Es ist ein vertrautes und wohlbekanntes Bild, das längst aber aus den meisten Köpfen verschwunden scheint: Grasende Schafe auf Streuobstwiesen. Früher zur Selbstversorgung beinahe in jedem Haushalt der Südoststeiermark, sind die meisten der familiären Obstgärten im Zuge der Intensivierung der landwirtschaftlichen Flächen so gut wie verschwunden. Mit einem landwirtschaftlichen Konzept dagegenwirken möchte Maximilian Glanz aus Kapfenstein. Seine Krainer Steinschafe pflegen eine bedrohte Schafrasse die letzten noch erhaltenen Streuobstwiesen der Region.

Im Reigen der Lämmer

Dort, wo er wohnt, scheint übrigens jeden Tag Ostern zu sein: Dutzende kleine Lämmer tummeln sich aktuell auf den saftigen Wiesen, Obstbäume stehen zum Teil schon in ihrer Blüte, ein kleiner Trampelpfad führt aus dem neuen Tierwohlstall direkt auf die Weide. Ein Zeichen, dass es den Tieren gut geht.

Die Familie setzt auf eine bedrohte Schafrasse
Die Familie setzt auf eine bedrohte Schafrasse © Sebastian Friedl

Sein Weg war allerdings nicht ganz so vorgezeichnet: Maximilian Glanz ist kein gewöhnlicher Bauernsohn. Kein Hof, keine Hektar. Im Studium der Umweltsystemwissenschaften und Klimageografie in Graz samt Auslandssemester in Exeter (England) hat der 33-jährige aber Feuer darin gefangen, ökologische Zusammenhänge herzustellen und Wechselwirkungen zwischen der Natur und dem Menschen zu hinterfragen. „Dadurch wurde in mir allmählich der Drang ausgelöst, selbst etwas für die Natur zu tun und langsam wurde klar, ich muss Landwirt werden“, erinnert sich Glanz. Der Beruf sei der direkteste und für ihn letztendlich einzig mögliche Weg gewesen, nachhaltig arbeiten zu können – in, mit und für die Natur.

Landschaftlich und landwirtschaftlich in die Südoststeiermark verliebt, hatten seine Frau Theresa und er unglaubliches Glück, einen passenden Platz für ihr Vorhaben zu finden. Die Kräuter- und Obstgärten der einstigen Bio-Gärtnerei Wagner schienen perfekt dafür. „Ich wusste, der Spirit unserer Vorbesitzer lebt hier weiter und darauf wollte ich aufbauen“, erzählt Glanz. „Kreuzgrabenhof“ möchte das junge Paar nun sein Gehöft nennen.

G(l)anz oder gar nicht

Der Bauer zückt eine handliche rote Baumschere. Höchste Zeit, den letzten alten Obstbäume eine Verjüngungskur zu verpassen – die in den vergangenen Jahren neu gepflanzten wurden bereits früher im Winter geschnitten, um das Wachstum optimal anzuregen. „Über hundert Jahre gehörten hochstämmige, großkronige Apfelbäume zu unserer kulturellen Identität, der ökologische Wert muss ebenso erhalten bleiben“, erklärt Glanz.

Maximilian Glanz und sein Hütehund „Paco“
Maximilian Glanz und sein Hütehund „Paco“ © Sebastian Friedl

Dabei reiche es nicht, nur die alten, oft ohnehin schon angezählten Bestände unter den Glassturz zu stellen, sondern es müssen neue Wege hin zu zukunftsfähigen Wirtschaftsformen gefunden werden – die Mehrfachnutzung als eine der ureigensten Eigenschaften von Streuobstwiesen würde dabei helfen, meint Glanz. Die Verbindung mit Schafhaltung sei nur eine Möglichkeit, die, wie das Krainer Steinschaf, ideal an die naturräumlichen Gegebenheiten des Vulkanlandes angepasst zu sein scheint.

Auf einen kann sich Maximilian Glanz übrigens immer verlassen: „Paco! Good boy!“, ruft der Herdebuchzüchter seinem Border Collie zu. Ein Hütehund, der seine Aufgabe bereits kennt. Täglich hält er Wache über die 35 Mutterschafe und ihre Lämmchen auf der kleinen Landwirtschaft in Gutendorf. „Schafe und Obstbäume ergänzen einander übrigens gut“, nimmt Glanz das vier Wochen alte Lämmchen „Susi“ auf seinen Schoß.

Familie Glanz auf einer ihrer Weiden
Familie Glanz auf einer ihrer Weiden © Sebastian Friedl

„Die Bäume sind Schattenspender und Kratzbürste zugleich, schützen die Tiere und sorgen für angenehmes Mikroklima auf der Weide“, argumentiert der Schafzüchter. Im Gegenzug würde seine Herde die oft lange vernachlässigten Wiesen düngen, Bodenerosion hintanhalten, Wühlmäuse vertreiben und so auch die jungen Streuobstbäume schützen, die er erst kürzlich mit seinen drei Brüdern gepflanzt hat. „Ohne Unterstützung meiner Familie würde das System wohl übrigens auch nicht funktionieren“, lässt Glanz dankbar wissen.

Äpfel von der „Streuobstweide“

Neben all den genannten agronomischen Überlegungen scheint es aber vor allem die Liebe zu den Tieren, die dem ganzen Unterfangen Sinn gibt. Ob Schafbock, Muttertier oder kleines Lamm – jedes der Tiere auf dem Hof der Familie hat einen Namen. Abgestoßene Jungtiere werden mit der Hand aufgezogen, die Weideflächen alle ein bis zwei Wochen neu ausgesteckt und gewechselt, das Heu für das Winterfutter in mühevoller Handarbeit eingebracht.

„Die Pflege der Tiere erfordert ob der steilen Weideflächen manchmal enormen körperlichen Einsatz“, schmunzelt der Jung-Papa. Die Wolle in Form von Düngepellets für den Gemüsegarten und das Bio-Fleisch jener Tiere, die für die Weiterzucht nicht geeignet sind, werden übrigens zu bestimmten Terminen im Jahr ab Hof vermarktet. Künftig möchte die junge Familie auch Äpfel aus den eigenen Streuobstweiden anbieten.