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SteiermarkNachhaltiges Bauen für Klimaneutralität

Wahl der Klimaschutzkriterien entscheidet bei Neubau und Sanierung für Jahrzehnte über den Energieverbrauch. Ein nachhaltiges Projekt soll die VS Reininghaus werden.

Energieeffizienz und Ökologie spielen für zukunftsfähiges Bauen eine große Rolle © Architektur Strobl / Friedrich Jamnig
 

Wenn es um die Themen Nachhaltigkeit und Klimaneutralität geht, spielt der Gebäudesektor eine zentrale Rolle. Sein Anteil am Energieverbrauch liegt in Österreich bei 35 Prozent. Plant oder saniert man ein Gebäude, egal ob Einfamilienhaus oder Großprojekt, entscheidet man daher über Jahrzehnte hinaus über den Energieverbrauch und CO2-Emissionen.

„Damit ein Projekt den Zielen und Anforderungen der Nachhaltigkeit und der Klimawirksamkeit tatsächlich gerecht werden kann, müssen entsprechende Kriterien in der Projektentwicklungsphase definiert und bis zum Projektende unabhängig begleitet und kontrolliert werden“, erklärt Gustav Spener, Präsident der Kammer der Ziviltechniker für Steiermark und Kärnten. Fundierte Machbarkeitsstudien durch unabhängige Planer würden dabei helfen, Gebäude in architektonischer Qualität und klima- und ressourcenschonend zu realisieren, ohne dabei die Wirtschaftlichkeit aus den Augen zu verlieren.

Ziviltechnik
Gustav Spener, Präsident der Ziviltechnikerkammer © Ziviltechnik

Kriterien für Nachhaltigkeit in der Projektentwicklungsphase definieren.

Gustav Spener, Präsident der Ziviltechnikerkammer

„Nachhaltig zu bauen ist eine bewusste Entscheidung“, erklärt Hans-Peter Weiss, Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), des größten Bauherren in Österreich. Für Neubauten und Sanierungen habe man deshalb einen verpflichtenden Kriterienkatalog definiert. „Mit diesem Nachhaltigkeitsstandard forcieren wir Klima- und Umweltschutzmaßnahmen im Gebäudebereich“, so Weiss.

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Hans-Peter Weiss, BIG-Geschäftsführer Foto © APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)

Nachhaltig zu bauen ist eine bewusste Entscheidung.

Hans-Peter Weiss, BIG-Geschäftsführer

Mit dem Holistic Building Program sei ein Tool entwickelt worden, welches Planung und Bau unterstütze, um mit dem jederzeit transparent dokumentiert werden könne, worin die nachhaltige Qualität eines Gebäudes besteht“. Es ginge aber nicht allein darum, bestimmte Kennwerte quantitativ messen und bewerten zu können.

Die Qualitätssicherung durch die Planungsqualität sei ausschlaggebend für den Erfolg eines Projektes und könne auch sicherstellen, dass für eine konkrete Bauaufgabe die tatsächlich beste Lösung gefunden wird, so Barbara Frediani-Gasser, Vizepräsidentin der Ziviltechnikerkammer.

Mit neuen Nachhaltigkeitsstandards werden Klima- und Umweltschutzmaßnahmen im Gebäudebereich forciert Foto © Christian Maurer - Fotolia


Das bestätigt auch der BIG-Geschäftsführer, denn am größten sei der Hebel in Bezug auf Energieeffizienz und Umweltschutz zu Beginn der Planung. „Der Architekturwettbewerb ist damit ein wirkungsvolles Instrument, um richtungsweisende Rahmenbedingungen festzulegen“, ist Weiss überzeugt.

Die Stadt Graz beispielsweise setzt mit dem 30 Millionen Euro dotierten Klimaschutzfonds aktiv zahlreiche Maßnahmen, um den Klimawandel zu bewältigen, und nimmt durch den Einsatz klimafreundlicher, nachhaltiger Baustandards eine Vorreiter- und Vorbildrolle ein, so Stadtbaudirektor Bertram Werle.

Angewandt werden diese aktuell bei Architekturwettbewerben der Feuerwache Ost am Dietrichsteinplatz und beim Neubau der Volksschule Reininghaus. „Nachhaltigkeitsziele, architektonische Freiheit und hohe Gestaltungsqualität schließen sich dabei nicht aus, sondern sollen sich zu einer herausragenden Baukultur verbinden, so Werle.

Programme, die Nachhaltigkeit planbar machen

In Österreich gibt es bereits mehrere Nachhaltigkeitsstandards und Bewertungssysteme für Gebäude, welche die Weichen für einen zukunftsfähigen und klimafreundlichen Bausektor stellen und klimaaktive Qualität messbar und transparent machen sollen.

So etwa das klimaaktiv-Programm („Klimaaktiv Bauen und Sanieren“) des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie oder das Holistic Building Program der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG).

Ziel dieser Programme ist es, attraktive Rahmenbedingungen für die rasche Verbreitung klimafreundlicher Bauweisen und Sanierungen zu schaffen. Beide Programme versuchen über Beurteilungskriterien den Lebenszyklus des Gebäudes mit ein zu beziehen – von der Planung über den Betrieb bis zum Abbruch eines Gebäudes.

Der Fokus liegt unter anderem auf Energieeffizienz und Ökologie, aber auch auf Planung und Ausführung (Luftdichtheit oder Reduktion von Wärmebrücken), einem geringen Energieverbrauch und weniger CO2-Emissionen sowie auf dem Ausschluss von klimaschädlichen Baustoffen.

Diese hohen Anforderungen sorgen dafür, so Gustav Spener, Präsident der Ziviltechnikerkammer für Steiermark und Kärnten, dass Gebäude geringe Treibhausgasemissionen aufweisen. Und Betrieb und Bewirtschaftung würden einen großen Teil der Lebenszykluskosten bei Gebäuden ausmachen.