Rewe, Hofer & Co.Große Lebensmittelhändler wollen Einwegpfand

Verpflichtung für die Getränkeindustrie zur Einhebung eines Einwegpfandes ab 1. Jänner 2025 für PET- und Aluminium-Gebinde. Lebensmittelhändler stehen hinter der Entscheidung, Spar setzt außerdem vermehrt auf Mehrweg-Lösungen.

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Pfand-Initiative des Handels soll Konsumenten die Wahl erleichtern
Pfand-Initiative des Handels soll Konsumenten die Wahl erleichtern © contrastwerkstatt - stock.adobe.
 

Die REWE Group, Hofer, Lidl Österreich haben sich am Freitag gemeinsam mit der Getränkeindustrie für Einwegpfand und die verpflichtende Einführung von Mehrweg ausgesprochen. Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) sprach von einem "guten und vernünftigen" Schritt. "Ich stehe für Gespräche über eine Gesamtlösung jederzeit zur Verfügung", so die Ministerin. Einzig die Wirtschaftskammer (WKÖ) kritisierte eine "Mehrbelastungen für kleine Lebensmittelhändler durch Einwegpfand".

Der aktuelle Entwurf zur Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes sehe den Unternehmen zufolge lediglich eine Mehrweg-Quote für den Lebensmittelhandel vor. Zur Erreichung der EU-Ziele und für die Umwelt brauche es aber zusätzliche Lösungen, hieß es ein einer gemeinsamen Aussendung der Supermarktketten.

Neben der verpflichtenden, gestaffelten Einführung von Mehrweg ab 1. Jänner 2024 im kompletten Lebensmittelhandel inklusive Diskont sieht der Vorschlag auch eine Verpflichtung für die Getränkeindustrie vor, ab 1. Jänner 2025 für PET- und Aluminium-Gebinde Einwegpfand einzuheben. Gleichzeitig verpflichten sich REWE, Hofer und Lidl Österreich "im Schulterschluss mit der Getränkeindustrie" freiwillig dazu, diese Gebinde in den Filialen mit mehr als 400 Quadratmeter Verkaufsfläche zurückzunehmen.

Drohende EU-Strafzahlungen

REWE Group, Hofer, Lidl Österreich und große Teile der Getränkeindustrie sahen in dem alternativen Vorschlag "eine Gesamtlösung mit Weitblick, die nicht nur dem Gebot der Stunde hinsichtlich Umwelt- und Klimaschutz entspricht, sondern allen Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette auch die unbedingt notwendige Planungssicherheit verschafft". Zudem reduziere die Lösung die Gefahr von drohenden EU Strafzahlungen in Millionenhöhe, sollten die auf EU Ebene vereinbarten Sammel- und Recyclingquoten nicht eingehalten werden können.

Die Lebensmittelkette SPAR verwies darauf, heute das größte Mehrweg-Getränkesortiment im heimischen Lebensmittelhandel zu haben. Daher hätte sich das Unternehmen in der zuletzt geführten Diskussion für eine hohe Mehrweg-Quote starkgemacht. "SPAR ist weiterhin davon überzeugt, dass es eine Gesamtlösung für alle Kunststoffverpackungen braucht, um die ambitionierten EU-Sammelquoten zu erreichen. Ein für die Konsumenten unpraktisches und teures Einweg-Pfandsystem deckt aber nur einen Teil davon ab", hieß es in einer Aussendung. Sollte ein Einweg-Pfand beschlossen werden, "wird SPAR dies selbstverständlich bestens umsetzen".

"Vernünftiger und guter Schritt"

"Der heutige Vorstoß von Lebensmittelhändlern und der Getränkeindustrie ist ein vernünftiger und guter Schritt. Wir werden im Klimaschutzministerium mit der Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes rasch dafür sorgen, dass wir unsere Natur schützen und den Plastikmüll reduzieren. Ich stehe für Gespräche über eine Gesamtlösung jederzeit zur Verfügung. Mein wichtigstes Ziel ist, dass wir rasch zu einer Lösung kommen. Das ist die Aufgabe von Politik und Wirtschaft. Und genau das erwarten die Menschen in Österreich von uns", reagierte Umweltministerin Gewessler.

