Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Aufwertungen im Fokus Was hinter Benkos großen Immo-Gewinnen steckt

Rene Benko gilt als Self-Made-Milliardär. Eine Analyse seiner Geschäfte zeigt nun Schwächen des Systems Benko auf.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Der Immobilientycoon Rene Benko
Der Immobilientycoon Rene Benko © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Der Aufstieg von Rene Benko zu einem Immobilientycoon klingt wie die Geschichte des amerikanischen Traums. Bereits in der Schulzeit begann der Tiroler damit alte Dachböden in Innsbruck zu Luxus-Appartements umzubauen. Und das so erfolgreich, dass er auf die Matura verzichtete und offiziell als Schulabbrecher gilt.

2001 wurde dann der Tiroler Tankstellen-Betreiber Karl Kovarik auf Benkos Geschäftstalent aufmerksam und gab ihm das Startkapital für den Aufbau der Signa-Gruppe. Nach und nach kam eine Immobilie nach der anderen ins Portfolio. Über die Grenzen Österreichs bekannt wurde Benko 2013 mit dem Kauf des berühmten "Kaufhaus-des-Westens" in Berlin.

Ein Jahr später wanderten die Karstadt-Kaufhäuser in Deutschland ins Portfolio. 2018 übernahm Signa auch die Kaufhäuser der Galeria/Kaufhof und fusionierte die beiden deutschen Handelsketten. Im selben Jahr übernahm Benko die Kontrolle beim Möbelkonzern Kika/Leiner. Dazu kam eine Minderheitsbeteiligung an den Tageszeitungen Krone und Kurier. Und mit dem Kauf des ikonischen Chrysler-Buildings in New York schaffte Benko einen medienwirksamen Einstieg in den US-Immobilienmarkt.

Gewinne am Papier

Insgesamt wird das Portfolio der Signa-Gruppe inzwischen auf rund 18,7 Milliarden Euro geschätzt. Doch eine Analyse des Börsendienstes Bloomberg weckt erstmals Zweifel an der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells des Benko-Konzerns. Denn hinter den großen Gewinnen der Signa stecken vor allem Aufwertungen der Immobilien.

Aufwertung

In der Bilanz eines Unternehmens sind sämtliche Vermögenswerte aufgelistet, nicht nur das flüssige Geld. Der Wert von Sachanlagen verändert sich allerdings. Während Maschinen meist mit der Zeit weniger Wert werden, ist es bei Immobilien eher das Gegenteil.

Steigt beispielsweise der Wert einer Immobilie innerhalb eines Jahres um fünf Prozent, kann man diesen Zuwachs als Gewinn in der Bilanz verbuchen. Das Unternehmen wird dadurch mehr Wert.

So hat laut Bloomberg das Premium-Segment, Signa Prime Selection, den Wert ihrer Immobilien im Krisenjahr 2020 um zehn Prozent erhöht und damit am Papier für gute Gewinne gesorgt. Eine Analyse der Geschäftszahlen der vergangenen Jahre zeigt, dass dieses Vorgehen System hat. Denn die Aufwertungsgewinne lagen regelmäßig über den Einnahmen aus der Vermietung. Was noch mehr Auffällt: Die Dividenden, also die Auszahlungen an die Aktionäre, überstieg jedes Jahr die eigentlichen Einnahmen, das EBITDA, des Signa-Immobilienimperiums.

Die Coronakrise hat dieses Modell nun ins Wanken gebracht. Denn die Einnahmen aus dem Handel sind eingebrochen, Innenstadt-Geschäfte sind verwaist. Schlechte Voraussetzungen für Unternehmen, die sich genau auf dieses Geschäft spezialisiert haben. Tatsächlich schickte Benko seine deutschen Kaufhäuser im Vorjahr in die Insolvenz. Doch die Entschuldung reichte nicht aus. Nur Staatskredite halten die Kaufhaus-Kette am Leben.

