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Sommergespräch aus der WeststeiermarkHaselsteiner: "Zwischen Glücksmomenten und Phasen großer Sorgen"

Hans Peter Haselsteiner, der bei Remus-Sebring eingestiegen ist, über seinen Antrieb, den Zwölf-Stunden-Tag, Preisabsprachen, die Freimaurer und seine Vision von einer Grundsicherung.

Chef von rund 70.000 Beschäftigten: Unternehmer Hans Peter Haselsteiner © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Warum sind Sie bei der Remus-Sebring eingestiegen und läuft alles zu Ihrer Zufriedenheit?
Hans Peter Haselsteiner: Es war eine Gelegenheit, zu der man nicht Nein sagen konnte. Ich bin mit dem Investment sehr zufrieden.

Sind dort in nächster Zeit Änderungen geplant?
Na ja, keine Ungewöhnlichen, aber wir schauen, welche Möglichkeiten des Wachstums es gibt. Bedauerlicherweise können wir in der Steiermark nicht weiter wachsen, weil der Arbeitsmarkt zu trocken ist. Wir kriegen keine Facharbeiter. Aber das ist andererseits ein gutes Zeichen. Mehr wie Vollbeschäftigung kann sich kein Land wünschen. Besser so, als anders.

Haben Sie sonst noch einen Bezug zur Weststeiermark, zu den Lipizzanern?
Nein, zur Weststeiermark nicht. Meine Frau hat in der Südsteiermark einen kleinen Bauernhof. In der Nähe von Großklein.

Was treibt einen der reichsten Männer Österreichs noch an?
Hmh. Dasselbe, was auch andere Menschen antreibt. Wenn man einen gewissen Ehrgeiz hat und Gestaltungswillen, ist das ein Geschenk und Antrieb genug.

Sind Sie lieber auf der Straße oder mit der (West)Bahn unterwegs?
Na ja, eigentlich wenn ich die Wahl habe und es vernünftige Entfernungen sind, dann fast lieber auf der Schiene. Aber überwiegend bin ich in der Luft unterwegs.

Was ist purer Luxus für Sie?
Purer Luxus... (zögert). Luxus ist immer noch etwas Materielles. Für mich in verschiedenen Situationen nicht darauf achten zu müssen, was es kostet. Also beispielsweise bei der Auswahl einer guten Flasche Wein oder beim Ankauf eines Kunstwerks oder beim Buchen eines Urlaubshotels.

Sie engagieren sich im Stillen für wohltätige Zwecke: Was sind Ihre jüngsten Projekte?
Wir bauen für Concordia zwei Projekte, eines in Rumänien, eines in Bulgarien. Einmal eine Schule, einmal ein Tageszentrum. Ich habe in meiner Haselsteiner-Familien-Privatstiftung ein Statut, wonach 51 Prozent der Erträge für gemeinnützige bzw. soziale oder kulturelle Zwecke einzusetzen sind und nur 49 Prozent der Erträge der Familie vorbehalten sind. Das ist eine Vereinbarung, die gemeinsam mit meinen Kindern so beschlossen wurde und daraus ergibt sich jetzt Gott sei Dank eine jährliche Dotation für kulturelle oder soziale Vorhaben.

Einerseits finanzieren Sie Unterkünfte für Obdachlose, andererseits haben Sie über Ihre Stiftung die teuerste Wohnung Wiens erworben. Wie passt das?
Ich glaube nicht, dass es die Teuerste ist, weil drei Wohnungen zusammengerechnet wurden und die sind teuer genug. Eine davon wird einer meiner Söhne nutzen, der seinen Hauptwohnsitz nach Wien verlegt und ich habe ihn, seine Frau und vor allem meinen Enkel damit ein bisschen verwöhnt und sehe keinen Widerspruch zu meinem Engagement für Obdachlose.

Sind Männerbünde wie die Freimaurer – Sie sind bekennendes Mitglied – noch zeitgemäß?
Das müssen die Brüder und die Freunde bei den Rotariern oder Lions selber beurteilen. Ich glaube, solange es diese Bünde gibt und ihre Mitglieder dazu stehen, sind sie auch zeitgemäß. Jemandem von außen steht ein Urteil darüber nicht zu.