Die Altstoff Recycling Austria AG (ARA), heimischer Marktführer der Sammel- und Verwertungssysteme, begrüßte die Forderung "mit Erleichterung". "Wir brauchen endlich einen klaren Rechtsrahmen, um in die Zukunft von Verpackungssammlung und Recycling zu starten. Wir müssen bis 2025 das Recycling aller Kunststoffverpackungen verdoppeln. Dazu wollen wir jede Verpackung zurück, denn das Ziel geht weit über Getränkeflaschen hinaus", betonte ARA Vorstand Christoph Scharff.

"Wir versinken im Plastikmüll"

Auch die ARGE österreichischer Abfallwirtschaftsverbände begrüßte in einer Aussendung die Pfand-Initiative des Handels. Hier würde "erstmals die seit 1995 ablehnende Haltung der 'Wirtschaft' zu verpflichtenden Mehrwegquoten" verlassen werden. "Ob als Reaktion auf ein geändertes Konsumentenverhalten oder auf gesetzlich drohende Beschränkungen, ist im Endeffekt gleichgültig, Hauptsache weniger Ressourcen werden verbraucht und weniger Abfälle fallen an", hieß es.

Erfreut reagierten auch Umwelt-NGOs. Greenpeace begrüßte das Signal der Unternehmen und forderte "gleichzeitig die ÖVP auf, jetzt ein starkes Abfallwirtschaftsgesetz (AWG) mit hohen Mehrwegquoten für alle Getränke und ein Pfandsystem im Jahr 2022 umzusetzen". "Wir versinken im Plastikmüll. Es ist daher erfreulich, dass jetzt auch endlich die Wirtschaft gesetzliche Maßnahmen fordert, um die Plastikkrise einzudämmen", sagt Lisa Panhuber Konsumexpertin bei Greenpeace in Österreich. In Umfragen würden sich zudem sich 87 Prozent der Bürger und Bürgerinnen für Mehrweg und Pfand aus. Auch Global 2000 und der WWF Österreich äußerten Zustimmung für die Ankündigung.

"Teuer und kompliziert"

Der Lebensmittelhandel unterstütze das Ziel von Gewessler, den Mehrweganteil in Österreich weiter zu steigern, um Abfall zu vermeiden, hielt die Wirtschaftskammer in einer Aussendung fest. Aber: "Für die gleichzeitig erforderliche Steigerung der Sammelquoten für PET-Flaschen sprechen wir uns für ein ganzheitliches Kreislaufkonzept aus, das nicht nur für große Unternehmen, sondern auch für die Tausenden kleinen, selbständigen Kaufleute in Österreich tragfähig ist", betonte Christian Prauchner, Obmann des Lebensmittelhandels in der WKÖ. "Die Einführung eines teuren und komplizierten Einwegpfandsystems im stationären Handel wäre insbesondere für kleine, selbständige Lebensmittelhändler mit massiven Mehrbelastungen und Wettbewerbsnachteilen gegenüber großen Mitbewerbern verbunden. Einem politischen Abtausch auf Kosten kleiner Händler werden wir daher nicht zustimmen", sagte er.

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Danke für Ihr Verständnis.

Klaus S.
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Einwegpfand in der Zielgeraden


Interessant ist allerdings die Entstehung des Einwegpfandes. Die Wirtschaftskammer hat das Vorhaben so heftig bekämpft, angeblich im Namen ihrer Zwangsmitglieder, dass man meinen konnte, eine echte Rezession stehe vor der Tür.
Jetzt frage ich mich allerdings, wie abgehoben von jeglicher Realität sind diese Kammerfunktionäreundinnen? Wie kann es sein, dass die eigenen Mitglieder die Kammer rechts überholen, damit nebenbei den Nutzen der Wirtschaftsvertreter ad absurdum führen und auch noch eine Gesetzeswerdung bewirken, die ein echtes Plus für die Umwelt bedeutet.
Leider ist die WK aber auch die AK so wettbewerbsscheu, dass sie sich lieber verfassungsmäßig verankern haben lassen, als am freien Markt bestehen zu wollen. Aber die Hoffnung, eh schon wissen…. .