Unter Beobachtung

Doch schon zuvor gab es Signale, die am Modell Benko zweifeln ließen. So hat die österreichische Finanzmarktaufsicht im Jahr 2019 gegenüber der Raiffeisenbank International Bedenken über die Kreditlinien für Signa Prime geäußert. Die internen Finanzierungsgrenzen seien neunmal überschritten worden. Heuer gab das Finanzministerium bekannt, die systemischen Risken der Finanzierung von Geschäftsimmobilien genau zu beobachten.

Benko gibt sich laut Bloomberg hingegen gelassen. Noch im November soll er in Lech seine Projekte für die kommenden Jahre präsentiert haben mit dem Volumen von zwölf Milliarden Euro. Und noch heuer soll der Bau des 64 Stockwerke hohen Elbtower in Hamburg beginnen.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

Hapi67
0
6
Lesenswert?

Hauptgewinner

Ist Benko
Nebengewinner sind die vielfach beschriebenen armen,leidtragenden braven Steuerzahler, Arbeiter und Angestellte, die gierig auf solche Portfolios blicken und Ihr eigentlich nichtvorhandes Kapital in Anbetracht größerer Gewinne genau bei diesen unmoralischen Benkos platzieren.

Und dann gibt es noch den Rest.

Und Benko als Lichtgestalt zieht das Ungeziefer aller Couleur dann an wie Licht die Motten.

Unmoralisch ja, ungesetzlich eher nein.

Vielen Dank

scionescio
0
23
Lesenswert?

Da zeichnet sich die nächste Blase a la Wirecard ab ...

... aber wie @giru richtig anmerkt, wird den Schaden wie immer der Steuerzahler haben, während die "Tycoone" ihre Schäfchen längst ins trockene gebracht haben.

Scheint so, als ob Blender gerade Hochsaison haben - wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten!

DergeerderteSteirer
1
12
Lesenswert?

A' Freunderl und Spezi der "Kurz'schen türkisen Connection" eben, ....................

die geben sich die Klinke stetig in die Hände und abputzen können's Angestellte, Arbeiter und ehrliche Steuerzahler unter dem Motto "Friß oder Stirb"!!

scionescio
0
11
Lesenswert?

@dergeerdeteSteirer: wenn man die richtigen Beziehungen hat, verdient man mit einer einzigen UNterschrift gleich einmal 100 Millionen (aus Steuergeldern!) ohne sonst einen Finger zu rühren ...

Aus dem Standard:
"Die Signa hat die Postsparkasse 2014 um 150 Millionen Euro von der Bawag gekauft. Im Herbst 2019 schloss dann die BIG einen langfristigen Baurechtsvertrag (99 Jahre) mit der Signa ab, die Immobilie wurde nun plötzlich mit einer Pfandurkunde von 250 Millionen Euro im Grundbuch eingetragen. Es erfolgte also durch ein Geschäft mit der BIG, das offenbar vor Herbst 2019 vorbereitet wurde, eine deutliche Wertsteigerung für Benkos Immobilie."

Das wird sich ein Dienstnehmer mit ehrlicher Arbeit im ganzen Leben nicht einmal annähernd erarbeiten können ... und trotzdem wählen sie dann wieder die "Familie" - einfach unglaublich!

DergeerderteSteirer
0
6
Lesenswert?

Ja, @scionescio .......................

es ist völlig korrekt und richtig was du beschreibst und ich bin eben auch ein Menschenschlag der solchen Machenschaften wie bei einem Puzzle Teil für Teil auf den Grund geht !
Wenn der Ursprung des Übels mal bekannt ist und man ihm nachgeht dann ist die weitere Abfolge nicht mehr so schwer zu begreifen und zu recherchieren, ich bleib da stets up to Date so gut es möglich ist !

giru
1
23
Lesenswert?

Das alte Lied

Warenhausgiganten der Gruppe Sigma von Benko erhalten hunderte Millionen an rettenden Staatskrediten, alldieweil Benko Gewinne trotz Corona einheimst. Irgendwan implodiert das Ganze. Macht ja nichts, denn Benko wird seine Schäfchen ins Trockene gebracht haben. Die Masse der Steuerzahler hat dann die Ehre, den Wirtschaftkarren aus dem Dreck zu ziehen.
Was wir man daraus lernen? Nichts, aber schon gar nichts!