Handelsgeschichte Heute vor 250 Jahren wurde erstmals an der Wiener Börse gehandelt

Initiiert von Kaiserin Maria Theresia, erfolgte an der Wiener Börse am 2. September 1771 der Handelsstart. Heute, am Jubiläumstag, läutete Ferdinand Habsburg-Lothringen die Börsenglocke.

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Das alte Börsenparkett in der Wiener Ringstraße
Das alte Börsenparkett in der Wiener Ringstraße © Wiener Börse
 

Die Wiener Börse feiert heute ihr 250-jähriges Jubiläum: Der erste Handelstag - initiiert von der damaligen Kaiserin Maria Theresia - fand am 2. September 1771 statt. Ferdinand Habsburg-Lothringen, Nachkomme von Maria Theresia und Rennfahrer, läutete Donnerstagfrüh in der Börse den Handel ein. "Es ist mir eine besondere Ehre, heute die Börsenglocke zu läuten und mit ihr den Start in die nächsten 250 Jahre", sagte Habsburg-Lothringen.

Wiener-Börse-Chef Christoph Boschan warb für die Vorzüge von Aktien und Anleihen. "Industrienationen, die den Kapitalmarkt zu nutzen wissen, werden schneller und nachhaltiger wachsen. Gleichzeitig erhalten die Bürger die Möglichkeit ihr Kapital in innovative Unternehmen zu investieren", sagte der Börsenvorstand anlässlich des Jubiläums. "Das Wissen darüber sollte der künftigen Anleger-Generation in die Schultüte gepackt werden. Denn Wissen um den Aktienmarkt darf kein Eliten-Thema bleiben."

Andrea Herrmann (CFO Wiener Börse), Ferdinand Habsburg-Lothringen (Rennfahrer und Maria Theresia-Nachfahre) und Christoph Boschan (CEO Wiener Börse)
Andrea Herrmann (CFO Wiener Börse), Ferdinand Habsburg-Lothringen (Rennfahrer und Maria Theresia-Nachfahre) und Christoph Boschan (CEO Wiener Börse) Foto © Wiener Börse

Erste Bemühungen zur Gründung einer Börse in Wien gab es im Jahr 1761. Zehn Jahre später erließ Maria Theresia am 1. August 1771 per Patent die Eröffnung einer staatlichen Börse, ein Monat später erfolgte der Start. Zu Beginn wurden Anleihen, Wechsel und Devisen gehandelt. Die erste Börse residierte am Kohlmarkt. Von dort ist sie seitdem rund 15 Mal umgezogen.

Mit der Oesterreichischen Nationalbank notierte ab 1818 die erste Aktie in Wien. 1863 kam es mit der „Suezkanalgesellschaft“ zur ersten Auslandsnotiz an der Wiener Börse, seit 1869 können Anleger in Porr- und Wienerberger-Aktien investieren, die ältesten durchgehend notierten Gesellschaften an der Wiener Börse.

Eine besonders liberale Wirtschaftspolitik begünstigte Ende des 19. Jahrhunderts unsolide Unternehmensgründungen. Eine Spekulationswelle endete schließlich am 9. Mai 1873 mit dem Wiener Börsenkrach. Etwa die Hälfte der Aktiengesellschaften verschwand wieder vom Kursblatt.

Großbrand, Umsiedelung und der ATX

Am 13. April 1956 zerstörte ein Großbrand das Börsengebäude und dabei insbesondere einen der schönsten Wertpapierbörsensäle. Im Dezember wurde wieder eröffnet. Im Jänner 1998 übersiedelte die Wiener Börse vom historischen Börsengebäude am Schottenring in die Räumlichkeiten der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB). Heute hat die Börse ihren Sitz im Palais Caprara-Geymüller in der Wallnerstraße 8 im ersten Wiener Gemeindebezirk.

Im Mai 1991 startete der österreichische Aktien-Leitindex ATX und es wurde zunehmend elektronisch gehandelt. Seit der Einführung von Xetra im Jahr 1999 wird der Handel an der Wiener Börse komplett digital abgewickelt.

1771 gründete Maria Theresia die Wiener Börse als Zwangsbörse zur staatlichen Kapitalaufbringung nach französischem Vorbild
1771 gründete Maria Theresia die Wiener Börse als Zwangsbörse zur staatlichen Kapitalaufbringung nach französischem Vorbild Foto © Wiener Börse

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