Tesla und Firmenchef Elon Musk standen am Donnerstag vor einem schicksalhaften Aktionärsvotum. Die Anteilseigner des Elektroauto-Herstellers Tesla entschieden bei der Hauptversammlung, ob Firmenchef Elon Musk die Aussicht auf ein riesiges neues Aktienpaket bekommt, das eine Billion Dollar wert sein könnte. Dieses Paket sorgt ob seiner Dimension seit Wochen für internationale Debatten. Zumal Musk damit drohte, den Chefposten bei Tesla aufzugeben, wenn der Vergütungsplan nicht bewilligt wird.
Um 23 Uhr mitteleuropäischer Zeit war dann klar: Es ist tatsächlich passiert: Die Aktionäre von Tesla haben dem Rekord-Gehaltspaket für Musk zugestimmt, das einen Wert von fast einer Billion US-Dollar haben könnte. Bei der Hauptversammlung entfielen 75 Prozent der Stimmen für das „Musk-Mega-Paket“. Der Deal verpflichtet Musk, der bereits der reichste Mann der Welt ist, den Marktwert von Tesla über mehrere Jahre hinweg drastisch zu steigern. Erreicht er verschiedene Ziele, wird er mit Hunderten Millionen neuer Aktien belohnt. Binnen zehn Jahren könnte sich die Vergütung damit auf eine Billion US-Dollar summieren „Andere Aktionärsversammlungen sind langweilig, aber unsere sind der Hammer. Seht euch das an! Das ist der Wahnsinn!“, sagte Musk.
Umgerechnet 871 Milliarden Euro
Wie ergibt sich diese Höhe? Dieses Paket könnte rund eine Billion US-Dollar (umgerechnet 871 Milliarden Euro) wert sein - jedenfalls wenn der Autobauer in zehn Jahren an der Börse 8,5 Billionen Dollar schwer sein sollte. Das wäre nahezu sechsmal so viel wie jetzt. Bei einem solchen Wertanstieg würde der Wert der Aktien, die Musk bereits besitzt, ebenfalls die Billionen-Marke knacken. Der 54-Jährige ist bereits der reichste Mensch der Welt mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 470 Milliarden Dollar.
Zu weiteren Voraussetzungen für den Erhalt der Aktien gehört, dass Musk das Jahrzehnt in der Chefetage bleibt - und Tesla eine Million Robotaxis im Einsatz hat und eine Million KI-Roboter ausliefert. Die Annahme des Plans war nicht garantiert: Unter anderem zwei einflussreiche Beratungsfirmen, die Empfehlungen für Aktionäre abgeben, sprachen sich dagegen aus.
Zielmarke 20 Millionen verkaufte Teslas
Insgesamt könnte Musk bis zu 423,74 Millionen Tesla-Aktien bekommen - in zwölf Stufen, die meist an Schritte von 500 Milliarden Dollar beim Börsenwert gekoppelt sind. Hinzu kommen die geschäftlichen Ziele wie etwa die Auslieferung von 20 Millionen Teslas beim Börsenwert von zwei Billionen Dollar. Eine noch größere Hürde könnte es sein, später zusätzlich zu 6,5 Billionen Dollar Börsenwert die Marke von 400 Milliarden Dollar beim bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zu knacken und darüber zu bleiben.
Die Verwaltungsratsvorsitzende Robyn Denholm betont, Musk werde leer ausgehen, wenn Tesla die Ziele nicht erreiche. Musk selbst sagt, mehr als das Geld interessiere ihn, seine Tesla-Beteiligung auf 25 Prozent zu erhöhen und damit seinen Einfluss bei dem Unternehmen zu sichern.
Fokus auf Roboter und Robotaxis
Tesla, der Elektroauto-Vorreiter, der vor einigen Jahren die Branche zu einer teuren Aufholjagd veranlasste, wirkt entzaubert und steuert auf das zweite Jahr mit einem Absatzrückgang zu. Musk argumentiert jedoch, die Zukunft von Tesla liege ohnehin in selbstfahrenden Robotaxis und humanoiden Robotern.
Der Tech-Milliardär vertritt zudem die Ansicht, dass die „Optimus“-Roboter des Konzerns das Potenzial hätten, zum „größten Produkt aller Zeiten“ zu werden. Die für kommendes Jahr in Aussicht gestellte Version 3 werde sich so flüssig bewegen, dass sie „wie ein Mensch in einem Roboter-Kostüm“ wirken werde, sagte Musk jüngst. Selbstfahrende Autos und Roboter würden eine „Welt ohne Armut“ herbeiführen, in der jeder Zugang zu bester medizinischer Versorgung habe. Denn: „Optimus wird ein unglaublicher Chirurg sein“, verkündete Musk. Er hoffe, die Produktion der Roboter bis Ende kommenden Jahres zu starten.
Kontrolle über Roboter-Armee
Seine Forderung nach einer Beteiligung von 25 Prozent verbindet Musk direkt mit der Kontrolle über die neue Technologie. „Wenn wir diese Roboter-Armee bauen – werde ich zumindest einen starken Einfluss auf diese Roboter-Armee haben?“, sagte er vor wenigen Tagen. Anderenfalls sei ihm nicht wohl bei dem Gedanken.
Wenn es Musk vorrangig um den Einfluss im Unternehmen und nicht um Geld geht, hätte Tesla ihm nicht einfach einige Aktien mit zusätzlichen Stimmrechten geben können? Bei Tech-Schwergewichten wie Google und dem Facebook-Konzern Meta sichert ein System mit verschiedenen Aktienarten schließlich seit Jahren die Kontrolle durch die Gründer. Denholm sagte im Wirtschaftssender CNBC, das gehe nur vor einem Börsengang.
Norweger stimmen dagegen
Gegen das Paket stimmte unter anderem der norwegische Öl-Fonds als größter Staatsfonds der Welt. Man schätze zwar den erheblichen Mehrwert, den Musk mit seiner visionären Rolle geschaffen habe, teilte der Fonds zwei Tage vor der Versammlung mit. Gleichzeitig meldeten die Norweger aber Bedenken unter anderem wegen der beispiellosen Höhe der vorgeschlagenen Vergütung an.
Es war nicht die erste Kontroverse um Musks Vergütung. Bei einem ihm zugesagten Aktienpaket aus dem Jahr 2018 erfüllte Tesla zwar alle damals vorgegebenen Ziele. Doch ein Gericht im Bundesstaat Delaware, in dem Tesla damals formell ansässig war, befand, dass Musk bei Vereinbarung des Plans zu viel Einfluss im Verwaltungsrat gehabt habe und die Aktionäre darüber nicht ausreichend informiert worden seien. Das Berufungsverfahren dazu läuft noch.