Aktuell wird der Bahnübergang der Gleichenbergerstraße in Feldbach saniert. Ein Fokus liegt auf der Lichtzeichenanlage und dem Oberbau der Gleisanlage. Dabei brachten die Sanierungsarbeiten einen sensationellen Gleisfund von der Schmalspurbahn aus dem Ersten Weltkrieg zutage. Es handelt sich um die einzigen erhalten gebliebenen Gleisteile dieser Bahn.
Baumaterial und Kriegsgefangene befördert
Die 60 Zentimeter breite Schmalspurbahn, auch Feldbahn genannt, wurde bereits im Jänner 1915 im Zuge der Errichtung eines Kriegsgefangenenlagers auf Feldbacher und Mühldorfer Gemeindegebiet errichtet. Damit wurden nicht nur Baumaterialien, sondern auch Kriegsgefangene und die Wachmannschaft befördert. Ebenfalls zu dieser Zeit erfolgte der Ausbau des Barackenlagers, in dem zur höchsten Belegzeit 45.000 Gefangene und 5000 Mann der Wachmannschaft in etwa 400 Baracken untergebracht wurden.
Die Bahnlinien führten durch die einzelnen Barackenlagerbereiche vom Steinberg Mühldorf und entlang der Gleichenbergerstraße in das Feldbacher Stadtzentrum. Von dort führte ein Gleisstrang zum Bahnhof und ein Strang über den Hauptplatz durch das Grazertor bis zum Steinbruch in Unterweißenbach.
„Sechserlbahn“ vielfältig genutzt
Im Jahr 1916 wurde vom Bahnhof Feldbach eine zweite Bahnlinie, die Normalspurbahn errichtet. Diese führte in den Bereich der heutigen Pelzfabrik Schmidt und über die Gleichenbergerstraße zum Lokalbahnhof sowie weiter bis nach Oedt. Die zentralen Stellen dieser beiden Bahnanlagen mit Werkstätten, Remisen und Garagen bestanden in der heutigen Franz-Seiner-Gasse und beim Lokalbahnhof.
1917 durchquerten Feldbach bereits elf Dampflokomotiven, eine Benzinlokomotive, 380 Muldenkipper, 40 Kastenwagen, 105 Plateauwagen, 34 Waldbahnwagen, acht Plattformwagen, fünf Personenwagen und fünf verdeckte Verwundetenwagen. Das verlegte Gleisnetz mit 60 Zentimetern Spurbreite war wegen der vielen Querverbindungen 36 Kilometer lang. Aufgrund der Spurbreite wurde die Bahn von den Feldbachern als „Sechserlbahn“ bezeichnet.
Gleisanlagen nach Kriegsende abgebaut
Vom Steinberg Mühldorf und vom Steinberg Unterweißenbach wurde Material in das Lager transportiert. Zur Raab beförderte man die Fäkalien der 50.000 Lagerbewohner. Die im Arbeitslager produzierten Fertigteilbaracken oder Karren, die bei den Kriegsschauplätzen benötigt wurden, transportierte die Bahn zum Bahnhof Feldbach. Von dort aus erfolgte der Weitertransport.
Nach Kriegsende im Jahr 1918 und der Auflösung des Lagers wurden auch die Gleisanlagen abgebaut und die Lokomotiven mit Anhänger hat man aus Feldbach, ohne eine Spur zu hinterlassen, abtransportiert. Dass die gefundenen Schienenteile nicht unbeachtet entsorgt wurden, ist der Aufmerksamkeit des Leiters des Feldbacher Wasserwerkes Gottfried Schanner zu verdanken.