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Wegen CoronaStubenberg als Endstation für „Circus Emilio“

Familie Wertheim ist mit ihrem „Circus Emilio“ am Stubenbergsee gestrandet. Der Lockdown verhindert Auftritte an anderen Orten.

Circus Emilio © Unterweger
 

Das Zelt ist schon abgebaut und eigentlich stünde alles bereit, um weiterzuziehen. Doch für Familie Wertheim und ihren „Circus Emilio“ endet die Reise vorerst hier, in Stubenberg am See. Bedingt durch den Lockdown wissen die Wertheims nicht wohin – ihre 14 Wägen und das Zelt mit einem Durchmesser von 15 Metern frühzeitig in das Winterquartier nach Niederösterreich zu bringen, können sie kaum finanzieren. Wie in vielen Zirkusfamilien, etwa auch bei der Artistenfamilie Brumbach, ist die Lage ernst.

„Was wir machen ist: verdienen und ausgeben, verdienen und ausgeben“, schildert Emil Wertheim vom „Circus Emilio“. Versicherungen, Stellplätze und Lebensmittel müssen bezahlt werden, will man den Standort wechseln, sind die Tankkosten hoch. Doch schon die Vorstellungen in den Sommermonaten waren spärlich besucht und die Einnahmen dementsprechen niedrig. „Statt, wie normalerweise, etwa hundert Leuten, waren höchstens dreißig oder vierzig da“, bedauert Wertheim.

Dass sein „Circus Emilio“ als Kinderzirkus nur ein vergleichsweise kleines Zelt hat, habe viele Besucher mit Bedenken vor dem Coronavirus zusätzlich abgeschreckt. Einige ihrer Zirkusnummern konnten sie nicht zeigen, weil Freiwillige aus dem Publikum involviert gewesen wären – mit Corona-Abstand undenkbar.

Für mich ist es wie in einem Gefängnis. Ich bin es gewohnt zu reisen, teils vier bis fünf Ortschaften pro Woche.

Emil Wertheim, Circus Emilio
Nun macht der zweite Lockdown Vorstellungen gänzlich unmöglich und hinterlässt die neunköpfige Familie, ohne finanzielle Rücklagen und Einnahmen, gewissermaßen gestrandet am Stubenbergsee. „Wir sind jetzt seit rund einer Woche da und werden wohl auf unbestimmte Zeit hierbleiben“, erklärt Emil Wertheim. „Für mich ist es wie in einem Gefängnis. Ich bin es gewohnt zu reisen, teils in vier bis fünf Ortschaften pro Woche.“

Der klassische Ablauf: ein Tag für den Aufbau, am nächsten Tag wird eine Show gespielt, danach folgt ein Tag für den Abbau. Er habe bereits mit dem Bürgermeister gesprochen, vorerst dürfe man in Stubenberg bleiben. „Es wird eine Lösung geben“, so Alexander Allmer. Zum einen könne jede Privatperson spenden, zum anderen werde man sich in der Gemeinde zusammensetzen: „Wir werden schauen, was wir machen können.“


Es ist nicht das erste Mal, dass die Wertheims mit ihrem Zirkus festsitzen. Bereits während des Lockdowns im Frühjahr mussten sie dreieinhalb Monate im burgenländischen Neudorf bei Parndorf bleiben. Damals gab es eine Welle der Solidarität, die Bevölkerung brachte Lebensmittel und sammelte Geld. Emil Wertheim erledigte zudem kleinere Dienste für Bürger, half etwa bei Holzarbeiten oder legte Fliesen.

Auch in Stubenberg könne man sich unter Tel. 0664-7624022 bei ihm melden oder direkt beim Zirkus vorbeikommen, so Wertheim. Geldspenden können an AT04 6000 0801 1013 6203 überwiesen werde

Kommentare (1)
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tenke
6
5
Lesenswert?

Vagabundendasein

Muss man in diesem Beruf nicht für sich selbst vorsorgen, wie alle anderen Berufstätigen es tun?