Schon jetzt ist das Handy an vielen Mittelschulen der Region weitgehend aus dem Schulalltag verschwunden – und mit ihm auch ein großer Teil von TikTok, Snapchat und Instagram. Seit dem allgemeinen Handyverbot an Schulen, das seit Mai des Vorjahres gilt, hat die Nutzung sozialer Medien im Unterricht stark abgenommen. Manche Schulen waren dabei schon deutlich früher konsequent: In der Mittelschule Stainz etwa ist das Handy bereits seit 15 Jahren tabu. „An unserer Schule herrscht schon seit 15 Jahren ein absolutes Handyverbot", sagt Schulleiterin Monika Kiklin. Was Kinder allerdings in ihrer Freizeit konsumieren, könne die Schule naturgemäß nicht kontrollieren.

Gerade dort aber liegt für viele Schülerinnen und Schüler der heikle Punkt. Weniger TikTok oder Instagram wäre für manche wohl verkraftbar – bei WhatsApp hört das Verständnis aber auf. Der Nachrichtendienst, der ebenfalls zu Social Media zählt, spielt im Alltag vieler Kinder eine zentrale Rolle. „Über WhatsApp bin ich in der Freizeit oft mit Freundinnen oder auch den Eltern in Kontakt. Das würde uns Kinder schon sehr treffen", sagt Julia von der Mittelschule Stainz. Ihre Klassenkollegin Finja hätte dazu bereits eine Idee: „Das Nutzen der App sollte schon für unter 14-Jährige zugänglich sein. Vielleicht könnte man hier den Zugang zu den Kanälen auf WhatsApp limitieren.“

Die Mittelschule 1 Leibnitz versucht den Schülern den richtigen Umgang mit sozialen Medien zu vermitteln
Die Mittelschule 1 Leibnitz versucht den Schülern den richtigen Umgang mit sozialen Medien zu vermitteln © KLZ / Barbara Kahr

Die Schulen als Vermittler

Die Schulen treten dabei oft als Vermittler auf. Im Fach „Digitale Grundbildung“ wird den Schülern der richtige Umgang mit digitalen Medien und Technologien beigebracht. „Damit versuchen wir den Kindern die positiven und negativen Aspekte in der digitalen Welt näherzubringen. Wie Social Media dann genutzt wird,, hängt von den Kindern und Eltern ab", meint der Leiter der Mittelschule 1 Leibnitz, Bernd Habjanic. Dem Schulleiter fiel im Alltag auf, dass Jugendliche, die in ihrer Freizeit weniger Social Media konsumieren, im Unterricht konzentrierter und ausgeglichener wirken. „Durch soziale Medien herrscht eine regelrechte Nachrichtenflut, die über Push-Nachrichten am Handy landet. Das verursacht oft Ablenkung und Konzentrationsschwierigkeiten“, meint Habjanic.

Vielen Kindern ist die Problematik der Social-Media-Nutzung bewusst. Ein Verbot wäre für die meisten Schüler nicht schlimm
Vielen Kindern ist die Problematik der Social-Media-Nutzung bewusst. Ein Verbot wäre für die meisten Schüler nicht schlimm © KLZ / Andreas Neumayer

Auch in den Klassenzimmern der Mittelschule Deutschlandsberg ist das mögliche Verbot bereits Thema. „Im Lehrerteam wurde berichtet, dass darüber gesprochen wurde, ein großer Aufschrei aber ausgeblieben ist“, sagt Direktorin Beatrix Janits. Ein Lehrer bringt es knapp auf den Punkt: „Letztlich ist das Sache der Eltern.“

Auch viele Schülerinnen und Schüler sehen ein mögliches Verbot gelassen. „Meine Eltern haben mir zu Hause ein Zeitfenster von 30 Minuten für TikTok erlaubt“, erzählt Tobias. „Ein Verbot wäre für mich nicht schlimm, weil Social Media in der Freizeit schon oft ablenkt.“ Schwieriger wäre für viele hingegen ein Wegfall von WhatsApp. „Das wäre schon ein größeres Problem. Wir schicken uns in Gruppen oft lustige Bilder und tauschen uns auch über die Schule aus“, sagt Schülerin Theresa.

Der Nachrichtendienst WhatsApp ist auch bei Kindern unter 14 Jahren hoch im Kurs
Der Nachrichtendienst WhatsApp ist auch bei Kindern unter 14 Jahren hoch im Kurs © IMAGO

Schulen plädieren für gemeinsames Handeln

An der Mittelschule Lebring-St. Margarethen hat man sich schon mehrfach intensiv mit dem Umgang von Jugendlichen mit Handy und Social Media beschäftigt. Die Schule nahm in der Vergangenheit wiederholt an Projekten teil, die den digitalen Konsum bewusst einschränken sollten. „Wir waren Teil des Handyexperiments, bei dem die Schüler drei Wochen lang auf ihr Mobiltelefon verzichteten. Das Ergebnis war für uns alle positiv. Eltern berichteten mir von einem ruhigen Mittagessen am Tisch“, sagt Direktorin Klaudia Süss-Tscheppe. Das Bewusstsein für die Problematik sei bei den Jugendlichen durchaus vorhanden. „Wenn Eltern, Kinder und Schulen an einem Strang ziehen würden, gäbe es sicherlich viele positive Erkenntnisse rund um Social Media“, so Süss-Tscheppe.