Nach umfangreichen Ermittlungen gelang es der Kriminaldienstgruppe der Polizeiinspektion Leibnitz eine größere Erpressungsserie aufzuklären. Drei Türsteher sollen Jugendliche und junge Erwachsene beim Ausgehen massiv bedrängt und zur Herausgabe tausender Euro genötigt haben. Ermittelt wird außerdem wegen Raubes und Nötigung. Zwei Verdächtige sind in Haft. Hinweise an die Polizeiinspektion Leibnitz unter 059 133 6160.
Den Ball ins Rollen brachte die Anzeige zweier Jugendlicher nach einem Vorfall im November in einem Nachtlokal in Gralla. Ein Unbekannter sprach damals den 16-Jährigen und seinen Freund (18) vor dem Lokal an und steckte ihnen eine Gratisprobe – ein in Alufolie verpacktes „Briefchen“ mit Drogen – zu.
Von Türstehern am Hals gepackt
Als die Teenager auf der Toilette die „Gratisprobe“ anschauen wollten, waren die Türsteher plötzlich zur Stelle und bedrängten die Teenager. An einen Zufall glauben die Ermittler nicht. „Die Verdächtigen nahmen gezielt Drogenkonsumenten ins Visier.“
Die Securitys – ein russischer Staatsbürger (26), ein 24-jähriger österreichischer Staatsbürger und ein kosovarischer Staatsangehöriger (23) – sollen die Jugendlichen massiv bedrängt, einen Burschen am Hals gepackt und gegen eine Wand gedrückt haben. Dann hätten die Türsteher sie durchsucht, ihnen die Geldbörsen abgenommen und sie zum Ausgang des Lokals „begleitet“.
3000 Euro gefordert
Die Türsteher sollen den Jugendlichen mit der Polizei gedroht haben. Tenor: Es würden ihnen mehrjährige Haftstrafen drohen, der Verlust des Arbeitsplatzes und hohe Geldstrafen. Um das zu verhindern, wollten die Verdächtigen Geld sehen: jeweils 3000 Euro – eine Summe, die keiner der Teenager bei sich hatte.
Daher sollen sie unter Aufsicht eines Türstehers zu einem Bankomaten gebracht worden sein: Je 400 Euro mussten sie sofort beheben. Darüber hinaus seien die verängstigten Burschen genötigt worden, den restlichen Betrag per Express-Überweisung zu bezahlen.
Obendrein drohten die Türsteher mit Gewalt, sollten sie den Vorfall jemandem melden. Zusätzlich wurden die beiden mit dem Päckchen „Gratis-Drogen“ gefilmt. Erst zwei Tage später vertrauten sich die Opfer ihren Eltern an, woraufhin der Vorfall angezeigt wurde.
Zahlreiche weitere Opfer
Im Zuge der Ermittlungen der Leibnitz Kriminaldienstgruppe konnten einige weitere, ähnliche Fälle geklärt werden. Nach bisherigem Ermittlungsstand soll es mindestens 13 weitere Opfer geben. Diese Lokal- bzw. Eventbesucher in Graz und in der Südsteiermark sollen vom Trio unter dem Druck angeblich drohender Haftstrafen genötigt worden sein, Bargeld herauszugeben bzw. zu überweisen.
In mehreren Fällen soll es zu körperlichen Übergriffen und massiven Drohungen durch die drei Tatverdächtigen gekommen sein. Die Opfer dürften häufig beim Drogenkonsum in Nachtlokalen „ertappt“ worden sein. Die Verdächtigen nahmen ihnen Geld, die Bankomatkarten, e-Cards usw. ab.
Russe und Österreicher festgenommen
Am 19. Dezember konnten der 26-Jährige und der 24-Jährige von der Polizei festgenommen werden. Die Tatverdächtigen wurden in die Justizanstalt Graz Jakomini eingeliefert. Der 24-Jährige war umfassend geständig, während der Ältere die Aussage verweigerte. Nach dem 23-Jährigen aus dem Kosovo wird weiter gesucht – er dürfte sich nicht (mehr) in Österreich befinden.
Opfer gesucht
Die Polizei geht davon aus, dass die Anzahl der tatsächlichen Opfer deutlich höher liegt als die bisher bekannt. Betroffene, die ähnliche Vorfälle im Umfeld von Nachtlokalen und Veranstaltungsstätten erlebt haben oder zur Übergabe von Geldbeträgen genötigt wurden, werden ersucht, sich bei der Polizei zu melden. Die Tatverdächtigen dürften vor allem in Gralla sowie in einer Innenstadtdiskothek in Graz aktiv gewesen sein. Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Leibnitz unter 059 133 6160 entgegen.
Raub bei Event
Im Laufe der Ermittlungen stellte sich obendrein heraus, dass das Trio für einen Raub bei einem Event am Schwarzl-Freizeitzentrum infrage kommt. Aktenkundig sind mehrere Fälle von Körperverletzung. Vor den Verhandlungen sollen Zeugen und Opfer bedroht worden sein. Man ermittelt wegen des Verdachts der Nötigung zur Falschaussage gegen Opfer und Zeugen.