"Hohe Erwartungen"Gewerkschaft vor Herbstlohnrunde: "Es muss ordentlich rascheln"

PRO-GE-Chef Wimmer: Industrie-Obmann Knill dämpft Erwartungen. Wifo-Leiter Badelt: Arbeitnehmer heuer in stärkerer Position bei Lohnrunden.

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Rainer Wimmer, Chef der Produktionsgewerkschaft PRO-GE: "Die Auftragsbücher der Unternehmen seien gut gefüllt"
Rainer Wimmer, Chef der Produktionsgewerkschaft PRO-GE: "Die Auftragsbücher der Unternehmen seien gut gefüllt" © APA/ROBERT JAEGER
 

Die Metallgewerkschafter gehen "mit hohen Erwartungen" in die Herbstlohnrunde und peilen laut Rainer Wimmer, dem Chef der Produktionsgewerkschaft PRO-GE, einen Abschluss an, "bei dem es ordentlich rascheln muss". Gegenüber den "SN" verwies er auf die Erholung der Wirtschaft: Die Auftragsbücher der Unternehmen seien gut gefüllt. Ähnlich klingt auch ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian im Interview mit der Kleinen Zeitung. Und die Aussichten für 2022 seien noch besser, so Wimmer. Dem widerspricht die Arbeitgeberseite. Startschuss ist am 23. September.

Die PRO-GE verweist darauf, dass man im Vorjahr mit dem moderaten Abschluss in der Höhe der damals zugrunde gelegenen Inflation von 1,45 Prozent Verantwortung bewiesen habe, heuer müsse es einen deutlichen Reallohnzuwachs geben. Im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate seien es aktuell 1,7 Prozent, heißt es in dem Bericht. Allerdings verweisen Experten, etwa Josef Baumgartner vom Wifo, darauf, dass die bei 2,2 Prozent für heuer und 2,0 Prozent für 2022 liegenden Jahresdurchschnitts-Inflationserwartungen der Institute wohl nicht zu halten sein werden, sondern erhöht werden müssen.

Knill dämpft Erwartungen der Gewerkschaft

Arbeitgebervertreter Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), dämpft in den "SN" jedenfalls die Erwartungen der Gewerkschaft: Man könne noch nicht von einem breiten Aufschwung reden, im besten Fall erreiche man wieder das Niveau von 2019. Man sollte daher "auf dem Boden der Realität bleiben", so Knill. Er verweist darauf, dass viele Unternehmen mit hohen Preisen für Vormaterialien konfrontiert seien, auch in den Lieferketten stocke immer noch der Nachschub. Zudem verweist Knill auf die in Österreich relativ hohen Lohnstückkosten, man müsse daher darauf achten, die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden.

Nach Meinung von Wifo-Chef Christoph Badelt befindet sich die Arbeitnehmerseite bei den bevorstehenden Lohnrunden in einer stärkeren Position als in den letzten Jahren. Einerseits sei die Inflation höher, es seien aber auch die Reallohnerhöhungen in den letzten Jahren kleiner gewesen als die Produktivitätssteigerungen. "Das heißt ich rechne schon mit höheren Lohnrunden", sagte Badelt am Sonntagabend in der ZiB 2 des ORF-Fernsehens. Das müsse jedoch nicht zu einer galoppierenden Inflation führen, wenn man hier mit Maß und Ziel ans Werk gehe.

Elemente einer Lohn-Preis-Spirale

Durchaus die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale sieht dagegen der Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV), Christian Helmenstein. Er hält die Gründe für die momentan hohe Inflationsrate nicht nur für vorübergehend, etwa was Material- und Transportkosten angeht. "Da sehe ich schon Elemente einer Lohn-Preis-Spirale auf uns zukommen", meinte er zur "Presse": "Das wird auch Gegenstand der Kollektivvertragsverhandlungen im Herbst und im Frühjahr sein."

"Entscheidung zwischen den Sozialpartnern"

Die Lohnabschlüsse würden wohl höher sein als die 1,45 Prozent vom Vorjahr, meinte Wifo-Chef Badelt im Fernsehen auf eine Frage, wollte sich aber nicht genauer festlegen, "weil der Wirtschaftsforscher sich hier heraushält". Das müsse politisch zwischen den Sozialpartnern entschieden werden, meinte der Wifo-Chef, dem mit Anfang Oktober am Wirtschaftsforschungsinstitut der aus Österreich stammende Ökonom Gabriel Felbermayr, derzeit Präsident am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, nachfolgt.

