Was am 19. Oktober in einem Festakt in der Mehrzweckhalle St. Peter im Sulmtal seinen Abschluss gefunden hat, ist das Ergebnis langer Planung und vieler Handgriffe. Im November 2023 haben Stefanie Strametz, Leiterin der Landjugend St. Peter im Sulmtal, und ihr Projektteam, bestehend aus Anna Lipp, Lena Lipp, Lukas Loibner, Anna Köstenbauer, Carina Sackl, Daniel Klug und Lukas Klug, die Ärmel aufgekrempelt, um ihr Jahresprojekt „Grünes Sulmtal“ in die Gänge zu bringen. Hilfreich war auch die Mitarbeit des gesamten Vorstands und der Ortsgruppe. Das Projektziel: mit dem Erlös von selbst erzeugtem Kernöl Menschen zu helfen, die sich in einer finanziellen Notsituation befinden. Aber bekanntlich ist der Weg das Ziel – und der eingeschlagene Weg war nicht nur arbeitsreich, sondern hat auch Gemeinschaft gestiftet und den Bewohnerinnen und Bewohnern der Region den Wert landwirtschaftlicher Produkte und deren Entstehen ein Stück nähergebracht.
Wie der Rudolf in die Flasche kommt
Cucurbita pepo var. styriaca lautet der botanische Name jenes Kürbisgewächses, das der Inbegriff weststeirischer Kulinarik ist. Oder ganz einfach: Ölkürbis. In fünf Veranstaltungstagen von April bis Oktober dieses Jahres konnten Interessierte hineinschnuppern in die Arbeitsschritte, bis aus den Kernen „grünes Gold“ wird. Biobauer Heinz Köstenbauer, Geschäftsführerstellvertreter der Bio Ernte Steiermark, nahm die Nachwuchs-Kernölbauern unter seine Fittiche, stellte eine biologische Fläche zur Verfügung und unterstützte mit Fachwissen und helfender Hand bei der Aufzucht der Bio-Pflanzen der Sorte „Rudolf“. Zwei Hagelschauer hat die große Rudolf-Familie überstanden, gehegt und gepflegt in etwa tausend Stunden an ehrenamtlicher Jugendarbeit. Eine Arbeit, die nicht in aller Stille stattfand, sondern Interessierte miteinband. So erfuhren Besucherinnen und Besucher beim Anbaufest Wissenswertes über das Ansetzen der Kürbisse, die perfekten Bodenbedingungen und die Behandlung des Saatguts. „Das ist ja auch richtig harte Arbeit“, weiß Landjugend-Mitglied Lukas Loibner: „Es geht darum, dass die Leute sehen, wie aufwendig das alles ist, dass den Leuten wieder bewusst ist, was da alles dazugehört: das Unkraut heindln, dass man mit dem Wetter Pech haben kann.“
Auspatzeln und lospressen
Im Rahmen des Sommerferienprogramms organisierte die Landjugend einen Kürbiskochkurs für Kinder – die jungen Köchinnen und Köche versuchten sich zusammen mit der Landjugend an selbstgemachten Nudeln mit Kürbiskernpesto, knusprigen Kürbisstangerln und einem saftigen Zucchini-Schoko-Kuchen. Auch bei der Kürbisernte waren die kleinen Hände im Einsatz – gemeinsam mit den Händen von Seniorinnen und Senioren des Seniorenbundes St. Peter. Zusammen wurden einige Rudolfs händisch geerntet und mit Vergnügen „ausgepatzelt“ – „eine Kindheitserinnerung von uns allen“, schmunzelt Stefanie Strametz –, bevor die restliche Ernte großen Maschinen übertragen wurde. Gepresst wurde schließlich im Zuge einer öffentlichen Veranstaltung bei der Ölmühle Brauchart. Und weil alles wie geschmiert lief, wurde die Eierspeis zu Mittag schon mit frischem Kernöl beträufelt. 130 Halbliterflaschen mit grünem Gold wurden schlussendlich verschraubt und mit Etiketten versehen – die das „Steirer helfen Steirern“-Logo tragen, denn die vielen Arbeitsstunden über das Jahr sollen Menschen in Not zugutekommen. Um dies zu gewährleisten, vertraut die Landjugend den Erlös ihrer Aktion „Grünes Gold“ dem Verein „Steirer helfen Steirern“ an.
5.100 Euro Erlös aus dem weststeirischen Gold
Nach der Pflicht die Kür: Bei der Abschlussveranstaltung am 19. Oktober wurde nicht nur der Abschluss des Jahresprojekts ordentlich gefeiert, Kernöllikör verkostet und Schmankerln rund um den Kürbis serviert, sondern auch das Kernöl aus Eigenbau verkauft. Die Gäste – darunter Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Maria Skazel, die an diesem Abend das Ehrenabzeichen in Silber für besondere Leistungen der Landjugend Steiermark erhielt – honorierten den Einsatz der Landjugend mit viel Applaus und begeistertem Griff zu den Kernölflaschen. Und nach der ersten Kostprobe darf verraten werden: So gut schmeckt spenden nur selten!