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Was würden Sie Jungunternehmern raten?
Immer das Gleiche: Mache nur das, wofür du brennst, wofür du das größte Interesse hast. Versuche ja nicht, ein Opfer fürs Geldverdienen auf dich zu nehmen, sondern mach das, was du von dir aus gerne machst, ohne dich zu belasten. Das gilt für alle Bereiche und jeden Beruf.

Wie lebt es sich mit der Verantwortung für rund 70.000 Mitarbeiter?
Da gibt es Glücksmomente, aber auch Phasen großer Sorge. Und das ist ein Ausgleich. Nichts ist nur einseitig. Diese Verantwortung ist etwas, an das man sich gewöhnen muss.

Zwölf-Stunden-Tag: Ja oder nein?
Die Möglichkeit zwölf Stunden legal arbeiten zu dürfen, ist sowohl für Unternehmer, als auch für Mitarbeiter im höchsten Maß wünschenswert. Es muss allerdings eine faire Regelung sein und diese sollte nicht erlauben, dass Unternehmer über die Flexibilisierung hinaus weitere unbezahlte Vorteile erzielen können.

Was fällt Ihnen zum Thema Preisabsprachen und Hausdurchsuchungen ein?
Das ist ein ernst zu nehmender Vorwurf, den wir gemeinsam mit den Behörden prüfen werden. Es ist nicht im Interesse der bauausführenden Firmen, dass Preisabsprachen stattfinden. Die gegenständlichen haben offensichtlich an einem weitverzweigten Ästchen in der Peripherie stattgefunden, wo die Überprüfung schwierig ist. Dort sind die Konkurrenten gleichzeitig Freunde, Mitglieder im selben Chor und in derselben Saunarunde. Trotzdem ist es ihnen verboten, sich abzusprechen, aber offensichtlich wird dieses Verbot nicht immer beachtet.

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Gibt es irgendeine politische Funktion, die Sie noch gern ausüben würden?
Nein, gar keine.

Ihre Meinung zur Politik?
Ich bin immer noch ein Wartender. Das, was bisher gezeigt wurde, ist noch nicht ganz ausreichend, um beurteilen zu können, ob diese Regierung zu Recht oder zu Unrecht gewählt wurde.

Sind Sie enttäuscht vom Abgang von Matthias Strolz?
Enttäuscht bin ich nicht, er hat das ordnungsgemäß gemacht. Ich bedaure, dass er geht, aber das Bedauern wird abgelöst von der Überzeugung, dass es Beate Meinl-Reisinger hervorragend machen wird und die Partei durch diesen Wechsel durchaus prosperieren kann und nicht zurückfallen wird.

Welche Träume oder Visionen würden Sie noch gern verwirklichen?
Abgesehen von den Dingen, die ich am Laufen habe, dass ich die Westbahn zum Erfolg führen möchte, dass ich das Künstlerhaus beleben und dort ein Museum für zeitgenössische Kunst einrichten möchte, werde ich mich mit einem Thema im besonderen Maße befassen und das ist die Grundsicherung. Ich glaube, dass wir den Erhalt unseres gesellschaftlichen Ausgleichs, den sozialen Frieden, nur mit einer Grundsicherung in irgendeiner Art gewährleisten können. Die jetzigen Systeme sind nicht zukunftsfähig, weil sie allein lohn- und gehaltsabhängig dotiert werden und diese Basis wird uns wegbrechen.

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Ihre Lösungsansätze?
Die Grundsicherung ist eine Antwort darauf: nicht mehr nur sozialversichert, sondern auch grundgesichert. Die Idee ist einfach: Jeder Mensch kriegt einen gewissen Sockel, aber nicht ausreichend für ein bequemes Leben, das er sich wünscht, sodass er auf dieser Basis aufbauen muss, um sich den Standard zu erwirtschaften, den er sich vorstellt. Über dieses Thema, dem ich mich verstärkt widmen möchte, wird noch viel zu wenig diskutiert, daher ist es die erste Aufgabe dafür eine Öffentlichkeit zu bekommen.

Woran glauben Sie?
An Fairness und an das Gewissen eines jeden Menschen.

Verraten Sie uns eine Ihrer Schwächen, so Sie welche haben?
Ach, ich bin extrem ungeduldig.

Was macht Sie glücklich?
Meine zwei Enkelkinder. Bub und Mädchen, 18 und acht Monate alt.