Sommergespräch aus der WeststeiermarkSchauspieler Harry Lampl: "Ich habe noch nicht vor, aufzugeben"

Der Schauspieler Harry Lampl pendelt zwischen Hamburg und St. Ulrich im Greith. Der Südweststeirer über den harten Job, Zukunftspläne - und was er statt dem jugendlichen Liebhaber künftig spielen möchte.

Schauspieler Harry Lampl © Wallner
 

Auf dem Hof der Eltern in St. Ulrich im Greith Sommertheater zu spielen, scheint eine nette Abwechslung zu sein.
HARRY LAMPL: Auf alle Fälle, es ist bei mir ein Fixpunkt. Schon das achte Jahr stellen wir als Theaterkollektiv in kürzester Zeit eine Superproduktion auf die Beine. Es macht viel Spaß, mit meinem Bruder als Regisseur, meiner Schwester und anderen Profis zu arbeiten.


In einer Biografie ist zu lesen, dass Sie am heimatlichen Bauernhof auch zupacken. Echt oder nur Koketterie?
Hundertprozentig echt! Solange die Sonne scheint, wird bei uns am Bauernhof gearbeitet. Ich bin im Frühjahr hier, um beim Weingartenschneiden zu helfen, im Herbst steht die Erntezeit an. Da ich viel fürs Fernsehen mache, habe ich immer wieder Freizeit zur Verfügung.


Ihr Lebensmittelpunkt liegt in Hamburg. Was bietet die Hansestadt dem Schauspieler Lampl?
Ich bin auch der Sprache wegen weggegangen. Hamburg bietet außerdem eine coole Filmszene mit jungen Regisseuren. Im St. Pauli Theater habe ich ebenfalls gespielt. Auch beim NDR gibt es immer wieder Aufträge für mich. Ich bin erst kürzlich von den Dreharbeiten der Kinderserie „Die Pfefferkörner“ zurückgekommen, darin spiele ich einen Bösewicht.

Einer von Lampls Auftritten im Fernsehfilm „Kreuz des Südens“ mit Lukas Resetarits Foto © ORF (Petro Domenigg)


Das Schauspielerleben ist kein Honiglecken. Würden Sie das unterschreiben?
Es ist immer ein Kampf. Es muss halt eine Rolle für einen 25- bis 35-jährigen Schauspieler sein, da muss man sich gegenüber den anderen Bewerbern durchsetzen. Wenn man Sicherheit im Leben haben möchte, sollte man die Finger davon lassen. Ich für meinen Teil würde die Schauspielerei gegen nichts anderes eintauschen. Man hat die Chance, sich jeden Tag mit Theater, Film oder Fernsehen auseinanderzusetzen, das ist einfach super.


Erzählen Sie uns etwas über Ihren Durchbruch.
Ich habe bisher einen Preis bekommen, das war 2007 der Schauspielpreis der Jury beim 12. Internationalen Filmfestival der Filmakademie Wien für die Mitwirkung in meinem allerersten Spielfilm „Harz“. 2009 kam die erste Hauptrolle im Kinofilm „Blutsfreundschaft“ mit Helmut Berger. Der Film lief auf der Berlinale. Danach ging es im TV los, mit Tatort, Soko Donau, Soko Kitzbühel. Nicht zu vergessen die Kinofilme „Gehen am Strand“, „Die Werkstürmer“. Es ist gut gelaufen, ich muss auf Holz klopfen.


Als Ihre Tochter 2016 zur Welt kam, haben Sie eine Auszeit genommen. Eher die Ausnahme in Ihrem Geschäft.
Es war nur eine kurze Auszeit, aber auffällig, weil ich das erste Mal nicht beim Sommertheater mitgemacht habe. Was mir an meinem Beruf noch gefällt: Wenn ich nicht drehe, bin ich auch ganztags daheim und für die Familie da.

Zur Person

Harry Lampl, 1987 in Graz geboren, nach der Matura Physikstudium und Start als Schauspieler. Er pendelt zwischen Hamburg und St. Ulrich im Greith.


Er spielt jährlich mit dem Theaterkollektiv Vitamins of Society. TV: u. a. Kreuz des Südens, Episodenrollen in SOKO Kitzbühel und SOKO Donau, Schnell ermittelt, Das Romeo-Prinzip, Das Geheimnis der Hebamme und im Landkrimi Steirerkind


Filme: u. a. Blutsfreundschaft, One way Trip 3D, Die Werkstürmer, Das ewige Leben


Wie sehen Ihre Pläne in naher Zukunft aus?
Jetzt im Sommer gibt es noch das Rostfest in Eisenerz, dann mache ich ehrenamtlich beim Benefizfestival Dead Man Walking mit. Dazwischen geht es heim zu den Pfefferkörnern.


Haben Sie je an einen Berufswechsel gedacht?
Eigentlich bin ich sehr erfüllt von dem, was ich tue. Ich habe noch nicht vor, aufzugeben. Physiker werde ich keiner mehr (hat abgeschlossenes Physikstudium, Anmerkung der Redaktion).


Eine Frage, um die man nicht herumkommt - Ihre Traumrolle?
Früher war das immer der jugendliche Liebhaber. Jetzt wäre ein Tatort-Bösewicht eine herausfordernde Hauptrolle.

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