Die Coty-Wahl („Car of the Year“) vergibt den prestigeträchtigsten Preis der Branche. Nur eines von sieben Autos aus ganz unterschiedlichen Kategorien kann gewinnen, jetzt ist die Wahl geschlagen: 60 Journalisten aus ganz Europa suchten in einem strengen Auswahlverfahren nach dem Titelträger in einer selbst organisierten Testserie auf verschiedenen Teststrecken in Europa. Und jetzt stehen die Sieger fest: Renault 5/Alpine A290 setzten sich mit 353 Punkten vor dem Kia EV3 (291) und dem Citroën ë-C3/C3 (215) durch. Auf den weiteren Plätzen: Hyundai Inster, Dacia Duster, Cupra Terramar, Alfa Romeo Junior.

Der Überblick über ihre Stärken und Schwächen der sieben Finalisten bei der Coty-Wahl.

Alfa Romeo Junior: Kommt in Elektro- und Verbrenner-Versionen aus dem Baukastensystem der Stellantis-Gruppe (Peugeot, Citroën, Fiat etc.) und hat seinen Stil gefunden. Der Alfa Romeo Junior Veloce stellt das elektrische Top-Modell dar. 207 kW (280 PS), Sportbremsen, Tieferlegung, mechanisches Torsen-Sperrdifferential an der Vorderachse sind selbstverständlich. Die Ingenieure werden nicht müde zu betonen, wie sie Rohkomponenten aus dem Baukasten weiterentwickelt und speziell für Alfa adaptiert haben. Der elektrische Alfa Romeo Junior Veloce ist einfach zu handeln, besser als der Hybrid, auch, weil das ESP früher eingreift. Das E-Modell reagierte in einem ersten Test empfindlich auf Kälte, was die Reichweite betrifft.

Citroën ë-C3/C3: Auch eines der günstigsten E-Autos, eben der Citroën ë-C3 kann punkten – mit seinem sicheren, allgemeinen Verhalten. Dass er ein bissl poltert, dass er bei 90 Windgeräusche bekommt, haben wir in den ersten individuellen Tests schon erfasst. Wichtigstes Argument bei der Elektro-Ausgabe: Der Elektro-C3 kommt auf 24.900 Euro (Basis, ohne Förderung). Reichweite bis zu 320 Kilometer nach WLTP und Schnellladen mit bis zu 100 kW. Beim Handling zeigt sich ein ähnliches Verhalten zwischen Verbrenner und E-Version. Beim Verbrenner fällt die schwergängige Lenkung bei schnellen Ausweichmanövern auf.

Cupra Terramar: Die Spanier konzentrieren sich auf den Terramar, der Tiguan mit Testosteron. Cupra erwischt den Zeitgeist mit Hybriden und Verbrennern, samt Sportfahrwerk und direkter Lenkung. Fahrerisch kommt er seinem elektrischen Kollegen Tavascan sehr nahe, wobei das ESP sich bei schnellen Ausweichmanövern überraschend zurückhält. Auch der Federungskomfort ist spürbar straffer als erwartet. Beim Plug-in-Hybrid geht man von einer E-Reichweite von über 100 Kilometern aus, geladen kann bis 50 kW werden – die Brückentechnologie zur E-Mobilität.

Dacia Duster: Der neue Dacia, Duster hat nix mit dem alten Namen zu tun. Dacia ist sich selbst entwachsen, das Image abgestaubt, irgendwie hat man das Lebensgefühl erahnt und baut dafür Autos, die günstig, aber nicht mehr billig sind. Und man steigt in Zeiten, in denen man jeden Cent umdrehen muss, bei rund 20.000 Euro ein. Mit ein paar kleinen Kompromissen, die damit einhergehen – aber trotzdem Standards in dem Segment setzen – so haben wir den ersten Test zusammengefasst. Kunststoffe sind überall im Einsatz, diesmal teilweise im Recycling-Modus innen wie außen. Interessantes Detail am Rande: das Auto-Bett namens „Sleep Pack“, das als Extra zu ordern ist. Fahrerisch? Bei Ausweichmanövern ergibt sich ein klares Untersteuern, der Duster ist relativ weich abgestimmt, ESP-Unterstützung könnte bei hohen Geschwindigkeiten/Ausweichmanövern stärker sein. Im niedrigeren Speed-Bereich leistet es gute Arbeit.

Hyundai Inster: Rein elektrisch, keep it simple. Zwei Motor-, zwei Akkuvarianten, Reichweiten zwischen 300 und 350 Kilometern. Beim Elchtest – also bei schnellen Ausweichmanövern/Lenkbewegungen – eine kleine große Überraschung. Für den kurzen Radstand (2,58 Meter, bei einer Länge von 3,83 m) überraschend gut abgestimmt, ein bissl Untersteuern, das war‘s, denn das elektronische Stabilitätsprogramm arbeitet gut, auch knapp jenseits von Tempo 70. Witzige Ideen und Einfälle gibt‘s auch: Etwa die hintere Sitzbank ist längs verschiebbar, so findet man ein bissl mehr Platz. Preis? Man kann sich bei rund 27.390 Euro (offizieller Startpreis ohne Förderung, es gibt aber auch Angebote, damit man mit Förderung knapp unter 20.000 Euro kommt) orientieren, eine Vielzahl an Assistenzsystemen ist mit an Bord.

Kia EV3: Kia bringt Elektro-High-Tech und eigenständiges Design in die Klasse der 4,30-Meter-Autos. Gutes Platzangebot, entspannte, relativ kommode und weiche Federung, das Auto ist eine Relaxing-Zone. Unaufgeregt gut, auch wenn er sich bei gröberen Fahrbahnunebenheiten ganz feine Wankbewegungen nicht verkneifen kann. Beim Elchtest bleibt er relativ lange cool, erst jenseits der 70 ist das elektrische Stabilitätsprogramm im Verzug. Reichweiten bis 600 Kilometer (17 Zoll-Räder, 81,4-kW-h-Akku) runden den EV3 ab. Bidirektionales Laden ist dabei, der EV3 könnte auch als Akku verwendet werden und Energie ins Stromnetz/Haus liefern. Robuste Batterie, auch bei kälteren Temperaturen.

Renault 5/Alpine A290: Beide rein elektrisch auf derselben Plattform. Der R5 ist der sentimentale Favorit, Renault-Chef Luca de Meo hat den 5er (3,92 m lang) wiederbelebt, und beim sportlichen A290 einen ambitionierten Sportler auf der Plattform entwickeln lassen. Was den R5 betrifft: Fahrerisch ganz stark, genauso wie beim Abrollkomfort. Agiert auch beim Elchtest sicher, gute Lenkung, im Extrembereich wäre ein Alzerl mehr ESP gut. Zwei Batterien (40 und 52 kWh), bis zu 400 km Reichweite, perfektes Google-Multimediasystem mit Dutzenden Apps. Kritikpunkt: Im Fonds fehlt es an Kniefreiheit. Die ersten Modelle mit gehobenen Ausstattungslevels bewegen sich in der 35.000 Euro-Region (ohne Förderung). Der Preisbrecher mit Basisausstattung kommt (mit Förderung bei rund 21.000 Euro). Der R5 e-Tech kann als Stromspeicher verwendet werden und als Energiespender samt Netzeinspeisung. Ein Manko: Batterie reagiert sensibel auf kalte Temperaturen.

Für Österreich sitzen bei der Coty-Wahl in der Jury: Susanne Hofbauer (Autorevue), Michael Andrusio (Kurier), Didi Hubmann (Kleine Zeitung).