Die Pleitewelle, die Kärnten erfasst hat, hält an. Seit Jahresbeginn verzeichnete laut Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) das Landesgericht Klagenfurt bereits 127 Firmeninsolvenzen. Das ist gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ein Anstieg um 41,11 Prozent. Kärnten verbucht damit österreichweit den zweithöchsten Anstieg. Lediglich in Vorarlberg gab es mit einem Zuwachs von 56,10 Prozent einen noch größeren. Als „traurigen Rekord“ bezeichnen der AKV, dass sich die mangels Masse abgewiesenen Konkurse fast verdoppelt haben. „Die Gläubigeranträge sind exorbitant gestiegen, weil vor allem kleineren Unternehmen die finanziellen Reserven ausgegangen sind“, sagt Beatrix Jernej, Leiterin des AKV in Klagenfurt

Die Verbindlichkeiten bei den Kärntner Pleiten, von denen insgesamt 173 Dienstnehmer betroffen waren, summieren sich im ersten Quartal auf 46,9 Millionen Euro. Die größte Insolvenz ist mit Schulden von 12,3 Millionen Euro jene der Firma Tomtegl Bergchalets auf der Hochrindl, gefolgt von den Pleiten der Payr-Gruppe in Patergassen (11 Millionen Euro) und der SK Austria GmbH und des Vereins SK Austria (4,9 Millionen Euro).

Baubranche massiv betroffen

Die Baubranche führt die Pleitenstatistik in Kärnten an. In der Branche haben sich die Insolvenzen verdoppelt. Kräftig angestiegen sind die Pleiten auch in der Gastronomie sowie Beherbergung, gefolgt vom Handel.

Jernej zeigt wenig Zuversicht, dass es rasch zu einer positiven Trendwende kommt. „Es gibt eine große Verunsicherung und ein Zurückhaltung bei der Nachfrage aufgrund der geopolitischen Verwerfungen“, sagt die Expertin. Gestiegene Kosten belasten die Betriebe und vielfach seien finanziellen Reserven aufgrund der Herausforderungen in den vergangen Jahren aufgebraucht. Verschärft wird die wirtschaftliche Unsicherheit durch den Iran-Krieg und die damit steigenden Energiepreise.

Beatrix Jernej, Leiterin des AKV Klagenfurt
Beatrix Jernej, Leiterin des AKV Klagenfurt © Weichselbraun

Eine positive Entwicklung zeigt sich bei den Privatinsolvenzen in Kärnten. Im ersten Quartal gab es einen Rückgang von 2,58 Prozent auf 151 Fälle. Bei den Schuldenregulierungsverfahren sanken die Zahlen um 3,04 Prozent.