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"Die Hödlmosertypen sind heute fast ausgestorben"

40 Jahre "Aus dem Leben Hödlmosers": 1973 sorgte Reinhard P. Grubers Anti-Heimatroman nicht nur für Begeisterung. Auf den Spuren eines legendären Steirers.

© Susanne Hassler
 

I m nordosten von kumpitz steht der hödlmoserhof. der weg zu hödlmoser führt eine halbe stunde über kumpitz hinaus. das aichfeld hat einen guten blick zum hödlmoserhof.*

Früher sind die Bäume da noch nicht gestanden", sagt Reinhard P. Gruber und zeigt hinunter auf das weite, sonnendurchflutete Tal des Aichfelds. Wir stehen vor jenem kleinen Bauernhaus am Schlapfkogelweg, in dem der "echte" Hödlmoser wohnte, rumpelige zehn Autominuten vom Fohnsdorfer Ortsteil Kumpitz entfernt. Heute hat es längst einen neuen Besitzer und ist frisch renoviert, ein ausgebleichter Zettel warnt vor Videoüberwachung. Das Häuschen ist Hauptattraktion eines Themenwanderweges, im Mai wird der Autor dort zur Weihung der Kapelle lesen.

Sein "Hödlmoser" ist Pflichtlektüre für Schüler und das steirische Kultbuch, sein Satz "Steirerblut ist kein Himbeersaft" Volksgut. Anlässlich der bevorstehenden Hörbuchveröffentlichung zum Jubiläum (siehe Info) heißt es sogar: "Was dem Deutschen sein Faust, das ist dem Österreicher sein Hödlmoser."

"Die Reaktionen haben sich im Lauf der Generationen sehr geändert", sagt Gruber. "Die alten Hödlmosertypen sind heute fast ausgestorben." Damals sei das Buch in Kumpitz sehr schlecht angekommen. Das Haus seiner Eltern wurde beschmiert, die lokale Presse wetterte gegen den Roman. Denn: Die Orte des Geschehens gibt es wirklich, wie auch viele der Nachnamen. Den Nachnamen des tragikomischen Helden seines Romans hatte Gruber eigentlich von einem Salzburger Galeristen entlehnt, auf den inzwischen verstorbenen Kumpitzer Bergmann Gottfried Hödlmoser war er erst später gestoßen. Ihn machte der gebürtige Fohnsdorfer Gruber kurzerhand zum unfreiwilligen Romanhelden, das Geschehen verlegte er in seine eigene Heimat. Geschrieben hat er aber in Wien, denn: "Es braucht Distanz, um sich zu erinnern. Man erinnert sich oft auch falsch, aber das macht nix."

der (...) begeisterungsboom der fohnsdorfer zuschauer (...) führt zu einer weiteren, jetzt latenten hebung der fohnsdorfer fußballgefühle sowie zu einer akuten absatzsteigerung am buffet.*

Über dem ehemals rötlichen Schlackeplatz des WSV Fohnsdorf ist Gras gewachsen. "Dass da einmal etwas wächst, hätten wir nie gedacht", sagt Gruber und lehnt sich gegen die angerostete Torstange. Heute gibt es auf der anderen Straßenseite ein modernes Sportzentrum, die größten Spiele wurden aber auf dem alten Platz ausgetragen. Bis zu 4000 Zuschauer kamen in den Glanzzeiten zu den Heimspielen der Fohnsdorfer, die nur knapp am Aufstieg in die Bundesliga scheiterten. Gruber half damals seinem Vater im Kassenhäuschen aus. Er erinnert sich: "Die Züge sind auf dem Weg nach Zeltweg manchmal neben dem Spielfeld stehen geblieben, damit die Leute zuschauen können. Im Kassenhäuschen haben wir das natürlich nicht gern gesehen."

und die hödlmoserischen ziehen jedes jahr (...) nach maria buch zum maxlaunermarkt. (...) als aber der tag vorüber ist (...) bleibt der knabe schurl in maria buch und seine eltern wissen es nicht. denn siehe, sie haben sich gehörig berauscht.*

Für die "steirische Wallfahrtsgeschichte", in der die Familie nach Maria Buch geht und dort Sohn Schurl vergisst, hat Gruber den Markt aus Niederwölz kurzerhand in den schmucken Wallfahrtsort verlegt. Dort schmiegt sich an die alte Kirchenmauer mittlerweile dreist eine Metallbaufirma. Das Gasthaus, in dem der durstige Sohn wiedergefunden wird, gibt es aber nicht wirklich: "Ich war hier nie im Wirtshaus," lacht Gruber, "Hödlmoser aber wohl." Auch die berühmte Köflacher Schlägerei habe er an keinem bestimmten Ort angelegt. Dass dem echten Hödlmoser aber wirklich der Ruf eines Raufbolds vorauseilte, sei eine von vielen unbeabsichtigten Parallelen gewesen. Mehr oder weniger.

wie die wenigen menschlichen überlebenden (...) angaben, hätten sie zeit ihres lebens so etwas noch nicht erlebt.*

Das drastische Ende des Buches hätte, so der Autor heute, noch viel drastischer ausfallen sollen: "Die apokalyptischen Reiter hat mir der Verlag ausgeredet." In einem Punkt setzte er sich aber durch: "Man riet mir: ,Setz dich sofort hin und schreib eine Fortsetzung.' Aber ich mache nie zwei Mal das Gleiche."

*Textpassagen: "Aus dem Leben Hödlmosers", Residenz Verlag 1973/2004.

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