Zwei Weltkriege, Wirtschaftskrisen und eine Pandemie hat das Kaufhaus Michael Wagner in Markt Hartmannsdorf überstanden. Heuer feiert es sein 135-jähriges Jubiläum.

Heidrun Wagner, die Urenkelin des Firmengründers Michael Wagner, führt es seit 2011 in vierter Generation. „Mein Vater hat die Geschäftsführung erst an mich übergeben, als er 80 war“, erzählt die 48-Jährige, die schon im Volksschulalter fleißig im Familienbetrieb mithalf.

Das Kaufhaus Michael Wagner befindet sich in Markt Hartmannsdorf und feiert heuer 135-jähriges Jubiläum
Das Kaufhaus Michael Wagner befindet sich in Markt Hartmannsdorf und feiert heuer 135-jähriges Jubiläum © KLZ / Nicole Stranzl

„In der Früh haben meine Geschwister und ich Stollwerck- und Himbeerzuckerl verteilt“, erinnert sie sich. Bei den Lebensmitteln ist der Schwerpunkt klar auf Regionales ausgerichtet. „Wir haben viele aktive und auch junge Bauern“, erzählt Wagner. Aus Markt Hartmannsdorf, Studenzen oder Ottendorf an der Rittschein bezieht das Kaufhaus die Produkte.

Angefangen bei regionalen Säften über Honig bis hin zu Bohnen gibt es in der „Bauernecke“ alles, was das Herz begehrt. Auch Kaffee aus Ludersdorf oder Felber-Schokolade gibt es.

Eine Feinkostabteilung, Geschenkartikel, Büro- und Schulbedarf, eine Bücherecke und Textilien bietet der Traditionsbetrieb auf rund 250 Quadratmetern. Ganz nach dem Motto von Wagners Opa: „Wir haben alles, was Sie brauchen. Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht.“

Am meisten werden Lebensmittel verkauft, verrät Heidrun Wagner. Im Textilbereich stammt die Kundschaft aus der gesamten Steiermark und auch aus dem Burgenland. Vereine lassen sich mit Stutzen, Schürzen, Tüchern und Hemden ausstatten, etwa der Musikverein Markt Hartmannsdorf, erzählt Wagner, die mit zwei lokalen Schneiderinnen zusammenarbeitet.

Vor rund zehn Jahren kam außerdem der Post-Partner dazu. Es können nicht nur Briefe und Pakete aufgegeben und Bankgeschäfte erledigt werden, auch Verpackungsmaterial steht zur Verfügung.

Großer Konkurrenzkampf

Kaufhäuser wie Wagners gibt es heute nicht mehr viele. Große Handelsketten oder Online-Riesen wie Amazon stellen für sie eine große Konkurrenz dar. Wie es das Traditionsunternehmen trotzdem schafft zu überleben? „Dank unserer Kundenbindung und unserer Vielfalt“, meint Wagner. Die Gewinnspanne sinkt jedoch: „So viel wie früher kann man heute nicht mehr draufschlagen.“

Flexibilität ist gefragt, etwa wenn Lieferanten wegfallen und die Unternehmerin umdisponieren muss. Mit Personalproblemen habe sie im Kaufhaus jedoch nicht zu kämpfen. „Ich hab ein super Team, auf das ich mich verlassen kann“, schwärmt die Unternehmerin über ihre Mitarbeitenden.

Wagner mit ihrem Team
Wagner mit ihrem Team © KK

Was sich über die Jahre verändert hat? „Wir haben weniger Geschirr wegen der Möbelhäuser und weniger Eisenware und Lacke wegen der Baumärkte.“ Auch in den Räumlichkeiten hat sich einiges getan: „Wir befinden uns hier im Neubau“, sagt Wagner vor der Textilwand. „Er ist drei oder vier Jahre alt. Wir haben ein rund 200 Jahre altes Haus renoviert, das hatte noch einen Lehmboden und eine Decke aus Schilf.“

Ebenso recht neu: Der Getränkehandel inklusive Mietinventar samt Kühlanhänger. „Im Sommer vermieten wir ihn wöchentlich für Feste und Feiern“, erzählt Wagner. „Wir bitten die Leute, früh genug zu reservieren.“ Termine von größeren Festen von Vereinen werden bereits zu Jahresbeginn fixiert.

Im Sommer wird der Kühlanhänger wöchentlich gemietet
Im Sommer wird der Kühlanhänger wöchentlich gemietet © KLZ / Nicole Stranzl

Ob auch schon die fünfte Generation am Start steht? Das werde sich erst zeigen, so Wagner, deren Kinder 22 und 25 Jahre alt sind, jedoch beruflich andere Wege anstreben. „Aber vielleicht die Nichten oder Neffen“, meint sie. Die nächsten Jahre hat die Geschäftsfrau das Zepter in der Hand, was sich dann ergibt, werde sich zeigen.