Zinssitzung nächste WocheEZB: Tempo der Anleihenkäufe könnte gedrosselt werden

EZB-Ratssitzung am nächsten Donnerstag: Rund 60 Prozent der befragten Volkswirte rechnen damit, dass die Kaufgeschwindigkeit ab dem nächsten Quartal herabgesetzt wird.

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© (c) AP (Michael Probst)
 

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird einer Umfrage unter Volkswirten zufolge das Tempo ihrer großangelegten Notfall-Anleihenkäufe auf ihrer Zinssitzung kommende Woche verringern. Rund 60 Prozent der befragten Volkswirte, 25 von 42 Ökonomen, rechnen damit, dass die Kaufgeschwindigkeit ab dem nächsten Quartal herabgesetzt wird, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Reuters-Umfrage unter Volkswirten hervorgeht.

17 Experten erwarteten dagegen, dass die EZB ihr zuletzt "deutlich höheres" Tempo der Käufe beibehalten wird. Mit einer nochmaligen Erhöhung des Tempos rechnete keiner der Befragten. Die nächste Zinssitzung findet nächsten Donnerstag statt.

Der Gouverneur der Nationalbank und EZB-Ratsmitglied, Robert Holzmann, hatte sich am Dienstag dieser Woche im Gespräch mit der APA für ein Abschmelzen ausgesprochen. "Nachdem die aktuellste Inflationsinformation für August in der Eurozone 3,0 Prozent beträgt, kann man über ein Auslaufen des PEPP-Programms nachdenken." Bei anhaltender wirtschaftlicher Erholung solle dieses Programm wie geplant Ende März 2022 auslaufen. "Die Käufe dazu im heurigen letzten Vierteljahr könnten zurückgefahren werden. So würde man am Ende auch einen Klippeneffekt vermeiden."

Monatlich etwa 80 Milliarden Euro

Die Notfall-Anleihenkäufe des "PEPP" getauften Programms sind gegenwärtig eines der zentralen Instrumente der Euro-Notenbank im Kampf gegen die ökonomischen Folgen der Viruspandemie. Zuletzt erwarben die Euro-Wächter im Rahmen des Programms Staatsanleihen, Firmenanleihen und andere Wertpapiere im Umfang von monatlich etwa 80 Milliarden Euro. Bisherigen Planungen zufolge sind die Käufe auf insgesamt 1,85 Billionen Euro angelegt und sie sollen noch bis mindestens Ende März 2022 fortgesetzt werden.

Der Umfrage zufolge wird mit einer Reduzierung der PEPP-Käufe auf 70 Milliarden Euro im Monat gerechnet. Dies war der mittlere Wert (Median) unter 33 Antworten. Zudem rechnete eine deutliche Mehrheit der Volkswirte damit, dass die PEPP-Käufe wie bisher anvisiert im März 2022 enden. Allerdings rechnen über 70 Prozent damit, 29 von 40 Ökonomen, dass es mehr als zwei Jahre dauern wird, bis die EZB alle ihre Anleihenkäufe einstellt. Sechs Volkswirte rechneten mit mehr als fünf Jahren. Drei Volkswirte gingen sogar davon aus, dass die Käufe niemals beendet werden.

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