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Kein BörsengangKone greift nach Thyssenkrupps Aufzugssparte

Der angeschlagene Stahlkonzern Thyssenkrupp wollte die Aufzugssparte eigentlich an die Börse bringen. Nun wird ein Verkauf an einen Mitbewerber erwogen.

Die Zentrale von Thyssenkrupp
Die Zentrale von Thyssenkrupp © APA/AFP/INA FASSBENDER
 

Der finnische Aufzugsbauer Kone treibt seine Bemühungen für einen Erwerb der Aufzugssparte von Thyssenkrupp voran. Kone lote Partnerschaften aus, um Wettbewerbsbedenken auszuräumen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Finnen, weltweit die Nummer Drei bei Aufzügen, könnten Geschäfte an Partner abgeben. Eine Entscheidung gebe es aber noch nicht. Kone wollte sich zu den Informationen zunächst nicht äußern.

"Die Aufzugssparte von Thyssenkrupp würde perfekt zu Kone passen", sagte Vorstandschef Henrik Ehrnrooth jedoch in einem vorab veröffentlichten Interview der "Rheinischen Post". Dem "Handelsblatt" (Freitag) sagte der Manager: "Beide Firmen sind sehr komplementär aufgestellt." Die Kombination der Unternehmen ergebe industriell am meisten Sinn: "Ich denke, dass das am langen Ende den Ausschlag geben wird."

Aktie steigt

Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff hat angekündigt, die lukrative Aufzugssparte an die Börse zu bringen oder zu verkaufen. Ihr Wert wird auf zwölf bis 17 Milliarden Euro geschätzt.

Die Thyssenkrupp-Aktie weitete nach der Reuters-Meldung ihre Gewinne aus und notierte mehr als sechs Prozent im Plus bei 11,68 Euro. Die Finnen haben schon länger die Sparte im Visier, die bis vor Kurzem noch bei Thyssenkrupp zum Tafelsilber gehörte. Kone hatte sich bisher mit Kommentaren zu einer möglichen Übernahme zurückgehalten.

Vorstandschef Ehrnrooth bekannte nun Farbe. Die Geschäfte würden sich perfekt ergänzen, sagte der Manager der "Rheinischen Post". Thyssenkrupp sei in Südamerika, Nordamerika, aber auch in Südkorea stark vertreten. "In Nordamerika ist Kone hinter ThyssenKrupp, in Asien sind wir stärker." In der Kombination wären beide schneller und könnten die digitalen Herausforderungen besser angehen. "Und natürlich könnten wir auch Einsparungen erzielen."

Mehrere Interessenten

Thyssenkrupp hatte am Mittwoch bestätigt, an Interessenten Briefe geschickt zu haben. Insidern zufolge erwartet der Konzern Antworten bis Mitte September. Kerkhoff wollte ursprünglich lediglich eine Minderheitsbeteilung der als Ertragsperle geltenden Sparte an die Börse bringen, inzwischen erscheint selbst ein kompletter Verkauf als nicht ausgeschlossen.

Neben Kone seien Schreiben an Schindler, Otis und Hitachi gegangen sowie an die Finanzinvestoren KKR, Bain, Advent, CVC, EQT, Blackstone, Partner Group und Apollo, hatten Insider gesagt. Es gilt als wahrscheinlich, dass Kone im Fall eines Alleingangs hohe Kartellhürden ausräumen müsste. Kone ist im Aufzugsgeschäft nach Otis und Schindler weltweit die Nummer Drei, Thyssenkrupp die Nummer Vier. Mit einem Finanzinvestor an der Seite sei das einfacher, sagen Experten.

Konzernchef Ehrnrooth erklärte gegenüber der "Rheinischen Post" auf die Frage nach Kartellproblemen: "Wir haben verschiedene Szenarien bewertet und sind der Meinung, dass ein Zusammenschluss aus kartellrechtlicher Sicht möglich ist. Beide Unternehmen würden profitieren." Auch die Firmenkulturen passten gut zusammen. Wie Thyssenkrupp haben auch wir einen starken Ankeraktionär, die Familie Herlin, sie hält die Mehrheit der Anteile. Außerdem denken wir langfristig."

 

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