bietet Zugriff auf diverse E-Learning-Kurse. © wise up