Mit Rekordzahlen konnten Porsche-Vorstand und Porsche-Aufsichtsrat entspannt in die Hauptversammlung gehen – die erste nach dem spektakulären Börsengang, der Porsche im Volkswagen-Konzern neuen Freiraum brachte und den Familien Porsche/Piëch über eine komplexe Konstruktion wieder die Hoheit über das Unternehmen.

Die massiven Sicherheitsvorkehrungen, beginnend beim Flughafen Stuttgart, verhinderten gröbere Störungen der Hauptversammlung in der Porsche-Arena. So blieb es weitgehend ruhig: Klimakleber hatten sich vormittags vor der Halle am Asphalt festgeklebt, im Vorraum zur Porsche-Halle versuchte eine Frau einen Porsche mit Farbe zu beschütten und sich festzukleben, in der Halle selbst gab es nur zwei kurze Störfälle mit Zwischenrufen.

Aktivisten störten Porsche-Hauptversammlung
Aktivisten störten Porsche-Hauptversammlung © (c) APA/AFP/THOMAS KIENZLE (THOMAS KIENZLE)

Rekordzahlen

Die wichtigsten Zahlen und Fakten und Streitpunkte bei der Hauptversammlung:

+ Porsche schaffte den Einstieg in den DAX nach gerade einmal 81 Tagen.

+ Zum Börsenstart im Herbst haben mehr als 170.000 Privatanleger Aktien der Porsche AG gezeichnet. Und knapp die Hälfte davon hat zwischen 1 und 40 Aktien gekauft, also bis zu gut 3000 Euro investiert.

+ Der Börsengang 2022 im September war – gemessen an der Marktkapitalisierung – der größte in Europa aller Zeiten.

+ 2022 hat Porsche so viele Fahrzeuge wie nie ausgeliefert, nämlich 310.000. Der Konzernumsatz stieg auf 37,6 Milliarden Euro (plus 13,6 Prozent), unser operatives Konzernergebnis auf 6,8 Milliarden Euro (plus 27,4 Prozent mehr). Es ist das beste Porsche-Ergebnis der Geschichte, besser noch als in den legendären Jahren, in denen Porsche aufgrund von Finanzgeschäften mehr Gewinn als Umsatz machte. Porsche-AG-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume: "Die operative Konzernumsatzrendite konnten wir von 16 auf 18 Prozent erhöhen."

Renditenziel 20 Prozent

+ Der Porsche-Erfolg setzte sich im ersten Quartal 2023 fort: 81.000 Neufahrzeuge wurden ausgeliefert, so viele wie nie zuvor im Quartal. Umsatz und operatives Ergebnis stiegen deutlich – beide um mehr als ein Viertel. Der Umsatz auf 10,1 Milliarden Euro, das Ergebnis auf 1,84 Milliarden Euro. Das ergibt eine operative Konzernumsatzrendite von bereits 18,2 Prozent. Das langfristige Ziel liegt bei 20 Prozent.

+ Für das Geschäftsjahr 2022 wurde vorgeschlagen, eine Summe von 911 Millionen Euro als Dividende auszuschütten. Zuzüglich der Mehrdividende von rund 4,5 Millionen Euro für die Vorzugsaktien beträgt die Gesamtsumme rund 915,5 Millionen Euro. Pro Vorzugsaktie ergibt das eine Dividende von 1,01 Euro. Pro Stammaktie beläuft sich die Dividende auf 1,00 Euro. Auf mittlere Sicht strebt Porsche an, jedes Jahr rund die Hälfte unseres jeweiligen Konzernergebnisses nach Steuern als Dividende auszuschütten. Die Reaktion: ein Buhruf, leiser Applaus.

Spektakuläre Personalie

+ Spektakulär, aber erwartet ist eine Personalie: Der ehemalige Digitalchef von Daimler, wird Sajjad Khan, wird Digitalvorstand der Porsche AG. Angesichts der Softwareprobleme des VW Konzerns – der elektrische Macan kommt deshalb erst 2024 – ein längst notwendiger Schachzug.

Drei Punkte bei der Aktionärskritik

Bei den Reden der Aktionäre auf der Hauptversammlung kamen vor allem drei Kritikpunkte zur Sprache:

Erstens die Doppelrolle von Oliver Blume als Porsche-AG-Vorstandschef und als Volkswangen-Konzernlenker. "Wir sehen Ihre Doppelbelastung kritisch, zu welchem Kozern gehören Sie, sonst werden Sie aufgerieben", hieß es in einer Rede. Blume antworte sinngemäß, dass die Lösung alternativlos sei. Er brauche die Nähe zum operativen Geschäft bei Porsche, um bei Technik etc. am Puls der Zeit zu bleiben. Beide Unternehmen würden davon profitieren.

Zweitens die Dividendenhöhe bei den nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien. Mindestens zehn Cent Unterschied wird gefordert. "Wir haben die minimale Doppeldividende, ohne Stimmrecht, aber mit allen Risiken."

Drittens die Bevorzugung der Familien in der Konstruktion und im Aufsichtsrat, und dass im Aufsichtsrat zu wenige Experten ohne Zugehörigkeit der Familie wären. Porsche-AG-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche widersprach.