Was in Tirol auf großen Widerstand stößt, ist in der Weststeiermark bereits gelebte Realität: Im Erzherzog Johann Schützenverein Schwanberg-Sulmtal greifen nämlich nicht nur Männer zum Gewehr, sondern auch eine Frau. Yvonne Humpel ist in Uniform und bewaffnet seit der Gründung des Vereins 2017 mit von der Partie. Die Frauenfrage war hier schnell geklärt.
Zu Beginn habe es noch leichten Gegenwind gegeben, schnell änderte sich dieser aber in starken Rückenwind. „Ich werde von meinen Kollegen sehr unterstützt. Sie verteidigen mich als Schützin auch lautstark, wenn es nötig ist gegenüber Kollegen anderer Vereine“, sagt Humpel. Dass so mancher etwa aus Tirol eine andere Meinung über ihre Funktion hat, bestärkt die Weststeirerin aber nur in ihrem Tun.
Tradition für alle
Enttäuschend findet sie das Ergebnis der Abstimmung zu Gewehrschützinnen in dem Bundesland. „Ich bin dafür Traditionen aufrechtzuerhalten, wenn jeder teilhaben kann. War früher Not am Mann, griffen sehr wohl auch Frauen zur Waffe und in der heutigen Zeit ist das normal“, zeigt die 30-jährige Sportschützin auf.
Von den rund 53 Mitgliedern des noch jungen Vereins greifen insgesamt zwölf zur Waffe. Wenn nötig tauscht Humpel aber auch Gewehr gegen Blumenstrauß und schlüpft in die Rolle der Marketenderin. Das komme aber sehr selten vor.
Ausgerückt wird etwa zur festlichen Umrahmung bei Veranstaltungen der Gemeinde, Bräuchen, runden Geburtstagen, Fronleichnamsumzügen oder Erntedankumzügen. „Der Papst hat die Schweizer Garde, unser Pfarrer hat den Erzherzog Johann Schützenverein Schwanberg-Sulmtal“, sagt Oberschützenmeister Peter Theußl mit einem Augenzwinkern. Der gemeinnützige Verein hat zusätzlich den Erhalt und die Restaurierung historischer Denkmäler im Visier.
Mitglied werden könne grundsätzlich jeder. Ab einem Alter von 16 Jahren dürfe man unter Aufsicht auch eine Waffe tragen, sofern kein Waffenverbot vorliege. Die nötige Ausbildung biete der Verein an. „Die Waffen selbst dürfen auch nicht mit nach Hause genommen werden. Sie werden alle von unserem Waffenmeister verwahrt“, erklärt der Oberschützenmeister.
Die Lederhose macht den Unterschied
Gegründet wurde der Verein , um das Brauchtum und die Tradition am Leben zu erhalten. Dass in Tirol die Männerbastion verteidigt wird, kann Theußl nicht nachvollziehen. Der einzige Unterschied zwischen den Schützen und der Schützin in der weststeirischen Kompanie ist die Lederhose. Hier habe es die Vorgabe gegeben, dass die Frau einen Rock tragen muss. Ein Thema, das Humpel bereits im Visier hat. „Die Vorgabe ist ok, glücklich bin ich damit aber nicht. Vielleicht wird sich diese aber noch ändern lassen“, sagt sie. Über mehr Frauen in der Männerbastion würde sich die weststeirische Vorreiterin ebenfalls freuen und hofft, andere zu motivieren.