Welche Partei passt inhaltlich am ehesten zu mir? Diese Frage stellen sich viele Erstwählerinnen und Erstwähler, aber bei weitem nicht nur. Auch manche, die bei Graz-Wahlen schon mehr Routine haben, rätseln, bei wem sie am 28. Juni ihr Kreuzerl machen sollen. Die Kleine Zeitung hat dafür Antworten, konkret: 37 Antworten.
Mit dem Tool WahlSwiper, das wir gemeinsam mit dem deutschen Nonprofit-Verein VoteSwiper und der Politikwissenschaftlerin Kathrin Stainer-Hämmerle gestaltet haben, liefern wir eine Orientierungshilfe mit ein paar Klicks. „Informierte Wählerinnen und Wähler sind die Grundvoraussetzung für eine Demokratie“, sagt Stainer-Hämmerle. Wobei eines wichtig ist: „Dieser WahlSwiper ist keine Wahlempfehlung, sondern ein möglichst niederschwelliger und spielerischer Zugang, um sich eine Meinung zu bilden.“
WahlSwiper zur Graz-Wahl: 37 Fragen sollen eine Orientierungshilfe geben
Die Kleine Zeitung hat an alle elf Listen, die sich der Graz-Wahl stellen, einen umfassenden Fragenkatalog ausgeschickt, den alle beantwortet haben. 37 dieser Fragen können nun alle Interessierten online mit Ja oder Nein beantworten, man Fragen auch doppelt gewichten, wenn einem das Thema besonders wichtig ist. Am Ende steht eine Prozentzahl, wie stark sich die jeweils eigenen Positionen mit jenen der einzelnen Parteien decken. „Es ist ein Angebot für jene Menschen, die mit einem klassischen Medienangebot nicht so leicht zu erreichen sind“, sagt Stainer-Hämmerle, die an der FH Kärnten unterrichtet. „Und sind wir ehrlich: Wer liest wirklich Wahl- oder Parteiprogramme?“
Während Wahlkämpfe stark auf die Persönlichkeiten der Spitzenkandidaten ausgerichtet sind und möglichst emotionalisieren sollen, zielt der Wahl-Swiper auf Themen ab. „Und zwar solche, die in Graz aktuell sind und die Lebenswelten der Leute berühren“, erklärt Stainer-Hämmerle. Das reicht vom Stadionausbau über Deutschkenntnisse im Gemeindebau und die Zahl der Autoparkplätze im Zentrum bis zu einem Kauf der Ruine Gösting und öffentliche Grillplätze. „Mit den Erklärvideos gehen wir sicher, dass wir die nötigen Hintergrundinformationen zu den Fragen vermitteln“, sagt Matthias Bannert von VoteSwiper.
Möglichst bunte Fragen mit unterschiedlichen Antwortmustern der Parteien
Bei der Fragenauswahl wurde neben dem Themen-Mix darauf geachtet, dass sich die Antwortmuster der Parteien möglichst gut unterscheiden, um am Ende zu einer Aussage zu kommen. „Wir stehen auf klare Kante. Bei uns gibt’s nur ‚Ja‘ und ‚Nein‘, kein ‚vielleicht‘“, sagt Matthias Bannert von VoteSwiper. „Das bringt die Parteien manchmal ins Schwitzen, hilft aber bei der Entscheidung.“
Auf eines weist Stainer-Hämmerle noch gesondert hin: Während die etablierten Parteien in der Regel kräftige Wahlkampfbudgets haben – in Graz liegt die Obergrenze bei 400.000 Euro –, durch die sie im öffentlichen Raum und medial präsent sein können, steht das den kleinen Listen nicht zur Verfügung. „Der Wahl-Swiper ist für sie eine Chance und eine der wenigen Möglichkeiten, wo alle Listen gleichberechtigt sind.“