Da ist die viel zitierte Preissensibilität: In Zeiten steigender Lebenshaltungskosten suchen Konsumenten gezielt nach Wegen, bei Alltagsgegenständen zu sparen. Da ist der Schatzsuche-Effekt: Ein Großteil des Sortiments wechselt, was bei Kunden das Gefühl erzeugt, jedes Mal neue Schnäppchen entdecken zu können. Und natürlich spielt auch die Einkaufsmacht eine Rolle: Durch den Einkauf riesiger Mengen identischer Produkte können extrem niedrige Einkaufspreise erzielt werden.
Drei Gründe, die das enorme Wachstum des deutschen Diskounters Woolworth erklären. Woolworth, gegründet 1879 von Frank Winfield Woolworth in den USA, war in den 1990er-Jahren von der Bildfläche verschwunden, bevor die Marke von Investoren übernommen wurde. Aktuell ist sie die am schnellsten wachsende Einzelhandelskette. 62 Stores betreibt Woolworth allein in Österreich, gerade kam Hohenems dazu. 600 Mitarbeiterinnen sind beschäftigt – zehn bis 15 pro Standort. 1,6 Millionen Kundinnen und Kunden hat Woolworth laut eigenen Angaben bis dato in Österreich.
30 Neueröffnungen allein 2026 geplant
In Kärnten hat Woolworth Standorte in Klagenfurt, Wolfsberg und drei in Villach. In der Steiermark gibt es schon zwölf Filialen. Das reicht dem Händler bei weitem nicht: „Insgesamt planen wir, in den kommenden Jahren das Filialnetz in Österreich auf mindestens 250 Standorte auszubauen“, heißt es aus der Zentrale in Unna in Nordrhein-Westfalen. Konkret sind derzeit in Kärnten Standorte in Spittal/Drau und in St. Veit/Glan geplant. In der Steiermark ist eine dritte Filiale in Graz und eine in Gralla geplant. In Hartberg soll schon Mitte März ein Woolworth eröffnen. Bespielt werden Flächen zwischen 500 und 1500 Quadratmeter – diese Flächenflexibilität ist ein Wettbewerbsvorteil. Gesucht werden laut Woolworth-Manager Petr Marek vor allem gut frequentierte Fußgängerzonen, Shoppingcenter und Fachmarktzentren. 30 Neueröffnungen sind allein in diesem Jahr geplant. Marek: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Menschen den Einkauf vor Ort im Geschäft nach wie vor sehr zu schätzen wissen.“ Auch in Zeiten von Temu und Shein.
Das Wühltisch-Image hat der „Erfinder des Discounts“ abgelegt, die Filialen sind in hellem, funktionalem Design gestaltet. Woolworth führt ein Standardsortiment von mehr als 10.000 Artikeln, das übers Jahr ergänzt wird um bis zu 8000 Aktions- und Saisonartikel. Verkauft wird Bekleidung für die ganze Familie, Haushaltswaren und Dekoartikel, Spielsachen, Schreibwaren, Partybedarf, Heimtextilien, Schuhe, Snacks und Erfrischungsgetränke. Die größten Anteile am Gesamtsortiment haben die Textilien sowie die Haushalts- und Dekorationsartikel. Alles Verbrauchsgüter also, bei denen die Markentreue gering ist. Und Dinge, die keine fokussierte, wohl aber eine große Zielgruppe haben. Alle sind angesprochen: Studenten und Lehrlinge, Familien, Pensionisten.
Mehr als 6000 Artikel kosten weniger als drei Euro. Die höchsten Preise entfallen auf Elektro-Kleingeräte wie Kaffeemaschinen für circa 25 Euro. Marek: „Wir passen mit unserem günstigen Angebot sehr gut in die Zeit.“