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Radboten in GrazÖsterreicher lassen sich ihr Essen liefern

Lieferessen boomt. Die Österreicher lassen die Kassen der Online-Bestellportale für Pizza, Sushi und Co immer stärker klingeln. Mjam-Kuriere fahren jetzt in Graz mit dem Rad.

Online-Bestellportale für Sushi und Co boomen © Hassler
 

2017 hat das Geschäft der Essenszusteller um rund 50 Prozent zugelegt, so der Österreich-Chef der Online-Plattform Mjam, Michael Hagenau. Das Unternehmen will weiter expandieren und, wie die Schwester Foodora, nun auch Radboten einsetzen.

Hagenau prophezeit der Branche, in der hierzulande Anbieter wie Mjam/Foodora, Lieferservice.at und Uber Eats um hungrige Kunden buhlen, auch heuer ein Umsatzwachstum von über 40 Prozent: "Ich kann keine Verlangsamung erkennen." Eine Fusion am österreichischen Liefermarkt sei derzeit absolut kein Thema. Der Konkurrent Lieferservice, eine Tochter von Takeaway.com, setzte in Österreich laut Geschäftsbericht 2017 über 10 Millionen Euro um - ein Plus von 57 Prozent.

Hohe Marketingkosten

Mjam, das wie Foodora zum börsenotierten Berliner Start-up Delivery Hero gehört, wachse momentan aber schneller als der Mitbewerb, sagte Hagenau. Der Kampf um Marktanteile ist freilich nicht gratis, ins Mjam-Marketing ist 2017 ein "hoher siebenstelliger" Betrag geflossen. Mittlerweile sind über 1.600 Restaurants in mehr als 160 österreichischen Städten auf der Online-Plattform vertreten. Aber auch außerhalb der Städte ist das Unternehmen auf den Geschmack gekommen: "Wir hätten nicht gedacht, dass in kleinen Dörfern so viel bestellt wird", erzählte der Mjam-Chef.

Bei Mjam liefern die Restaurants bisher selbst, nun wird das Geschäftsfeld "von der reinen Online-Plattform auf reale Zustellung erweitert". Gestartet wurde diese Woche in Graz. Dabei arbeite man eng mit Foodora zusammen. "Der Fokus von Foodora liegt weiterhin auf dem Wiener Markt, den 'RadlExpress' von Mjam wollen wir sukzessive auf weitere Städte ausbauen", sagte Hagenau und will damit Restaurants ohne eigenen Zustellservice ins Boot holen.

Kollektivvertrag für Fahrradboten

Zum geplanten Kollektivvertrag für Fahrradboten, den die Gewerkschaft bis Jahresende erreichen will, meinte er: "Ja, warum nicht?" Dass das Schwester-Unternehmen Foodora oft mit Lohn- und Sozialdumping verbunden wird, will er sich nicht gefallen lassen. "Entgegen der bisherigen Darstellungen in der Öffentlichkeit, werden alle unsere Fahrer seit Unternehmensstart in Österreich zu Tätigkeitsbeginn sowohl unfallversichert als auch bei der Gebietskrankenkasse angemeldet." Mit dem Modell des freien Dienstnehmers würde man keine Sozialabgaben umgehen.

Für Zustellungen bei Foodora sind in Wien etwa 600 Radboten unterwegs. Davon sind rund 70 angestellt, der Rest sind freie Dienstnehmer. Mehr Fahrer fix anzustellen, steht nicht auf der Agenda. Weil im Sommer die Bestellungen zurückgehen, gibt es weniger Schichten - da zahlt sich das nicht aus, so Hagenau. Im Winter wiederum gebe es einen Fahrermangel.

 

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