Sabine19666
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Warum so spät

Wenn die 3 Handelsketten mitmachen und die Abfüller das wollen, kann das System in 12 -18 Monaten smooth laufen - was dauert bis 2025
Oder ist es nur eine Nebegranate?

hansi01
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Pfand ist eine gute Idee

Aber warum fängt man beim Schwanz und nicht beim Kopf an? Einweg und Plastikverpackungen einfach verbieten. Denn auvh wenn der Endkunde alles richtig sammelt und zurück bring, bleibt der Plastikmüllberg gleich groß

Edlwer
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Die grossen wollen die Rücknahmestationen...

... damit die Kunden zu denen gehen müssen, und dann auch dort einkaufen.
Die Kleine werdn noch mehr unter Druck gesetzt.
Den kleinen Märkten sollten Förderungen bei der Rücknahme gewährt werden. Und die Sonderflaschen wie von Spar müssten reduziert werden....
...oder zumindest sichergestellt werden dass auch andere Märkte diese vergütet kriegen, wenn sie diese zurücknehmen!!

gRADsFan
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@KLZ: Der Titel ist irreführend

SPAR blockiert nach wie vor.... nur Rewe, Hofer & Lidl sind vorgeprescht

melahide
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Ist nicht

Spar auch an der ARA beteiligt, die ja auch dagegen ist? Ein Recycling-Unternehmen das gegen Recycling ist? Das gibt es auch nur in Österreich! Wirtschaftskammer blockiert ja auch. Deshalb ist die ÖVP auch dagegen. Ich frag mich immer - das die Wirtschaftskammer dagegen ist, ok, die müssen ihr Klientel vertreten. Das der Bundesbasti aber dagegen ist… find ich eigenartig. Ein Kanzler muss die Interessen aller unter einen Hut bringen

adidasler
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genau melahide...

...die "interessen aller" bedeutet halt nicht nur die interessen der größten marktführer wie rewe, spar, hofer & lidl, die mit ihrem vorschlag den kleinen einen weiteren todesstoß versetzen wollen um noch ein paar prozent marktanteil zu ergattern!!!

Kleine Zeitung
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Lieber gRADsFan

Herzlichen Dank für den Hinweis. Der Artikel wurde aktualisiert.
Mit freundlichen Grüßen

Alfa166
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Ich verstehe das Ganze nicht, wir zahlen mit dem Kaufpreis schon die Entsorgung

Mit dem gelben Sack mit und jetzt sollen wir da nochmals extra was zahlen?

melahide
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Da

Hat einer das Pfandsystem ja einwandfrei verstanden …

Alfa166
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Natürlich verstehe ich was ein pfandsystem ist,

Nur würde dann höchstwahrscheinlich zu wenig Kunststoff Müll übrig bleiben, um die Entsorgung noch so wie zurzeit möglich zu machen. Sprich es würde dann in naher Zukunft nicht nur mehr rein Restmüll zahlungspflichtig abgeholt werden, sondern der Kunststoff auch... Das ist meine Sorge.

adidasler
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Alfa166, glaub mir....

....auf dieser welt zahlst du immer, ob es jetzt über eine zugewiesene gebühr erfolgt oder eine allgemeine steuer ist doch egal - meist zahlst sogar doppelt und 3fach - und so wird's auch hier kommen!!
Der Mensch ist ja nur so gscheit, dass er wirklich glaubt, dass auch zB die Impfung gratis ist!!!

Robinhood
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Ist ja eh klar

Damit zahlt der Konsument und der zahlt immer. Außerdem ist er das wichtigste Glied in der Sammelkette und Kreislaufwirtschaft.

Hapi67
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Der einzige Verhinderer

sind wieder mal die türkisen Nichtstuer und die WKO.

Peinlicher geht's nimmer-Türkis betreibt reine Arbeitsverweigerung.

Vielen Dank

melahide
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Aha

Also der Handel will es. Die Grünen wollen es. Ein großer Teil der Bevölkerung will es auch. Warum sagt dann die ÖVP, dass wir das nicht brauchen?