Am heutigen Donnerstag fällt der Startschuss für die Frühjahrs-Lohnrunde mit den 60.000 Beschäftigten der Elektro- und Elektronikindustrie. Dann geht es in den kommenden Wochen Schlag auf Schlag: Auch in der Textil-, Papier- und Glasindustrie sowie der chemischen Industrie starten die Kollektivvertragsverhandlungen. Die Spitzen der Gewerkschaften PRO-GE und GPA, Reinhold Binder und Mario Ferrari, betonen im Vorfeld: „Der Fokus bei den Kollektivvertragsverhandlungen liegt beim Geld. Es geht vor allem um dauerhafte Lohn- und Gehaltserhöhungen. Denn die Inflationsbelastung geht zwar zurück, aber nach wie vor ist die Stärkung der Kaufkraft wichtig – vor allem für niedrige Einkommen, die besonders stark unter der hohen Teuerung der letzten Jahre leiden.“ Sie verweisen auf den – zumindest zarten – Wirtschaftsaufschwung, der zu mehr Investitionen und Kapazitätsausbau führen sollte.
„Für uns ist längerfristige Planbarkeit und Sicherheit entscheidend. Wir tun alles, dass wir einen Teuerungsausgleich herbeiführen können. Wie und in welcher Form werden wir sehen, aber wir schauen uns das natürlich in jeder Branche genau an. Nulllohnrunden werden wir selbstverständlich ablehnen“, sagte Binder unlängst im Gespräch mit der „Kleinen Zeitung“.
Die fünf Industriesparten Elektro, Chemie, Papier, Glas und Textil beschäftigen zusammengerechnet rund 130.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 50 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Basis für die Lohn- und Gehaltsverhandlungen ist die Teuerung der vergangenen zwölf Monate, die „rollierende Inflation“. Die Inflationsrate für 2025 lag laut Statistik Austria bei 3,6 Prozent, nach 2,9 Prozent 2024 und 7,8 Prozent 2023. Im Februar betrug die Teuerungsrate laut Schnellschätzung der Statistik Austria 2,2 Prozent.
Nach Warnstreiks wird ab 10. März wieder verhandelt
Zuletzt lief es bei den KV-Verhandlungen eher unrund. Hervor sticht dabei die IT-Branche. Sechs Verhandlungsrunden für die 90.000 Angestellten blieben bisher erfolglos. In den vergangenen zwei Tagen wurden daher Warnstreiks abgehalten. „In der Steiermark haben wir Betriebe mit insgesamt rund 1000 Beschäftigten erreicht“, erklärt GPA-Sprecherin Raphaela Lang.
„Den Arbeitgebern muss bewusst werden, dass sie anstelle von Konfliktorientierung Verhandlungsbereitschaft zeigen müssen, damit eine vertretbare Lösung möglich wird“, so GPA-Verhandlungsleiterin Sandra Steiner in Bezug auf die nächste Verhandlung am 10. März. Sollte es zu keiner Einigung kommen, sehe sie einen „massiven Imageschaden für die Branche“.