Richtig Gas gibt Stefan Sternad, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer, bei seiner Kritik an der Anhebung der Motorbootabgabe. Wie berichtet, steigt diese im Zuge der Tourismusreform um 50 Prozent. Für Sternad „eine massive Mehrbelastung für einen zentralen Bestandteil des Sommertourismus“. Durch die Abgabensteigerung gefährde das Land sowohl die Wertschöpfung als auch Arbeitsplätze, sagt der Branchensprecher. Denn der Wörthersee sei seit Jahrzehnten ein Motorbootsee. Das versuche die Landespolitik nun in „Klassenkampf-Manier statt vernünftigem Dialog“ zu ändern. Sternad nimmt jedoch nicht seinen eigenen Parteikollegen, Tourismusreferent Sebastian Schuschnig (ÖVP), ins Visier der Kritik, sondern Wasserreferent Daniel Fellner (SPÖ). Dieser sei zu keinem Gespräch bereit und fahre einfach drüber. Außerdem wirft Sternad dem designierten Landeshauptmann vor, dass er das Ergebnis des Seendialogs nicht abgewartet hat, bevor die Abgabe erhöht wird.

Öko-Zustand mäßig

Diese vehemente Kritik weist Fellners Sprecherin Alexandra Wrann zurück: „Die Anhebung der Motorbootabgabe und Seendialog fallen zufällig zeitlich zusammen, haben miteinander aber nichts zu tun.“ Denn, dass die Motorpräsenz im Zuge des Seendialogs diskutiert werde, fuße auf wissenschaftlichen Untersuchungen. Im Zuge derer man unter anderem zu dem Ergebnis gekommen ist, dass der Öko-Zustand des Wörthersees negativ von den Bootswellen beeinflusst wird. Außerdem sei der Seendialog nicht vom Land, sondern vom Bund initiiert worden.

Stefan Sternad
Stefan Sternad © WKK/Bauer

Sternad betont zwar, dass sich Touristiker und Wirte für den Schutz des Wörthersees stark machen würden. Doch er sei davon überzeugt, dass die rund 1000 Lizenzen sich nicht so negativ auswirken würden, wie aktuell diskutiert. „Es ist wie beim GTI-Treffen, bei dem Urlaubsgästen das Gefühl vermittelt wurde, man wolle sie nicht im Land haben.“ Motorbootfahren am Wörthersee sei ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem man bei der jüngeren Zielgruppe punkten könne, doch stattdessen verschärfe das Land die Auflagen. Unter anderem werde die Veranstaltung der Wasserski-Show erschwert.

10.000 Bewerber für Motorboot-Lizenzen

Die Abgabenerhöhung sei „ein falsches Signal“ und gefährde aufgrund der Ad-hoc-Umsetzung die Wettbewerbsfähigkeit der Region, empört sich Sternad. Darauf kontert Finanzreferentin Gaby Schaunig: „Die Anpassung der Motorbootabgabe wurde im Vorfeld lange und intensiv diskutiert – sowohl innerhalb der Koalition als auch mit Interessensvertretungen, ebenso gab es einen Begutachtungszeitraum. Die Mittel aus der Motorbootabgabe sind zweckgebunden und fließen direkt in gewässerökologische Maßnahmen, in Hochwasserschutz und den Ankauf von Seegrundstücken – also in den Schutz eben jener Natur- und Lebensräume, die überhaupt die Grundlage für Tourismus und Wertschöpfung sind.“

Sollten aufgrund der Erhöhungen Lizenzen abgegeben werden, dürften sich rasch neue Abnehmer finden. Denn jedes Jahr gibt es 10.000 Bewerbungen dafür.