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Arbeitsmarkt

Schweizer Firmen: Das Wanken um den Franken

Die Industrie der östlichen Schweiz hat auf die Franken-Stärke reagiert: Arbeitszeiten wurden erhöht, Löhne gesenkt. Gewerkschafter zeigen sich besorgt.

© APA/dpa/Oliver Berg
 

Der zunehmende Druck auf die Arbeitszeiten beschäftigt den Interregionalen Gewerkschaftsrat Bodensee. Gewerkschaftsvertreter aus dem Schweizer Kanton St. Gallen, aus Vorarlberg, Südwürttemberg und dem Fürstentum Liechtenstein schilderten auf einem Treffen die Auswirkungen der Frankenstärke.

"Einen Donnerschlag", nannte Barbara Gysi, SP-Nationalrätin Präsidentin des kantonalen Gewerkschaftsbundes St. Gallen, die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank. Auf die Folgen habe man nicht lange warten müssen: Auslagerungen von Arbeitsplätzen, Betriebszusammenlegungen, Kurzarbeit, Kündigungen, Lohnkürzungen, Auszahlung von Gehältern in Euro, zählte sie auf.

Die Liste der Unternehmen, die die Arbeitszeiten erhöhten, lese sich "wie ein who is who der Ostschweizer Industrie": Stadler Rail habe von 42 auf 45 Stunden erhöht, Autoneum (ehemals Rieter) von 41,5 auf 43 Stunden, Georg Fischer von 40 auf 44 Stunden, Bühler von 42,5 auf 45 sowie Huber & Suhner von 40 auf 43 Stunden.

Damit hätten die Unternehmen gleichzeitig die Gehälter massiv gekürzt: Eine Erhöhung von drei Wochenstunden entspreche einer Lohnreduktion um 6 bis 8 Prozent, rechnete Gysi vor.

Meldungen über Verlagerungen und Stellenreduktionen träfen anhaltend ein, stellte Gysi fest. Auch Zulieferer bekämen die Folgen zu spüren. So habe eine große Behinderteninstitution einen Auftrag verloren, weil der Auftraggeber in der Slowakei einen billigeren Anbieter gefunden habe.

Das Fürstentum Liechtenstein ist von der Frankenstärke ähnlich betroffen wie die Schweiz, "nur haben wir überhaupt keinen Einfluss auf die Nationalbank", sagte Sigi Langenbahn vom Liechtensteinischen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerverband (LANV).

Den Druck auf die Arbeitszeiten gebe es schon länger, obwohl Liechtenstein mit 45 Wochenstunden - ähnlich wie die Schweiz - europaweit die höchsten Arbeitszeiten habe. Nun werde zunehmend die sogenannte "Vertrauensarbeitszeit" - ohne Zeiterfassung - eingeführt.

Einige Firmen hätten wegen der Frankenstärke die Löhne für alle gesenkt, andere nur für die Grenzgänger. Ein Unternehmen unterscheide je nach Sparte. Es gebe inzwischen Familien, die darauf angewiesen seien, im günstigeren Vorarlberg einkaufen zu können, weil sie sonst nicht mehr über die Runden kämen, schilderte Langenbahn.

Vorarlberg sei von den Entwicklungen in der Schweiz zweifach betroffen, erklärte Norbert Loacker vom ÖGB Vorarlberg: Wegen der tieferen Löhne für die Grenzgänger - und wegen der Frankenkredite, die auf einen Schlag viel teurer geworden seien.

Anders als in der Schweiz und in Liechtenstein sind höhere Arbeitszeiten in Österreich kein Thema. Loacker befürwortet Modelle, wie sie der Vorarlberger Lampenhersteller Zumtobel anbietet. Dort könnten die Beschäftigten zwischen Lohnerhöhungen und mehr Freizeit entscheiden: Eine Gehaltserhöhung von zwei Prozent entspreche einer zusätzlichen Woche Ferien.

In Deutschland seien die Arbeitszeiten ein kontroverses Thema, sagte Gottfried Christmann vom DGB Region Südwürttemberg. Weil Mindestlöhne eingeführt wurden, müssten jetzt die Arbeitszeiten erfasst werden - und da entwickle sich Widerstand.

Es gebe zudem Nischen, in denen die grundlegenden sozialen Rechte, vor allem von mobilen Beschäftigten aus östlichen Ländern mit Füßen getreten werden, sagte er: Zu finden seien Beispiele in der Gastronomie, in Hotels, auf Baustellen, in der Pflege und auf Erdbeerfeldern.

