Seit fast sechs Jahren ist das „Regiomobil“ in den Bezirken Leibnitz und Deutschlandsberg unterwegs. Seinen Geburtstag wird das etablierte Mikro-ÖV-System jedoch nicht mehr erleben. Am 31. März ist das zwischen mehr als 3000 Haltepunkten verkehrende Anrufsammeltaxi zum letzten Mal im Einsatz. Danach wird es wie berichtet eingestellt.
Große Beliebtheit
Grund dafür ist keineswegs die fehlende Nachfrage. Rund 260.000 Personen wurden seit der Einführung im Jahr 2020 transportiert, die Tendenz war zuletzt sogar steigend. Besonders beliebt war das Regiomobil bei Personen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind beziehungsweise bei Öffi-Pendlern, die damit die berühmte „letzte Meile“ zurücklegten.
Zu wenig Geld
Dass nun Schluss ist, liegt einzig und allein an der fehlenden Finanzierung. Rund 1,4 Millionen Euro kostete das Gesamtsystem pro Jahr. Viel Geld, das die teilnehmenden Gemeinden aufgrund der angespannten finanziellen Situation nicht mehr alleine stemmen konnten. Alle Versuche, das ebenfalls klamme Land Steiermark an Bord zu holen, scheiterten.
In Sachen Mikro-ÖV bedeutet das für die Bevölkerung der Süd- und Südweststeiermark einen herben Rückschlag. Ein flächendeckender Ersatz ist derzeit nicht in Sicht. Für Teile des Bezirks Leibnitz, insbesondere den Kernraum, zeichnet sich aber eine nahtlose Lösung ab.
Statt dem Regiomobil steht hier ab 1. April das „Remmo Mobil“ als Anrufsammeltaxi zur Verfügung. Dahinter steht die Remmo Group Gmbh, landläufig bekannt als „Taxi Remmo“. Deren Gründer und Geschäftsführer Burhan Remmo nutzte die letzten Wochen, um auf eigene Faust ein Nachfolgemodell auf die Beine zu stellen.
Dazu musste er das Rad nicht neu erfinden. War er doch von Anfang an Teil des Regiomobils und stellte zuletzt auch am meisten Fahrzeuge. „Ich habe gesehen, dass die Nachfrage vorhanden ist. Es wäre schade gewesen, das nicht in irgendeiner Art fortzuführen“, erklärt Remmo.
Versuche, auch andere lokale Taxiunternehmen an Bord zu holen, seien leider gescheitert. Aufgeben war für den 2015 aus Syrien geflüchteten Unternehmer, der am Firmenstandort Leibnitz mittlerweile knapp 50 Mitarbeiter beschäftigt, aber keine Option. In Eigenregie klapperte er zahlreiche Gemeinden ab, um sie von seinem Geschäftsmodell zu überzeugen.
Kernraum ist an Bord
Mit Erfolg: Mehrere Kommunen, darunter Leibnitz, Wagna oder Tillmitsch sind bereits fix an Bord, mit weiteren stehe er kurz vor dem Abschluss. „Mein Ziel ist es, den ganzen Bezirk Leibnitz mit Remmo Mobil abzudecken“, betont Remmo.
Gelingen soll das in erster Linie über den Preis. Vor allem für einwohnerstarke Gemeinden mit hohem Fahrtaufkommen soll Remmo Mobil deutlich billiger werden als das Regiomobil. „Das liegt daran, dass keine Kosten für Verwaltung oder Subunternehmer anfallen, wir machen alles allein“, erklärt Remmo.
Was das konkret ausmacht, rechnet Peter Stradner, Bürgermeister von Wagna, vor: „Das Regiomobil hat uns pro Jahr rund 40.000 Euro kostet, mit Remmo Mobil sind es etwa 18.000.“
5 Euro für 5 Kilometer
Definitiv billiger wird es auch für die Fahrgäste. Fahrten bis fünf Kilometer kosten pauschal fünf Euro, für jeden weiteren Kilometer innerhalb der Bezirksgrenzen werden zwei Euro verrechnet. Verkehrt wird zwischen den bekannten Regiomobil-Haltestellen, bei nachweislicher Beeinträchtigung sind auch Hausabholungen möglich. Die Buchung muss mindestens eine Stunde im Voraus telefonisch oder künftig auch per App erfolgen.