Zu einer besonderen Reise brachen Ernst Prem, Toni Edelmann und Erich Luef am 10. April dieses Jahres auf: Vom östlichsten See Österreichs bis zum westlichsten See wollten sie wandern, jeder nur mit einem Rucksack und Walking-Stöcken ausgestattet.
Los ging es also am Neusiedlersee, genauer gesagt in Rust. Rund 25 Kilometer legten sie pro Tag zurück. „Wir mussten uns natürlich nach dem Wetter und der Unterkunft richten“, berichten die drei Pensionisten.
Die Route hatten sie im Vorfeld grob festgelegt, die Pensionen und Hotels buchten sie jeden Tag kurzfristig. „Die Zimmersuche war fast die größte Herausforderung“, resümiert Prem (63), der vor seiner Pensionierung als Platzwart beim Tennisverein Gleisdorf tätig war. Denn vielerorts waren die „Gehsteige hochgeklappt“ und Unterkünfte geschlossen.
Mangelware Gasthaus
Auch traditionelle, gutbürgerliche Gaststätten sind mittlerweile quer durch Österreich Mangelware, wissen die drei Oststeirer nun. Während sie einmal zu einem eleganten Dinner in einem Hotel geladen wurden, fand sich anderswo gar keine Möglichkeit zu speisen und sie mussten sich als Abendessen eine Flasche Wein teilen. Alle drei betonen aber: „Dort, wo wir gegessen haben, war es aber überall sehr gut!“
Das Mittagessen hatten sie sich schon in Salzburg abgewöhnt, meist gab es einfach keine Möglichkeit. „Ein reichhaltiges Frühstück und ein gutes Abendessen waren uns wichtig“, erinnert sich Luef (64). Auch mit dem Reden hielten sie sich tagsüber zurück, sowohl untereinander als auch mit anderen. Selten wurden sie angesprochen, einmal sogar fotografiert. „Wenn wir mit jemandem ins Gespräch gekommen sind, dann meist mit Gleichgesinnten.“ Ein Teil ihres Weges führte nämlich entlang des bekannten Jakobsweges, auf dem viele Wanderer und Radfahrer unterwegs waren.
Von Sonne bis Schnee
Der Wettergott war ihnen über weite Teile wohlgesonnen. „Nur zum Schluss hin, am Arlberg, gab es dann einen Schneesturm“, berichtet Edelmann (63), der in Gleisdorf lebt. Auch die anderen Teile Österreichs hinterließen Eindruck: „Zu Fuß sieht man alles nochmal anders als beim Vorbeifahren“, sind sie sich einig. Vom Inntal und Ennstal etwa schwärmen sie. Und von vielen schönen Kirchen, die sie auf ihrer Route entdeckt haben.
Zahlreiche Anekdoten lassen sie heute noch schmunzeln. „In so manches Dorf eilte uns unser Ruf als wandernde Vagabunden voraus“, erzählt Prem, der aus Gleisdorf stammt und in Brodersdorf wohnt. Sie erinnern sich an die 92-jährige Wirtin im Burgenland, die ihnen Würstel kochte. Von alten Bekannten, die sie zufällig irgendwo unterwegs trafen. Und von scheinbar endlosen Kilometern entlang der Donawitzer Bundesstraße.
„Wir hatten keine Zweifel“
Und warum das Ganze? Ihr Antrieb war weder spiritueller noch sportlicher Natur. „Wir wollten einfach etwas Außergewöhnliches machen. Nach Mariazell gehen viele, aber unsere Strecke nicht.“ Die physische Vorbereitung fiel dürftig aus, ein paar Probekilometer zu Fuß oder per Rad mussten reichen. Von Zuhause aus verfolgten Familien und Bekannte das Projekt über WhatsApp. „Einige waren skeptisch, ob wir das wirklich schaffen“, erzählt Prem, „wir selbst haben daran aber nicht gezweifelt.“
Mehr als 850 Kilometer später, erreichten sie schließlich am 17. Mai den Bodensee. Nach Hause ging es per Zug - jeder um einige Kilo leichter, dafür mit Vollbart. „Unsere Familien und Freunde haben uns am Bahnhof in Gleisdorf einen Empfang bereitet - sogar mit einem eigenen Song, den die Künstliche Intelligenz über unsere Reise verfasst hat“, berichten die drei Abenteurer.
Apropos Abenteuer – steht das nächste schon bevor? „Nein“, meinen alle drei lachend. „Das war ein einzigartiges Erlebnis, das kann uns keiner mehr nehmen.“ Jetzt wollen sie erst einmal die Eindrücke verdauen und die Ruhe zuhause genießen.