AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

"Das STS-Ende hat mich sehr mitgenommen"

STS-Sänger Schiffkowitz ist in Sinabelkirchen aufgewachsen. Ein Sommergespräch über Heimat und das Ende der Band.

© Brugner
 

Sie haben mal gesagt: "Ich schreibe am besten, wenn ich auf Reisen bin". Waren das stets die obligaten Griechenland-Aufenthalte, oder haben Sie auch von woanders Liedtexte mit nach Hause gebracht?

SCHIFFKOWITZ: Ich gehöre zu jener Sorte Mensch, die von Fernweh geplagt werden. Immer, wenn ich unterwegs bin, geht's mir gut. Die Insel Kreta ist für mich ein jährlicher Fixpunkt. Seit mehr als 25 Jahren reise ich regelmäßig dorthin. Zuerst gab es in dem kleinen Ort, wo ich immer bin, nicht einmal Strom. Mittlerweile ist auch dort der Tourismus eingezogen. Aber auch auf Bali habe ich etliche Songs für mein erstes Soloalbum "Er selbst" geschrieben.

In Ihrem Song "Heimat" heißt es: "Frag mi net was Heimat is, i kann dir das net sag'n, i waß nur für mi, ma kann mehr als eine hab'n." Wie würden Sie den Begriff Heimat definieren?

SCHIFFKOWITZ: Am schönsten hat das für mich mein Freund Willi Resetarits ausgedrückt. Er hat auf Kroatisch eine Zeile im Lied geschrieben. Da heißt es: "Domovina je, kad si mi zajacimo", auf Deutsch: "Heimat ist, wenn wir miteinander singen".

Sie sind in Sinabelkirchen aufgewachsen. Besteht heute noch ein Nahverhältnis?

SCHIFFKOWITZ: Eigentlich nicht. Der Kontakt beschränkt sich auf einen Uraltfreund, der in Sinabelkirchen wohnt. Früher haben wir einige Male in der Kulturhalle mit STS vor dem Beginn unserer Konzerttourneen geprobt. Dabei ist öfter der eine und andere Bekannte oder Freund aus Jugendtagen zum Zuhören gekommen. Dabei haben wir alte, gemeinsame Erinnerungen ausgetauscht.

Sie waren in Ihrer Jugend Ministrant und spielten angeblich sogar mit dem Gedanken, die Priesterlaufbahn einzuschlagen. Möchten Sie mit der Musik die Welt ein kleines Stückchen besser machen?

SCHIFFKOWITZ: Mit dem Gedanken Priester zu werden, habe ich mich tatsächlich beschäftigt. Er nahm aber nie ernsthaft Form an. Was die Musik betrifft, hasse ich es, mit erhobenem Zeigefinger das Publikum belehren zu wollen. Um etwas zu bewirken oder zu bewegen, muss das über die Gefühlsebene erfolgen.

Können Sie uns verraten, wie Sie als Helmut Röhrling zu Ihrem Künstlernamen Schiffkowitz gekommen sind?

SCHIFFKOWITZ: Den habe ich meinem Freund Boris Bukowski zu verdanken. Wir sind an einer Baustelle vorbei gegangen und auf einem Schild war der Architekt angeführt. Er hieß Helmut Zsifkovits. Da ich damals vorgegeben habe, Architektur zu studieren, und unsere Vornamen ident waren, meinte Bukowski, das würde passen, aber in deutscher, statt kroatischer Schreibweise. Und ohne Vorname, so wie Donovan. Das Lustige ist, dass ich Donovan später kennengelernt habe und mit ihm gemeinsam ein Duett auf meinem zweiten Solo-Album gesungen habe.

Sie kennen die Niederungen des Musikgeschäftes, indem Sie eine Zeit lang als Straßenmusiker in Zürich gespielt haben. War das ein hart verdientes Brot?

SCHIFFKOWITZ: Weil ich damals nie Geld hatte und ein Freund, der in Zürich lebte, mir von der blühenden Straßenszene vorgeschwärmt hat, habe ich mein Glück in der Schweiz versucht. Neben den Gauklern und Zauberern, die dort öffentlich aufgetreten sind, war ich auf verlorenem Posten. Für einen Typen mit einer Gitarre wie mich hat sich niemand interessiert. Schließlich bin ich mit Schulden, die ich bei meinem Freund gemacht hatte, wieder heimgefahren.

Sie waren vor der STS-Erfolgsgeschichte unterwegs durch die Vereinigten Staaten. Die literarische Ausbeute dieser mehrmonatigen Reise war ein Buch mit dem Titel "Wir sind die, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben". Was hat es damit auf sich?

SCHIFFKOWITZ: Ich habe in den 1970er-Jahren als freier Journalist gearbeitet. Die Intention dieser Reise war, einige Persönlichkeiten aus der 1968er-Generation, die für mich eine große Bedeutung hatten, zu interviewen. Es hat viel Hartnäckigkeit bedurft, um über tausend Umwege an die Leute heranzukommen.

Vor Kurzem erklärten Sie gemeinsam mit Gert Steinbäcker und Günter Timischl öffentlich das endgültige Aus von STS. Können Sie dazu noch etwas sagen?

SCHIFFKOWITZ: Es ist ein großes Pech, dass mein Freund Günter aufgrund einer Schulterarthrose nicht mehr spielen kann. Mit diesem abrupten Ende hatte ich nicht gerechnet. Wir hatten für kommendes Jahr fix eine kleinere Konzerttournee geplant gehabt. Mehr will ich darüber nicht sagen, weil mich das emotional sehr mitgenommen hat.

STS ist definitiv Geschichte. Musiker sind aber nicht für den Ruhestand geschaffen. Haben Sie noch musikalische Zukunftspläne?

SCHIFFKOWITZ: Jetzt heißt es erst einmal Abstand gewinnen. In meinem Alter muss man nichts mehr beweisen. Auf Teufel- komm'-raus werde ich nichts erzwingen. Mal schauen, ob mir noch etwas Gutes einfällt.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren