Die „Bremse“, von der Kurt Koleznik in diesem Kontext spricht, hat ausnahmsweise gar nichts mit der schleppenden Regierungsbildung zu tun. Vielmehr beklagt der Generalsekretär der Österreichischen Fachhochschul-Konferenz die chronisch mangelnde Empathie der Politik für die Situation der heimischen Fachhochschulen. Zufrieden ist Koleznik hingegen mit der stetig steigenden Zahl der Fachhochschul-Studierenden.

Die österreichischen Fachhochschulen haben nun 30 Jahre auf dem Buckel. Wie hat sich das Image der FHs in den vergangenen drei Jahrzehnten gewandelt?

Kurt Koleznik: Es hat sich weniger gewandelt als entwickelt. Die Fachhochschulen haben sich von Lehr- zu Forschungs­zentren entwickelt, die innovative Produkte und Dienstleistungen ­schaffen. Wir haben jährliche F&E-Umsätze von 250 Millionen Euro. Und das beeinflusst auch das Image: Im Herbst des vergangenen Jahres hat die APA-OGM eine Umfrage zum Vertrauensindex in Auftrag gegeben. Da ging es um das Vertrauen der Österreicher in heimische Institutionen. Und da belegten die Fachhochschulen Platz vier, weit vor den Universitäten. Das zeigt, dass wir auf dem ­richtigen Weg und in der Gesellschaft ­angekommen sind.

Wie stehen die FHs in der ­aktuellen Nachfrage verglichen mit ­Universitäten da?

Koleznik: An den Fachhochschulen hatten wir 2017 noch 51.500 Studierende, im Wintersemester 2023 waren es mehr als 59.000. Auf den Universitäten waren 2017 noch rund 287.000, und im Wintersemester 2023 waren es nur mehr rund 262.400. Das demografische Problem teilen wir natürlich mit den Universitäten. Umso wichtiger ist, dass Fachhochschulen auch berufs­tätigen Menschen bzw. auch Personen ohne klassische Matura ein Angebot machen. Es gibt auch einen hohen Anteil internationaler Studierender.

Kurt Koleznik, Generalsekretär der Österreichischen Fachhochschul-Konferenz
Kurt Koleznik, Generalsekretär der Österreichischen Fachhochschul-Konferenz © Aust

Was sind die aktuellsten Herausforderungen der österreichischen Fachhochschulen?

Koleznik: Derzeit erhalten Fachhochschulen lediglich ­Förderungen. Was wir ­bräuchten, wäre aber eine gesamthafte ­Finanzierung. Wir funktionieren nicht mehr nach der Logik von Studiengängen, für die wir noch gefördert werden. Wir funktionieren in der Logik der Hochschulen. So wie das aktuell läuft, ist das nicht zukunftsweisend.

Gibt es an den österreichischen Fachhochschulen KI-Studiengänge?

Koleznik: Wir werden einen ­Studiengang zu KI ­einführen, sobald es dazu am Markt eine ­konkrete Nachfrage gibt. Die ­ersten Unternehmen ­senden diesbezüglich bereits Signale. Bei der Forschung sind wir schon dran. Jetzt geht es darum, ein dazugehöriges Curriculum und ein entsprechendes Berufsbild zu schaffen. Das ist auch genau das, was Fachhochschulen machen: auszuloten, was die Wirtschaft braucht, und daraus ein akademisches und praxis­bezogenes Berufsbild zu erstellen. Also eine Verzahnung von Lehre, angewandter Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft.

Wie gut klappt die Zusammenarbeit mit den Universitäten? Nehmen diese die FHs angesichts der sinkenden Maturant:innen­zahlen als Konkurrenz wahr?

Koleznik: Universitäten und Fachhochschulen haben verschiedene Aufgaben und sprechen demnach auch unterschiedliche Interessen an. Wir bilden Menschen für die Wirtschaft aus, Unis bilden zu einem Großteil für sich selbst aus. Unser Fokus liegt auf anwendungsbezogener Forschung. Aber um auf die ­konkrete Frage zu antworten: Ja, Universitäten nehmen uns sicher als Konkurrenz wahr.

Wie sieht es mit dem von den FHs seit Langem geforderten Promotions­recht aus? Wann wird man an einer FH endlich auch einen Doktor machen können?

Koleznik: Die Politik steht diesbezüglich auf der Bremse. Da fehlt es an jeglicher Fantasie. Mit einem Promotionsrecht ­könnten wir die FH-Ausbildungen auf ein ganz neues Level heben. In Deutschland hat man das ­Potenzial erkannt, dort kann man an Fachhochschulen mittlerweile promovieren. Wir werden da den internationalen Anschluss ­verlieren.

Stichwort Politik: Der heimischen Wirtschaft geht es schlecht. Eine der Daseinsberechtigungen der Fachhochschulen ist ihre ­Relevanz für die Wirtschaft. Was ­würden Sie sich von der frisch angelobten Regierung diesbezüglich ­wünschen?

Koleznik: Ich setze große ­Hoffnungen in die neue ­Regierung! Momentan leiden wir an den Fachhochschulen unter einer chronischen Struktur­blockade. Die derzeitige kleinteilige Bürokratie steht uns im Weg. Die Blockade betrifft aber auch die vorher angesprochene mangelnde Finanzierung und das nicht vorhandene Promotionsrecht. Das muss sich dringend ändern. Die Politik sollte uns endlich einmal zuhören!