"Schuldenberg abbauen ist kein Problem"

Sollte es im Herbst noch einmal zu einem Corona-Lockdown kommen, was er nicht hoffe, werde man die betroffenen Unternehmen und Beschäftigten wieder unterstützen müssen, sagte Badelt, der auch Präsident des Fiskalrats ist. Österreich werde sich das leisten müssen: "Ich glaube, es bleibt uns gar nichts anderes übrig. Wir haben Gott sei Dank vor der Coronakrise sehr gute Staatsfinanzen gehabt." Später den Schuldenberg abzubauen, sei kein Problem. "Das wirkliche Problem ist, dass wir zusätzliches Geld für Investitionen im Klimabereich, in der Pflege brauchen, dass die Pensionen mehr Geld brauchen und dergleichen mehr. Und da wird es dann schwierig sein, politische Kompromisse zu finden."

Kommentare (13)
Kariernst
1
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Die Jammerer

Es fängt schon wieder an denn die Arbeitgeber üben sich schon im Jammern Standort und Lohnnebenkosten und so fort und übersehen wie immer dass es ohne die Menschen die arbeiten nicht zu erzeugen und verdienen gäbe.
Bin gespannt denn bei der hohen Inflation und der anhaltenden Krise wieviel der Mensch den Unternehmern wert ist.

DergeerdeteSteirer
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Auf einer Seite gebe ich Hrn. Knill da schon meinen Zuspruch mit dem Argument ............ "die in Österreich relativ hohen Lohnstückkosten, man müsse daher darauf achten, die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden"...............


Es hat es in sich wenn es wie die "Milchmännchenrechnung" oder wie das "eins plus eins" gerechnet wird !!
Nach jeder Lohnerhöhung werden ca. 3 Monate später eben auch waren teurer, darum ist es wichtiger die Wirtschaftsfähigkeit und die Arbeitsplätze zu stabilisieren, der Trugschluß von mehr Geld im Börserl kann schneller nach hinten losgehen als man sich versieht !!
Darum schön am Boden der Realität bleiben, dies gilt für jeden, für Arbeitgeber und für jeden Arbeitnehmer !!

petera
3
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Man wird nun wohl sehen

was die Fachkräfte den AGern Wert sind.

petera
3
7
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Man wird nun wohl sehen

was die Fachkräfte den AGern Wert sind.

merch
3
6
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...

Es wäre schöner, würde sich die Gewerkschaft um die schlechter verdienenden Branchen kümmern. Ein Trauerspiel, wenn tatsächlich der Metaller KV immer der "Leitindex" wäre.....

RonaldMessics
6
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Ist das verhandeln...

...um 0,2 Prozent wichtig oder unwichtig.

Für alle jene, die sich gerne mit Mathe und der Zinseszinsrechnung auseinandersetzen wollen, das ist eine gute Übung fürs Excel. Nicht politisch, sondern faktisch. Spaßhalber soll man die 0,2 % am Anfang eines Arbeitslebens, dann mit der Tatsache, dass diese 0,2% alle Jahre fehlen.
Ergebnis täte mich interessieren, nicht das politische Hickhack von Usern dieses Forums.

Balrog206
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Jedes

Jahr das selbe Wortspiel !!! Stimmt einmal im Jahr müssen sie dich ja unentbehrlich machen !

stress
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andaman

Balrog206 du meinst sicher die Unternehmer,

Kariernst
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Bitte

Lerne zu erst Deutsch und die Rechtschreibung Danke

Balrog206
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Und Ernst

Zu meiner Aussage hast übrigens nichts gesagt! Bezeichnend

Balrog206
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Ernst

So lange ich hohe Steuern zahle sollte dir meine Rechtschreibung ( am tel ) nicht so wichtig sein ! Die Aussage zählt nicht ob Pkt u schreibe passt !

Kariernst
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Armer Mensch

Dann mach du dich doch wichtig und verhandle deine Lohnerhöhung selber und gleich für ganz Österreich mit.
Der einzige der sich wichtig nimmt bist du

Balrog206
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Tja

Jedes Jahr Inflationsrate plus einen % Satz X dazu ! Was anderes machen die , die es rascheln lassen nicht !
Solche Regelungen könnten auch automatisch erfolgen ohne gratis essen und unnötiges Gepolter in den Medien ! Natürlich , wäre ich auch abhängig in dem System würde ich auch so schreiben wie ihr ! Die Sozialpartner did glauben wie früher der Regierung sagen zu müssen was did zu tun haben braucht kein Mensch mehr und ich meine beide damit ! Wenn ihr so unentbehrlich seit warum gibt es zig Kv von Berufsgruppen deren Löhne viel zu niedrig sind ( Pflege gastro zb ?) Veränderungen huuuu ja nicht muß alles so bleiben wie es ist , nur so gehts 🙈