Der künftige Volkswagen-Chef Oliver Blume kann den Konzern mit einem verkleinerten Vorstand führen. Der Aufsichtsrat habe am Dienstagabend über eine neue Führungsstruktur beraten, durch die zwei Ressorts an der Konzernspitze wegfallen sollen, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Blume werde als Konzernchef den Vorstandsbereich weiterführen, zu dem der Sportwagenbauer Porsche gehört, dessen Börsengang vorbereitet wird. Dadurch verkleinert sich die unter seinem Vorgänger Herbert Diess auf zwölf Mitglieder angeschwollene Unternehmensführung auf neun Vorstandsposten. Volkswagen lehnte einen Kommentar zu den Informationen ab.

Ein weiterer Insider bestätigte die geplante Verkleinerung um drei Vorstandspositionen. Laut den Eingeweihten wurde die neue Struktur vom Aufsichtsrat noch nicht endgültig beschlossen. Mündliche Absprachen müssten noch schriftlich fixiert werden. Der bevorstehende Börsengang von Porsche sei nicht Thema der Aufsichtsratssitzung gewesen.

Blume löst Diess am Donnerstag an der Konzernspitze ab. Insidern zufolge will der 54-Jährige auf einer Management-Tagung dann seine Strategie und sein Führungsverständnis erläutern. Zu der Veranstaltung in Lissabon soll das weltweite Topmanagement zugeschaltet werden. Blume setzt laut Konzernkennern in der Unternehmensführung stärker auf Teamarbeit und Zusammenhalt als sein Vorgänger Diess, der nach gut vier Jahren abtritt. Er soll Volkswagen weiter beraten. Der neue Konzernchef soll den Wandel des Wolfsburger Konzerns zu einem führenden Anbieter von E-Autos und Mobilitätsdiensten vorantreiben, den Diess eingeleitet hat.

Einem der Eingeweihten zufolge sollen der von Murat Aksel geleitete Bereich Beschaffung und das Vertriebsressort von Hildegard Wortmann in einer Managementebene unterhalb des Konzernvorstands angesiedelt werden. Wortmann solle künftig an Markus Duesmann berichten, der im Konzernvorstand die Premiumgruppe mit Audi, Lamborghini, Bentley und Ducati leitet. Aksel solle an Thomas Schäfer berichten, der für die wichtige Markengruppe Volumen aus VW-Pkw, Skoda, Seat/Cupra und die VW-Transportersparte zuständig ist. Das Produktionsressort, das Blume bisher mit führte, soll ebenfalls zu Schäfer wandern.

Blume soll VW- und Porsche-Chef bleiben

Damit soll der neue Konzernchef mehr Freiraum für seine Aufgaben an der Unternehmensspitze bekommen. Um das Pensum als Konzern- und Porsche-Chef zu schaffen, sollen ihm die Finanzvorstände Antlitz bei Volkswagen und Lutz Meschke bei Porsche zur Seite stehen. Blume soll auch nach dem geplanten Börsengang von Porsche Chef des zu Volkswagen gehörenden Sportwagenbauers bleiben.

Zu Blumes Kernteam werden neben Finanzvorstand Arno Antlitz, Audi-Chef Duesmann, Personal- und Truck-Vorstand Gunnar Kilian, Chefjurist Manfred Döss und Thomas Schäfer gerechnet. Zur obersten Führungsebene gehören ferner China-Chef Ralf Brandstätter, Technik-Vorstand Thomas Schmall und IT-Chefin Hauke Stars. Reuters hatte Anfang August über den bevorstehenden Vorstandsumbau berichtet.