Sie sind rund 15 Kilogramm schwer und müssen so verpackt sein, dass sie auch einen Sturz aus 90 Zentimetern unbeschadet überstehen. Wenn Dieter Glawischnig über die spezielle Verpackungsinnovation spricht, die man für Fronius-Schweißgeräte entwickelt hat, legt sich hörbare Begeisterung in seine Stimme. Der Geschäftsführer des Verpackungsspezialisten DS Smith Packaging Austria, Hersteller von Wellpappen-Verpackungen, spricht gerne über Innovationen.
„Die Anwendungsgebiete sind vielfältig, der Fantasie keine Grenzen gesetzt und Entwicklungen und Produkte wie diese stammen von unseren Designern in Kalsdorf und sie wurden dafür vielfach ausgezeichnet““. Auch den „Oscar“ der Branche, den „WorldStar“ bei den Global Packaging Awards konnte DS Smith dank Know-how aus Kalsdorf mehrfach gewinnen“, so Glawischnig, der von einem „sehr professionellen und vor allem innovativen Team“ am Standort spricht.
„Sie lässt die Flaschen schweben“
Für die Privatbrauerei Hirt wurde eine E-Commerce-Verpackung kreiert, die auch bei unterschiedlichen Flaschengrößen durch eine spezielle Dreieckskonstruktion für einen sicheren Transport sorgt, „sie lässt die Flaschen schweben, der Verschluss und der Bodenbereich sind dabei besonders geschützt“, erklärt Glawischnig. Für die Getränkeindustrie hat man zudem mit „Lift-up“ einen Tragegriff aus Wellpappe für Vierer- oder Sechser-Packs von PET-Flaschen entwickelt – „das ersetzt die üblichen Stretch-Folien und trägt damit dazu bei, Plastikmüll zu vermeiden“. Für BWT wurde eine eigene schutzstarke Verpackung für Wasserfilter entwickelt, für die Naturkosmetik von Ringana ein „Mexiko-Karton“ für den Export, der durch einen modulartigen Aufbau ein Umpacken sowie die Aufnahme unterschiedlicher Größen und Inhalte erlaube.
DS Smith hat den Standort Kalsdorf 2015 von Europack übernommen, seither seien mehr als 20 Millionen Euro in das Werk geflossen, der Beschäftigtenstand sei mit rund 200 stabil. Installiert wurden vor knapp zwei Jahren u. a. eine neue Flachbettstanze und eine große Faltschachtelklebemaschine, durch die die Fertigungskapazitäten am Standort um ein Fünftel gestiegen sind. „Diese Investition hat sich zu unserer Zufriedenheit entwickelt. Wir konnten die neuen Geräte schnell auslasten, haben ein gutes Management vor Ort“, betont Glawischnig. „Das Volumen konnte gesteigert werden und die Auslastung ist derzeit gut. In den letzten schwierigen Jahren konnten wir unser Volumen in einem leicht schrumpfenden Markt halten, was bedeutet, dass wir Marktanteile gewonnen haben.“ Neben Kalsdorf betreibt DS Smith auch ein Werk in Margarethen am Moos (Niederösterreich), wo derzeit ein Investitionsprogramm läuft. Mittelfristig soll an den Standorten flächendeckend Photovoltaik auf den Dächern integriert werden.
Das Gros der Kunden kommt aus dem Bereich der sogenannten „schnelldrehenden Konsumgüter“, also hauptsächlich der Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Aber auch Industriezweige, u. a. Elektro- und Elektronikgeräte oder auch Automotive- und andere Hightech-Komponenten, spielen bei den Verpackungslösungen eine Rolle. Die Kundenstruktur sei gut verteilt, man hänge nicht von einigen wenigen Großen ab.
Glawischnig sieht auch weiterhin große Potenziale für Wellpappe-Verpackungen. Es werde immer stärker daran gearbeitet, dafür sorge auch eine aktuelle EU-Verordnung, Einwegplastik zu ersetzen und ökologische Mehrweglösungen zu forcieren. „Wir betrachten es auch als unsere Mission, entsprechende Alternativen anzubieten.“ Dafür sei in jedem Werk des Gesamtkonzerns sogenannte „Plastik-Replacement-Counter“ installiert worden, die die Anzahl der ersetzten Plastikteile zählen, so Glawischnig. Wellpappe könne viele Male recycelt werden, 99 Prozent der Wellpappe am Markt werden wiederverwertet. „Wir leben Kreislaufwirtschaft par excellence“, so Glawischnig. Nachhaltigkeit spiele – auch in Kalsdorf – bei der Fachkräfteausbildung eine zentrale Rolle. „Lehrlinge sind für uns Rohdiamanten.“ Über die Jahre hätten sich hier viele Top-Karrieren bis hin zum Management ergeben.
„Österreich muss sein Image wieder korrigieren“
Weniger euphorisch verfolgt Glawischnig die Entwicklungen des Wirtschaftsstandorts Österreich. Ein Konjunkturbefund sei vor dem Hintergrund der aktuellen Lage im Nahen Osten schwer zu treffen. Bei DS Smith Packaging Austria würden die Kunden aus dem Lebensmittel- und Getränkebereich zwar für eine relative Stabilität sorgen. Wenn es aber um die Energie- und Lohnnebenkosten am Standort gehe, dann tue sich „zu wenig bis gar nichts“, kritisiert Glawischnig. „Die homöopathischen Eingriffe helfen nicht weiter. Meiner Ansicht nach sollte es eine große Verwaltungsreform geben, um diverse Körperschaften zu verschlanken und Ineffizienzen nicht durch Steuern und Abgaben auf Löhne und Energie zu finanzieren.“ Man stehe im internationalen Wettbewerb, „einige Mitbewerber haben Standorte ins benachbarte Ausland, verlagert, weil dort die Lohnstückkosten einfach geringer sind, das ist auch international aufgefallen, hier muss Österreich sein Image wieder korrigieren. Wir warten da wirklich auf Zeichen seitens der Politik, wir brauchen hier rasch große Sprünge“, so sein Appell.