Der Thaller ist 200Dieses Kaufhaus hat viel zu erzählen

Der Thaller auf dem Feldbacher Hauptplatz ist 200 Jahre alt. Eine Zeitreise mit dem wohl ältesten Nahversorger der Südoststeiermark.

Um 1900 siedelte das Kaufhaus Thaller an seinen heutigen Standort auf dem Feldbacher Hauptplatz © Johann Schleich
 

Der „Thaller“ gehört zum Feldbacher Hauptplatz wie der schiefe Turm zu Pisa. Und das seit 200 Jahren. In der kommenden Woche zelebriert man im vermutlich ältesten Nahversorger des Bezirks dieses Jubiläum gebührend mit einem mehrtägigen Fest.

Als Matthias Thaller 1818 auf dem Feldbacher Hauptplatz ein Unternehmen gründete, erwarb er die „reale Bäckergerechtsame“ und begann mit einer Bäckerei sowie mit dem Handel von Samen, Salz, Getreide, Mehl, Eier und Bohnen.

Mit dem Fuhrwerk nach Salzburg

Nachdem der Markt Feldbach mit seinem finanzschwachen Einzugsgebiet für eine gesunde Geschäftsentwicklung zu schwach war, begann der umtriebige Unternehmer seine Produkte mit Pferdefuhrwerken nach Graz, in die Obersteiermark, nach Oberösterreich und sogar bis nach Salzburg auszuliefern. Seine Geschäftstüchtigkeit bewies Matthias Thaller schon früh. Er fuhr nämlich nie leer nach Hause. So nahm er bei der Rückfahrt stets Salz, Düngergips und andere rund um Feldbach dringend benötigte Produkte mit. Es dauerte nicht lange, bis er mit der Errichtung eines Gasthauses seinen Geschäftsbereich erweiterte.

 

So sah das Kaufhaus Thaller im Jahr 1956 aus. Foto © KK/Günther Linshalm

In zweiter Generation übernahm Matthias II. 1848 die Firma, die sich in dieser vorwiegend agrarisch ausgerichteten Region, auf den Landesproduktenhandel spezialisiert hatte. Seit Jahrhunderten gehörten Mühlen für die Verarbeitung von Getreide zu unverzichtbaren Einrichtungen. Und so baute Matthias II. 1862 am Rand von Feldbach, am Oedterbach eine Hausmühle.

Wesentlich zur Firmenentwicklung trug 1873 der Bau der Ungarischen Westbahn, die an Feldbach vorbeiführt, bei. Jetzt war es möglich, Waren auch in weit entlegenen Gebieten, wesentlich einfacher als bisher, schneller und in größeren Mengen, zu transportieren. Der Thaller wuchs. Um 1880 besaß die Familie bereits auf beiden Seiten des Hauptplatzes ein Haus.

Standortwechsel zur Jahrhundertwende

Als 1886 Anton I. Thaller den Betrieb übernahm gehörten auch ausgedehnte landwirtschaftliche Flächen zum Unternehmen. Zwei Jahre zuvor wurde Feldbach zur Stadt erhoben, eine Tatsache, die sich auf die junge Stadt wirtschaftlich positiv auswirkte. Um 1900 kam es zu einem Standortwechsel. Man übersiedelte auf die gegenüberliegenden Hauptplatzseite, zum heutigen Standort.

Mit der Erwerbung des Gewerbescheins für den Gemischtwarenhandel weiteten die Thallers ab 1907 ihr Handelsnetz mit Hilfe der Bahnverbindung bis nach Deutschland, Holland, Frankreich, Ungarn und Serbien aus.

 

1968 feierte das Hause Thaller den 150. Geburtstag Foto © Johann Schleich

Obwohl Anton Thaller als Vizebürgermeister im Ersten Weltkrieg die Errichtung des Kriegsgefangenenlagers in Feldbach zuerst mit kritischen Augen betrachtete, zeigte sich bald, dass sich die vielen Arbeiten, die von den Gefangenen verrichtet wurden, für die weitere Stadtentwicklung positiv auswirkten. Die Firma Thaller wurde auch ein wichtiger Heereslieferant von Gütern, die im Lager benötigt wurden.
Die schwierige Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bewältigten die Thallers gut. Und so konnte, trotz wirtschaftlicher- und politischer Krise, 1935 Anton II. Thaller, in vierter Generation das Traditionsunternehmen übernehmen.

Übergabe an die sechste Generation

Er meisterte die Zeit des Zweiten Weltkrieges mit etwas Glück, da das Geschäftshaus am Hauptplatz, mit Ausnahme des Hofteiles, von Granat- und Bombentreffern verschont blieb. „Es folgten zahlreichen Umbauten und Modernisierungen und 1970 kam es zur Einführung der Selbstbedienung.“ schildert Günther Thaller, der mit seiner Frau Herta den Betrieb 1973 übernahm. Die bereits 1818 gegründete Bäckerei bestand bis in den Zweiten Weltkrieg. Die Thallers engagierten sich aber auch kulturell. So gründete etwa Leopodine Thaller 1952 das Feldbacher Heimatmuseum. Nach weiteren Um- und Ausbauten erfolgte im Jahr 2004 die Übergabe der Geschäftsleitung in sechster Generation an Stefan Thaller.

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