Die Wahl Pordenones zur italienischen Kulturhauptstadt 2027 war eine einstimmige. Mit dem Motto „eine Stadt, die überrascht“ sowie mit einer visionären Planung und einer gesunden Portion wirtschaftlicher Pragmatik hat sich die 52.000-Einwohner-Stadt den Zuschuss von einer Million Euro gesichert, der ihr nun ermöglicht, den geplanten Überraschungseffekt wirksam einzusetzen. Und damit hat Pordenone auch ein Stück Italien gewonnen, das nicht unbedingt daran gewöhnt ist, im Rampenlicht zu stehen. Die Ernennung richtet die Scheinwerfer auf das gesamte umliegende Gebiet und wird es selbigem ermöglichen, sein authentisches und vollständiges Gesicht zu zeigen: nicht nur ein Gesicht von Unternehmen und Wirtschaft, sondern das Gesicht einer Stadt, die eine außergewöhnliche kulturelle Vitalität besitzt.
Historische Schätze
Pordenone hat einiges herzuzeigen: seine Parks, die Adam-und-Eva-Brücke über den Fluss Noncello, ihre Plätze, von der Piazza San Marco bis zum Piazzale XX Settembre, einschließlich der Piazza della Motta, die seit dem Jahr 1400 ein Marktplatz ist. Auch die zahlreichen Kirchen zählen dazu, etwa der Dom San Marco Evangelista mit dem Altarbild von Giovanni Antonio de’ Sacchis, genannt „Il Pordenone“, die ehemalige Kirche San Francesco oder das einstige Dominikanerkloster, das seit 2010 die städtische Multimedia-Bibliothek beherbergt.
Hinzu kommen archäologische Schätze wie die römische Villa di Torre und die mittelalterliche Nekropole im Palazzo Ricchieri, heute Sitz des Museo Civico d’Arte. Eindrucksvoll sind auch die historischen Paläste entlang des Corso Vittorio Emanuele II und des Corso Garibaldi, das gotische Rathaus, der Palazzo Spelladi – heute die Galerie Harry Bertoia, benannt nach dem Designer und Bildhauer, der 1915 in der Nähe geboren wurde – sowie die ehemaligen Jugendstil-Badehäuser.
Ein Highlight ist das neue Teatro Comunale Giuseppe Verdi, das 1922 als Teatro Licinio eröffnet und 2005 umfassend renoviert wurde. Und nicht zuletzt der Palazzo del Fumetto, der 2023 in der Villa Galvani eröffnet wurde, sowie die multifunktionalen Räume des Cinemazero, Teil eines stadtweiten Regenerationsprojekts, und der neue Sportbereich Polo Young auf dem Gelände der ehemaligen Messe.
Die bemalte, kreative Stadt
Wegen ihrer zahlreichen freskenbemalten Gebäude, die entlang der Hauptstraße, die die Altstadt durchquert, bewundert werden können, wird Pordenone auch „die bemalte Stadt“ genannt. Die Buntheit beschränkt sich dabei nicht auf die Architektur oder auf die Kirchen und Museen. Pordenone ist heute ein lebendiges Zentrum kultureller Innovation – offen für die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft.
Künstlerische, musikalische und literarische Kreativität zeigt sich in zahlreichen international bedeutenden Veranstaltungen wie den Giornate del Cinema Muto (Stummfilmtage) oder dem Journalistenpreis „Le Voci dell’Inchiesta“. Das Stadtzentrum mit seinen Cafés, Konditoreien und eleganten Geschäften lädt ein zu entspannten Spaziergängen zwischen Kunst und Shopping.
Pordenone ist der Geburtsort des großen Renaissancemalers Giovanni Antonio de’ Sacchis, besser bekannt als „Il Pordenone“. Seine Werke sind im Markusdom und im städtischen Kunstmuseum im Palazzo Ricchieri zu bewundern – nahe dem eindrucksvollen gotischen Rathaus mit seiner Loggia.
Seit über 30 Jahren prägt zudem die Comicszene das kulturelle Leben der Stadt. Kein Zufall also, dass der Palazzo Arti Fumetto Friuli hier seine Homebase hat. Womit Pordenone der erste italienische Ort ist, der dem Comic gewidmet ist, und auch einer der wenigen seiner Art in Europa. Neben großen internationalen Ausstellungen finden hier auch lokale und experimentelle Projekte statt – lebendige, oft überraschende Kunsterfahrungen.
Auch im öffentlichen Raum entfaltet sich die Kreativität durchaus freizügig. Während des Lockdowns entstand im Viertel Torre das erste Wandbild: ein riesiger, verträumter Hund (E’ Torre). Es war der Auftakt für eine ganze Serie großflächiger Tiermotive, die verwahrloste Hauswände in lebendige Kunstwerke verwandelten. Die Murals von Torre wurden schnell zu einem Selfie-Hotspot – mit über 1,5 Millionen Aufrufen in den sozialen Medien.
Ein weiteres Highlight: das erste taktile, sensorische Wandbild Friaul-Julisch Venetiens, eines der wenigen seiner Art in Italien – ein Projekt, das Kunst buchstäblich begreifbar macht.