„Er war vieles“, wird sinngemäß der Pfarrer bei der Trauerrede verlautbaren: „Familienvater, Bruder, Großvater, HTL-Absolvent, Sprengmeister, Tunnelarbeiter, Kulturtreibender, Ausstellungsmacher, Buchautor.“ Der Geistliche wird auf die Heimatverbundenheit verweisen, wenn er die Lebensstationen von Wolfgang Brossmann aufzählt, seine vielen Projekte und Engagements.

Er wird davon sprechen, dass der 1962 in Lafnitz Geborene als Gründer und Leiter des Vereins „kulturforum grenzGänge“ vieles bewegt hat, von Ausstellungen bis CD-Produktionen, von Lesungen bis zu Konzerten. Mit Franz Zebinger initiierte Brossmann die Produktion „Lafnitz – alles fließt. Eine musikalische Zeitreise“ (2004, Aichbergiana Verlag), mit dem Verein Aufarbeiten und Gedenken brachte er 2018 die Ausstellung „Borderline – Identitäten an einer Grenze“ in die Pfeilburg nach Fürstenfeld und nach Friedberg.

Aufarbeitung der NS-Zeit

Einiges mehr könnte man noch anführen, auch dass der leidenschaftliche Vielleser und Kartensammler Vorstand von SOS-Mitmensch Burgenland war. Jedoch blieb ihm der Abschluss seiner letzten Forschungsarbeit, seine letzte Herzensangelegenheit sozusagen, versagt: Eine umfassende Präsentation der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus im Raum Hartberg.

Diese dunkle Epoche der Europäischen, der Österreichischen, der Oststeirischen Geschichte war sein Brennpunkt. Er beginnt mit der persönlichen Auseinandersetzung, mit der Rolle des eigenen Vaters im Nationalsozialismus, und endet mit den Opfern des Nazi-Regimes und dem laxen Umgang der heimischen Gedenk- und Erinnerungskultur. Gegen das Vergessen schrieb er an mit seinen beiden Büchern „Die Zeit der Feste“ (2009) und „Ausgeliefert!“ (2013, beide Aichbergiana), gegen das Verschweigen.

Verabschiedung in Grafendorf

Verschlungen wie die Mäander der Lafnitz führte sein Weg von der Wiege am historischen Grenzfluss, dem Tunnelbau in Wien, zwischen Büchern und Karten und den vielen Menschen mit denen er gearbeitet hat, die er interviewt und den jungen Menschen, die er inspiriert hat. Er führte ihn zuletzt nach Graz, von wo aus er seine letzten historischen Projekte koordinierte.

Nun verläuft sich seine Spur, vertrocknet ein Mäander. Wolfgang Brossmann verstarb am 20.2.2026 nach schwerer Krankheit. Er wurde in Grafendorf verabschiedet.