Das Begräbnis seines Großvaters ließ den Gedanken in ihm keimen, eine Sammlung an regionstypischen Totenliedern anzulegen. Damals hat der Stallhofener Männergesangsverein ein uraltes Trauerlied zum Besten gegeben. Beim „Furt aus meiner Kammer“ bekommt der 29-jährige Musiker Lukas Maier heute noch Gänsehaut, „und als ich damals dieses Lied gehört habe, war ich so ergriffen, das war so intensiv und wunderschön, dass ich wusste, das darf man nicht vergessen“.
„Pfiat di Gott“
So entstand die Idee zu einem auf den ersten Blick seltsamen Projekt, das er „Pfiat di Gott“ nannte. Zu diesem Zweck besucht der Weststeirer aus Söding-St. Johann Begräbnisse, um dabei vorgetragene Totenlieder aufzunehmen. „Bisher war ich in Stallhofen und in Ligist unterwegs und habe insgesamt zwölf solcher Lieder aufgenommen“, berichtet er, „mein Ziel ist es aber, von Übelbach bis Deutschlandsberg den Westen der Steiermark abzugrasen“.
Aufnahmen bei Begräbnissen
Ein wichtiges Anliegen ist ihm dabei, die Trauer-Zeremonie nicht zu stören bzw. gar nicht aufzufallen. „Es geht mir nicht ums Event, ich will auf keinen Fall im Mittelpunkt stehen. Es geht einzig und allein um das alte Kulturgut, an das ich erinnern will, das typisch weststeirische Liedgut soll für die Nachwelt erhalten bleiben.“ Der Musiker nimmt zu diesem Zweck im Vorfeld eines Begräbnisses Kontakt mit der Trauergemeinde auf und schildert sein Vorhaben. Die bislang aufgenommenen Lieder machen ihn stolz. „Das ist auch volkskundlich enorm spannend, denn teilweise handelt es sich ja um Musikstücke, die schon außerhalb der jeweiligen Gemeinde niemand mehr kennt.“
Totenlieder-Sammlung im Internet
Die komplexe Materie der Rechtefrage umgeht Maier damit, indem er das aufgenommene Liedgut ab 2024 auf der Homepage www.pfiatdigott.at (noch nicht aktiviert) gratis zum Download zur Verfügung stellt. Danach sei aber vieles möglich, von der CD-Produktion bis hin zu einem Buchprojekt. Diese Sammlung betreibt Maier derzeit noch als Hobby, beruflich ist er aber in ganz anderen Sphären unterwegs. Jeden Dienstag tritt er als Barmusiker mit seiner Gitarre im Gatto im Museum auf. Die Wochenenden sind als Mitglied der dreiköpfigen Partyband „Schickeria“ praktisch ausgebucht. Anfragen zur Totenliedsammlung nimmt er gerne unter office@lukasmaier.at entgegen.