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Millstätter WirtschaftsgesprächeWas Betriebe tun müssen, um junge Arbeitskräfte zu gewinnen

Am Donnerstag beginnen in Millstatt die Wirtschaftsgespräche. Der Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier spricht im Interview zum Thema Generationen und Jugend in der Wirtschaft.

Millstätter Wirtschaftsgespräche
In Millstatt finden im Kongresshaus am 2. und 3. Mai die Millstätter Wirtschaftsgespräche statt © 
 

Wie schwierig ist das Verhältnis zwischen der jüngeren und älteren Generation in Unternehmen? Wo verläuft der Bruch?
BERNHARD HEINZLMAIER: Die älteren Arbeitnehmer leben nicht in derselben Welt, wie die jüngeren, egal ob es um das Thema Digitalisierung, oder um die Ausbildung geht. Sie sind mehr denn je in der guten alten Zeit verhaftet, machen Veränderungen zwar mit, weil sie es müssen, aber nicht mit Freude. So rund um 45 - da sehen wir heute den großen Bruch.

Ist es wichtig, dass sich die Generationen annähern?
Sehr wichtig. Denn wenn es nicht funktioniert, gibt es Reibungen und Kämpfe. Und die Älteren werden die Verlierer sein. Man muss versuchen, die Generationen aneinander heranzuführen, zum Beispiel durch Diskussionsprozesse.

Wie verändern sich Berufswünsche und Arbeitswelten der jungen Menschen?
Es werden sich unterschiedliche Gruppen herausbilden. Auf der einen Seite die obere Sozialschicht. Hier wird es im Bereich der Hochqualifizierten eine neue Generation von abenteuerlustigen Menschen geben, die sich nicht binden wollen, die Erfahrungen im Ausland sammeln wollen. Flexible Mitarbeiter, die mit konkreten Vorstellungen auf Unternehmen zugehen. Auf der anderen Seite die Mittelschicht, die mit einer fundierten Ausbildung einen sicheren Job und ein sicheres Einkommen anstrebt. Für beide muss man in der Arbeitswelt Vorkehrungen treffen. Die unteren Sozialschichten werden Jobs ausüben wie Fahrradbote und dergleichen.

Bernhard Heinzlmaier ist in der Jugendforschung tätig und auch Mitbegründer des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien Foto © Wilke

Was müssen Unternehmen tun? Wie gewinnt man den Wettkampf um die besten jungen Köpfe?
Sie müssen darüber nachdenken, was sie für ihre Beschäftigten Gutes tun können, damit diese sich wohl fühlen. Denn nur wer ein gutes Image hat, und als Marke für Arbeitnehmer attraktiv ist, wird bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter erfolgreich sein. Markenpflege spielt eine wichtige Rolle. Und neben dem Ansehen, das die Arbeit in einem solchen Unternehmen bietet, ist natürlich auch das Geld ausschlaggebend. Wir leben in einer Konsumgesellschaft.

Trotzdem klagen auch viele Betriebe mit gutem Image über Fachkräftemangel.
Das ist immer ein Thema. Der Punkt ist, dass das Angebot nicht attraktiv genug ist, um junge Menschen in bestimmte Bereiche zu bekommen. Man müsste ihnen mehr anbieten. Zum Beispiel nicht nur eine Lehre, sondern eine Lehre mit Matura. Also etwas, das die Ausbildung höherwertiger macht.

Was bewegt junge Menschen heute bei der Wahl der Ausbildung?
Viele wollen einen Job mit höherem Ansehen, und nehmen dafür auch in Kauf, weniger zu verdienen. Ein Studium hat ein besseres Image, als eine Arbeit, die mit der Hand gemacht wird. Deshalb ist es so wichtig, eine Ausbildungsvariante zu wählen, die es einem ermöglicht, sich im Beruf weiterzuentwickeln. Nach einer Lehre mit Matura kann man beispielsweise auch ein Studium anhängen.

Was braucht es für gute Jobchancen?
Je bunter und vielschichtiger die Ausbildung, und je interessanter die Erwerbsbiografie, desto besser die Jobchancen. Also beispielsweise eine Lehre kombiniert mit Studium und längerem Auslandsaufenthalt. Man muss als Mensch interessant sein. Sonst hat man es schwer am Arbeitsmarkt.

Die Wirtschaftsgespräche

Thema. Für immer jung? Standortqualität und Generationenkultur.
Programm. Die dritten Millstätter Wirtschaftsgespräche finden am 2. und 3. Mai im Kongresshaus Millstatt statt. Zum Thema sprechen unter anderem der Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier, Infineon-Chefin Sabine Herlitschka, Othmar und Constanze Hill von Hill International, Karin und Julia Leeb (Hochschober) und Karl-Theodor zu Guttenberg - Chairman Spitzberg Partners USA.

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