Kommentare (14)

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zielpunkt
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Vom Regen in Traufe

Wegen der Kosten für die Stabilität des Frankens gegenüber des EURO gibt es für Schweiz nur 2 Möglichkeiten. Entweder die Schweizer Nationalbank muss weiter jährlich 25 Mrd für die Stützung aufwenden oder sie lässt die Schweizer Exportwirtschaft und deren Arbeitnehmer bluten bis der Euro wieder markant steigt. Die Entscheidung der Nationalbank viel genau deshalb als Nacht- und Nebelaktion statt, noch bevor jemand eine VOLKSABSTIMMUNG starten konnte.

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Imhotep
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Wir, die wir hier leben sollten uns eher um die schwächelnde österreichische Wirtschaft Gedanken machen und nicht zum Nachbar schielen. Deren Volkswirtschaft gehört nämlich zu den stabilsten, effizientesten und wettbewerbsfähigsten der Welt. Im übrigen sind diese Maßnahmen der Unternehmen zeitlich begrenzt und laufen teilweise schon wieder aus. Daran erkennt man aber auch das außerordentliche Engagement der beteiligten Menschen um die Konkurrenzfähigkeit durch Steigerung der Produktivität zu sichern. So etwas wäre hierzulande kaum vorstellbar.

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aa815b426777fa71903d9af6e9400eea
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das sind die gar nicht so feinen Unterschiede ch-at

Dort sind Lohnkürzungen und Arbeitszeiterhöhungen möglich und zwar ohne Volksaufstand, während bei uns ein Gewerkschaftscapo fordert, dass Feiertage die aufs Wochenende fallen, unter der Woche nachzubringen sind. Entsprechend fährt unsere Wirtschaft, durch unfähige Politik und irre Gewerkschaften, stetig weiter in den Keller.

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aa815b426777fa71903d9af6e9400eea
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ihr Rotstrichler verursacht Kopfschüttel

dass euch die Sicherung des Arbeitsplatzes (wird durch Überlebenshilfe für die Firma auch langfristig sicherer) durch zeitlich begrenzte Mehrarbeit und Lohnkürzung nichts wert ist, verstehe wer kann.

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ColaZero
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In der Schweiz hat der Abreitnehmer keinerlei Chance sich zu wehren. Es gibt keine Betriebsräte und die vorhandenen Gewerkschaften unterstützen keine Arbeitnehmer. Bei einem Streik oder Protest wird man SOFORT entlassen oder wenn und aber.
In der Schweiz gilt nur ein Gesetz: Entweder fügst du dich dem System oder du kannst gehen!

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Imhotep
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@ColaZero

Kompletter Unsinn!

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ColaZero
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Selbst schon mehrmals miterlebt, leider kein Unsinn

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ColaZero
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Für mich sind die Schweiz und Österreich die schönsten Länder in denen man leben kann.
Finanziell lebt sichs halt in der Schweiz besser :)

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ColaZero
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Warum soll das den Schweizern zu recht passieren? Haben Sie überhaupt eine Ahnung was die Schweizer für ihren Wohlstand leisten und auf was sie alles verzichten?
In der Schweitz verdient man mehr als im restlichen EU Raum aber die Sozialleistungen wie Beihilfen oder Arztbesuche auf Kosten der Kasse usw. kann man sich hier aufzeichnen...
Gehen sie mal 45h in der Woche arbeiten bevor die erste Überstunde gerechnet wird! Das ist schon fast ein ganzer Arbeitstag mehr als in Ö

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ColaZero
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...zur Ergänzung, in der Schweiz sind in den meisten Firmen nur mehr 4 Wochen pro Jahr Ferien. Ein 13. Gehalt gehört zur Seltenheit, 14. gibts sowieso nicht.
Dienstreisen (egal wo hin und wie lange) gelten als normale Arbeitszeit (ohne Zulagen)

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vertico1
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und nochmal die Aufforderung an das blaue Vogerl derFalke

meinen SIE NOCH IMMER, dass es das beste war, was der Schweiz passieren konnte?
Sehen Sie jetzt, wie lächerlich Ihre Aussagen waren?

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969449180ed701d6a8531ef71de57c2d
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das geschieht den Schweizern recht!

dass das passieren würde, hat ein jeder voraussehen können, der nur ein bisschen was von Wirtschaft versteht.

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Imhotep
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Also von Wirtschaft haben Sie mal ganz sicher keine Ahnung.

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Imhotep
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Also von Wirtschaft haben Sie mal ganz sicher keine Ahnung. Und warum oder weswegen es den Schweizern recht geschehen sollte wissen auch nur Sie selbst. Sie glauben scheinbar über alles erhaben zu sein und dieses Volk kritisieren und denunzieren zu können - so ist es aber nicht.

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