Gewerbe und Handwerk sind nach wie vor Österreichs größte Arbeitgeber. Trotzdem denken viele bei Wirtschaft zuerst an große Industriekonzerne oder Handelsketten. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, wer unser tägliches Leben eigentlich am Laufen hält – die Tischlerin aus dem Ort, der Bäcker ums Eck oder der Installationsbetrieb, der im Notfall sofort zur Stelle ist.
Gutes Handwerk ist teuer gefragt
Aktuelle Herausforderungen wie aussterbende Handwerksberufe und Nachwuchsprobleme machen deutlich, wie gefragt handwerklich begabte und interessierte junge Menschen sind. Ein Blick auf die zahlreichen Berufsprofile der Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Steiermark – zum Beispiel auf der Online-Plattform „Helle Köpfe – geschickte Hände“ – zeigt schnell: Hier ist für alle etwas dabei. Wer sich durch die aufgelisteten Lehrberufe in Branchen wie Bau, Holz und Haustechnik oder Innovation und Mobilität klickt, dem eröffnet sich die ganze Bandbreite an Berufsmöglichkeiten – von A wie Augenoptiker:in bis Z wie Zahntechniker:in.
Warum in die Ferne schweifen?
Wenn doch auch ganz besondere Berufe, die nicht jede:r macht, die außergewöhnlich und auf keinen Fall langweilig sind, in der Region vorhanden sind? Ein spannendes Beispiel: der Beruf der/des Seilbahntechniker:in. Kaum eine Ausbildung ist so vielseitig und aufregend wie diese. Dreieinhalb Jahre lang taucht man in die Welt von moderner Seilbahn- und Elektrotechnik ein, arbeitet mit Hightech-Systemen – und das meistens inmitten der Natur. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung als Seilbahn- und Elektrotechniker:in in der Tasche stehen einem buchstäblich alle Lifte dieser Welt offen.
Abwechslung ist dabei garantiert: Zu den Aufgabengebieten zählen die Planung, Installation, Wartung und Reparatur von Seilbahnanlagen sowie anderen Transportsystemen. Dazu gehören regelmäßige Inspektionen, die Überprüfung der Sicherheitstechnik und das rasche Beheben von Störungen. Seilbahntechniker:innen sorgen damit nicht nur für einen reibungslosen Betrieb, sondern auch für die Sicherheit der Abertausenden Gäste im Ski- und Freizeitbereich.
Der Beruf Seilbahntechniker:in ist nur eines von vielen Beispielen. „Wir haben im Bezirk mitunter alle Möglichkeiten für ganz unterschiedliche Berufe“, erklärt Christian Hollinger, Leiter der WKO-Regionalstelle Ennstal/Salzkammergut, und verweist auf die breite Palette an Betrieben, die in der Region angesiedelt sind.
Besonders vielfältig ist etwa die Lebensmittelindustrie. Die Spannbreite reicht von Unternehmen, die Quellwasser abfüllen, über Molkereien bis hin zu weiteren spezialisierten Produktionsbetrieben. Hinter diesen Strukturen stehen zahlreiche Berufe – von der Produktkontrolle über Kühlung und Lagerlogistik bis hin zu Qualitätssicherung und technischer Produktion, um nur ein paar zu nennen.
Berufswahl ohne Qual
Aber wo viel Angebot ist, wird die Wahl leider auch manchmal zur Qual. Aus Sicht von Christian Hollinger ist es wichtig, herauszufinden, wofür man brennt, und dann die Interessen mit den Möglichkeiten abzugleichen. „Und für diese Kompetenz den geeigneten Beruf zu finden“, rät der Experte. Darum sei es auch so essenziell, Jugendlichen Perspektiven aufzuzeigen, sie zu informieren und Veranstaltungen wie die BuK.li durchzuführen.
Unterstützungsangebote nutzen
Hilfe beim Entdecken eigener Talente liefert unter anderem das international ausgezeichnete Talentcenter der WKO Steiermark. Jährlich nutzen mehr als 7000 Jugendliche den dort angebotenen Talente-Check, um ihre Fähigkeiten und Interessen zu analysieren und passende Ausbildungswege zu identifizieren. Um das Angebot laufend auszubauen, bündelten erst kürzlich die AK Steiermark und die WKO ihre Kräfte in der Berufsorientierung und starteten eine neue Kooperation im Skills-Bereich. „Der Weg zur richtigen Ausbildung ist oftmals nicht so leicht, wie die hohen Drop-out-Quoten zeigen. Als WKO haben wir darum das Talentcenter ins Leben gerufen. Dieses Angebot bauen wir in einem gemeinsamen Kraftakt“, so Josef Herk, Präsident WKO Steiermark. Josef Pesserl, Präsident der AK Steiermark, ergänzt: „Das große Bildungsangebot und tiefgreifende Veränderungen in der Arbeitswelt rufen bei Jugendlichen und deren Eltern eine große Nachfrage nach Information, Orientierung und Beratung hervor. Die Bildungsberatung der Arbeiterkammer Steiermark bietet eine individuelle Unterstützung vom Elementarbereich bis zum tertiären Bildungssektor.“
Ebenfalls eine wertvolle Orientierungsstütze sind die BerufsInfoZentren des AMS. Wer sich vorab online grundlegend informieren möchte, kann zudem den AMS-Berufsinfomat nutzen. Er beantwortet Fragen wie „Welche Ausbildung ist für den Beruf der Tischler:in notwendig?“ und liefert Auskünfte zu Berufen, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Dabei greift der Berufsinfomat auf KI-Technologie, unter anderem ChatGPT, zurück und formuliert dynamische Antworten. Zusätzlich werden Informationen aus dem Berufsinformationssystem (BIS), dem Berufslexikon und dem Ausbildungskompass laufend aktualisiert, sodass Nutzende jederzeit auf verlässliche und aktuelle Daten zugreifen können.
Lehrstelle finden leicht gemacht
Junge Talente, aufgepasst: Mit dem Projekt „Next Step: #Lehre“, das von AMS, WKO Steiermark – Sparte Gewerbe und Handwerk – sowie der Plattform „Die Industrie“ initiiert wurde, sind Jugendliche, die bereits auf Lehrstellensuche sind, an der richtigen Adresse. Beim größten Online-Lehrlings-Event der Steiermark präsentieren renommierte Unternehmen aus Gewerbe, Handwerk und Industrie an verschiedenen Terminen ihre offenen Lehrstellen via virtuelle Lehrstellenbörse. Der nächste Termin in der Obersteiermark ist bereits in Planung und findet im März 2026 statt. Interessierte Jugendliche können so einfach und effizient Kontakt mit Betrieben in der Region aufnehmen und einen passenden Lehrplatz in ihrer Nähe finden. Die digitale Lehrstellenbörse ist erreichbar unter: jobboerse.wifionline.at