Es sind nur wenige Stufen im Volksheim Köflach, die in den Keller führen. Und doch ist es eine eigene Welt, die man über die Stiege betritt: Dutzende halbnackte Männer und Frauen mit gestählten Körpern sind auf engstem Raum versammelt: Während einige Posen üben oder Liegestütze machen, steht der Wiener Oto Soukup still. Ein Betreuer bemalt seinen Körper mit einer Farbrolle – der künstliche dunkle Teint soll für die Show makellos wirken.

112 Athleten am Start

Am Samstag wurde erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt ein großer Bodybuilding-Bewerb im Bezirk ausgetragen, 112 männliche und weibliche Athleten traten bei den „Austrian Open“ in mehreren Kategorien an. Organisiert wurde die internationale Veranstaltung, bei der es auch eine Wertung für Rollstuhlfahrer gab, von Walter Stückler: „Mein Schützling Martin Benedikt sollte noch einen Auftritt als Lokalmatador haben, bevor wir am Mittwoch zur Weltmeisterschaft nach Kalifornien fliegen.“

Rund fünf Stunden dauerte die Körperkult-Show, der Ablauf war aber in fast jeder Kategorie gleich: Die Athleten standen in einer Reihe auf der Bühne und zeigten Pflichtposen, bei denen etwa die Bizeps-, Rücken- und Beinmuskeln besonders betont wurden. Immer wieder gab es Zurufe der Betreuer: „Aufrechte Haltung und ausatmen!“ oder „Komm jetzt, Hintern mit aller Kraft anspannen!“. Anschließend präsentierten die Teilnehmer eigene Choreographien.

Symmetrie und Muskelgröße

Jubeln durften am Ende zwei Weststeirer: Der Voitsberger Stefan Probst gewann die Fitness-Klasse und die „Newcomer“-Wertung, der Bärnbacher Martin Benedikt wurde unter anderem als bester Athlet des Abends ausgezeichnet. Entscheidend war dafür nicht nur die Größe der Muskeln, sagte Hauptschiedsrichter Stefan Kienzl: „Wir beurteilen etwa auch die Körpersymmetrie.“ Neben der Fett- sei auch die Wasserfreiheit des Körpers entscheidend: „So wird die Muskelfaserung besser sichtbar.“

Dementsprechend hart war die Vorbereitung für Benedikt: „Ich trainiere bis zum Muskelversagen. Um das durchzuhalten, nehme ich täglich 6000 Kalorien zu mir.“ Seine Ernährung folge strengen Regeln. „Seit einem Jahr habe ich zum Beispiel weder ein Stück Pizza gegessen noch einen Schluck Alkohol getrunken – aber wenn die WM vorbei ist, gönne ich mir ein Steak.“