„Manchmal will ich ihr ein WhatsApp schreiben: Wie geht’s dir? Oder Hängst du schon an der Chemo? Und dann reißt es mich. Ein arges Gefühl ist das“, erzählt Günther W.* (50) mit einem traurigen Lächeln. Vor drei Monaten ist der Steirer am Bett seiner Frau gesessen und hat ihre Hand gehalten, als sie für immer eingeschlafen ist.
Dabei war noch vor zwei Jahren der Blick in die Zukunft ein fröhlicher und vielversprechender: Eine Brustkrebserkrankung hatte Manuela W. überstanden und galt als geheilt, eine Hochzeit wurde gefeiert und gab der Patchworkfamilie die offizielle Fassung. Die „Patchwork-Fleckerln“, das sind Günther und Manuela W., die einander vor elf Jahren gefunden haben. Manuela W., deren Mann früh verstorben ist, brachte die damals dreijährige Emely mit in die Familie – mittlerweile ist das vife Mädchen aktive Feuerwehrfrau und Schulsprecherin. Der Sohn aus Günther W.s früherer Beziehung quartiert sich alle zwei Wochen bei der Familie ein, das jüngste Fleckerl der Familie, Oliver, wird 2017 geboren. Dem heute Siebenjährigen blitzt der Schalk aus den Augen. Obwohl er gerade jetzt enttäuscht ist, weil der Richter beim Gerichtstermin wenige Stunden zuvor keine wallende weiße Perücke getragen und keinen Hammer niedersausen lassen hat.
Diagnose Bronchialkrebs
Hier, in ihrem Zuhause, thronen gleich zwei Perücken auf Perückenköpfen. „Die Manu hat wegen der Chemo ja lang keine Haare gehabt“, sagt Günther W. Die Haare waren längst wieder nachgewachsen, die Perücken nur mehr Dekoration im Vorraum, als vor zwei Jahren die Diagnose Bronchialkrebs das Leben der fünfköpfigen Familie erschütterte. Zuerst war der hartnäckige Husten der Steirerin als Überempfindlichkeit aufgrund der überstandenen Chemo eingeschätzt worden, erzählt Günther W. Lang habe es gedauert bis zur Diagnose – danach sei alles viel zu schnell gegangen. Er erinnert sich an den Anruf der PVA: „Manu sollte sich anschauen lassen wegen der I-Pension. Weil sie gerade einen Termin im Spital gehabt hat, haben sie die Befunde gleich raufgeschickt. Drei Tage später kommt der RSA-Brief: unbefristete I-Pension gewährt. Ohne dass sie sie angeschaut haben. Da haben wir gewusst: Das ist ihr Todesurteil.“
Nachdem die Immuntherapie anfangs gut anschlägt, verschlechtert sich der Zustand von Manuela W. rapide. „Innerhalb von eineinhalb Monaten ist es jeden Tag schlimmer geworden“, sagt Herr W. „Irgendwann hat sie den Rollator gebraucht, dann ging nur mehr der Rollstuhl.“ Er baut eine Plattform, damit er seine schwerkranke Frau in den Garten führen kann, und bastelt auch sonst so einiges, um den Alltag so angenehm wie möglich für sie zu machen. Die Bezirkshauptmannschaft hätte die Kosten eines Pflegebetts getragen, dieses hätte aber keinen Platz im gemeinsamen Schlafzimmer gehabt. Also baut Günther W. ein eigenes, denn für beide ist klar, dass sie bis zum Schluss Seite an Seite schlafen wollen: „Ich hab die Höhenverstellung fürs Bett besorgt, Matratze, Bügel … das ist halt nicht übernommen worden.“ Auch sonst ist einiges an Kosten zu bewältigen, besonders die Pflegebehelfe gehen ins Geld. Und auch der Kredit, den die Familie für die neue Heizung aufgenommen hat, drückt ordentlich aufs Budget.
„Die Manu ist immer mitten unter uns“
Die letzten beiden Monate verbringt Günther W. in Hospizkarenz an der Seite seiner Frau. Sein Arbeitgeber habe ihn sehr unterstützt, noch heute muss er aufgrund seiner Betreuungspflichten nicht in der Nachmittagsschicht arbeiten. Unterstützung erhält er auch von den Flexiblen Hilfen. „Das hat alles die Manu eingeleitet“, erzählt Günther W. und fügt hinzu: „Die Manu war so eine starke Frau.“ – „Und eine lustige“, ruft Oliver von der Eckbank mit einem breiten Grinsen. Gleich hinter ihm hängt ein Eckschränkchen an der Wand, in dem ein Foto der Verstorbenen neben der Urne steht. „Die Manu ist immer mitten unter uns“, sagt Günther W. mit einem Blick auf die Urne und ergänzt: „Ich hab der Mama versprochen, dass alles gut weiterläuft“. Ein Blick in die Gesichter der Patchworkfamilie reicht, um zu sehen, dass sich das Versprechen Tag für Tag aufs Neue erfüllt. Der engagierte Papa, der seine Familie mit großer Hingabe schupft, lächelt: „Wir sind eine Patchworkfamilie, halt ohne Mama.“
Die Kosten für Pflegebehelfe, Bestattung und die neue Heizung haben die Familie nach dem schweren Schicksalsschlag finanziell in Bedrängnis gebracht. Wir möchten helfen.
* Namen geändert